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Deutscher IT-Pionier : Wie Konrad Zuse vor 80 Jahren in Berlin den Computer erfand

  • Aktualisiert am

Beeindruckende Leistung: Konrad Zuse baute den ersten Allzweck-Computer, unser Bild zeigt ihn an seinem 75. Geburtstag im Jahr 1985. Bild: Picture-Alliance

Ein deutscher Bauingenieur konstruierte den ersten funktionierenden modernen Computer des Planeten. Wie es dazu kam.

          3 Min.

          An Wagemut hat es Konrad Zuse nicht gefehlt. Als Statiker der Henschel Flugzeugwerke in Berlin hatte er eine feste Anstellung, was Anfang der dreißiger Jahre in Deutschland keine Selbstverständlichkeit war. Doch die immer wiederkehrenden Berechnungen langweilten den studierten Maschinenbauer und Bauingenieur so sehr, dass er 1935 den Sprung in die Selbstständigkeit wagte. Im Wohnzimmer seiner Eltern entwickelte er eine Rechenmaschine, welche die langwierigen Berechnungen der Statiker automatisch erledigen sollte. Es war der Vorläufer des ersten funktionsfähigen Digitalrechners auf der ganzen Welt. Der Z3 wiederum wurde vor genau 80 Jahren, am 12. Mai 1941, erstmals in Betrieb genommen.

          Doch der Reihe nach: Zuse wollte nicht weniger als ein „mechanisches Gehirn“ entwerfen. Konzeptionell betrat der Fünfundzwanzigjährige dabei Neuland. Die Maschine sollte das Binärsystem verwenden, also mit „Nullen“ und „Einsen“ beziehungsweise den Zuständen „wahr“ und „falsch“ rechnen. Für die Realisierung der Ablaufsteuerung wollte Zuse dann die Aussagen der binären Logik verwenden.

          Mehr als ein Computer: Der unterschätzte Konrad Zuse

          Um die Statik-Berechnungen anzugehen, hatte sich Zuse vorgenommen, mit einem kompakten Speicher für 16 Zahlen zu arbeiten. Bei den ersten Konstruktionen griff er dabei auf eine Erfahrung aus seiner Jugend zurück: Mit dem Metallbaukasten des Unternehmens Stabil hatte er nach seinem Abitur einen komplexen Kohleverladekran zusammengebaut, wofür er die Ehrenurkunde der Firma erhielt.

          Der erste Entwurf für Zuses Rechner, die Z1 aus dem Jahr 1938, bestand aus übereinander liegenden Blechstreifen. „Die Z1 war jedoch die meiste Zeit verklemmt“, schreibt der Berliner Informatiker und Historiker Ralf Bülow in einem Blog-Eintrag des größten Computermuseums der Welt, des Heinz Nixdorf Museums Forum in Paderborn, zum Z3-Jubiläum.

          Übereinander liegende Blechstreifen

          In einem zweiten Anlauf nahm Zuse von einer rein mechanischen Lösung Abstand. Rund zweihundert elektromagnetische Relais sollten nun die Rechenarbeit übernehmen. Die Z2 funktionierte etwas besser als die Z1, war aber für einen kommerziellen Einsatz noch nicht zuverlässig genug. Sie weckte aber immerhin das Interesse von Alfred Teichmann, der Abteilungsleiter im Institut für Festigkeit der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt (DVL) war.

          Teichmann beschäftigte sich im Institut am Flugplatz Johannisthal im Berliner Stadtteil Adlershof vor allem mit dem Phänomen des Flatterns. „So nannten die Luftfahrtexperten seit den 1920er-Jahren die rhythmischen Verdrehungen von Flügeln und Leitwerk, die bei bestimmten Geschwindigkeiten auftreten konnten. Im schlimmsten Fall stürzte das Flugzeug ab“, schreibt Bülow.

          Für die Flatterforschung

          Die Ingenieure des DVL versuchten das Flattern durch konstruktive Änderungen in den Griff zu bekommen. Dazu wurden beispielsweise eingebaute Gewichte in den Tragflächen verschoben, um den Schwerpunkt zu verändern. „Dazu musste aber sehr viel gerechnet werden.“ Als nun Teichmann die Z2 sah, habe er die Möglichkeiten für die Flatterforschung erkannt. Zuse wurde mit dem Bau eines größeren Rechners beauftragt.

          Zuse benötigte dann noch einmal ein Jahr, um die Z3 zu entwickeln. Und ihm gelang der große Wurf – obwohl er weitgehend von der deutschen Kriegswirtschaft ignoriert wurde: Die Z3 ist in die Computer-Geschichte als erster frei programmierbarer und programmgesteuerter Rechenautomat eingegangen.

          Der erste Testlauf fand vor achtzig Jahren statt, am 12. Mai 1941 in der Methfesselstraße 7 in Berlin-Kreuzberg. Dort hatte Zuse die Werkstatt seines Ingenieurbüros eingerichtet. „Im Rechen- und Speicherwerk der Z3 steckten 2000 Relais; für die Ein- und Ausgabe der Zahlen gab es ein kleines Schaltpult, die Programmierung erfolgte mit gelochten Filmstreifen“, schreibt Bülow. „Wenn man die Verwendung elektromagnetischer Technik zulässt, dann war die Z3 der erste funktionsfähige Computer.“

          Richtig zum Einsatz kam die Z3 aber nie. Sie wurde zwar mehrfach vorgeführt, wurde jedoch im Jahr 1943 während eines Bombenangriff zerstört. Der erste auf Röhrentechnik basierende Computer, der von John Mauchly und John Presper Eckert in den Vereinigten Staaten entwickelte ENIAC, wurde indes erst 1946 fertig gestellt. Der „Electrical Numerical Integrator And Calculator“ (ENIAC) sollte, wie der Name nahelegt, die „numerische Integration“ beschleunigen, also die Berechnung einer Fläche unter einer Kurve im Koordinatensystem.

          Dabei ging es nicht um eine abstrakte mathematische Fingerübung. Vielmehr sollte den amerikanischen Soldaten im Zweiten Weltkrieg ganz konkret dabei geholfen werden, schnell die Flugbahnen der Artilleriegeschosse zu berechnen.

          Sie konnten im Zweiten Weltkrieg allerdings nicht mehr vom ENIAC profitieren, denn die Maschine wurde erst nach Kriegsende fertiggestellt. Mit dem aufziehenden Kalten Krieg änderte sich dann der Verwendungszweck des Rechners: Der ENIAC wurde von Wissenschaftlern in Los Alamos verwendet, um die Zerstörungskraft der ersten Wasserstoffbombe zu berechnen.

          Eine 1:1-Modell des ENIAC ist unter anderen im HNF in Paderborn zu bestaunen. Ein funktionsfähiger Nachbau der Z3 befindet sich im Deutschen Museum in München. Außerdem ist im Deutschen Technikmuseum in Berlin ein Nachbau zu sehen, den der Sohn des Computer-Pioniers, Horst Zuse, 2010 zum 100. Geburtstag seines Vaters gebaut hatte.

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