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Computer : Fiorina: HP-Aktionäre haben Fusion mit Compaq bewilligt

  • Aktualisiert am

Es sieht nach einem Erfolg für HP-Chefin Fiorina aus Bild: dpa

Die HP-Aktionäre haben die Fusion mit Compaq bewilligt, sagt Carly Fiorina. „Too close to call“, ihr Gegenspieler Hewlett. Der Streit geht weiter.

          Der Kampf um eine Fusion von Hewlett-Packard (HP) und Compaq scheint entschieden. Nach Ansicht von HP-Chefin Carly Fiorina haben die Aktionäre des Drucker- und Computerkonzerns am Dienstag im kalifornischen Cupertino die Megafusion bewilligt. Skeptischer gibt sich ihr Rivale Walter Hewlett.

          „Wir haben genügend Stimmen für die Fusion bekommen“, sagte Fiorina im Anschluss an die HP-Hauptversammlung. Eine „kleine, aber entscheidende Mehrheit“ habe das Projekt unterstützt, sagte Fiorina unter Berufung auf ihren Rechtsvertreter. Bis ein offizielles Ergebnis vorliegt, können aber noch Wochen vergehen. HP hat knapp 900.000 Aktionäre. Auf der Hauptversammlung waren allerdings weniger als 2.000 anwesend.

          Abstimmung und Debatte dauerten etwa eine Stunde. Fiorina sagte vor den versammelten Aktionären, die Fusion biete HP die beste Chance „auf Führerschaft, auf Wachstum“. In ihrer von Buhrufen unterbrochenen Rede bestand sie darauf, dass es keine Alternative zum Zusammengehen der beiden Technologiekonzerne gebe.

          Hewlett glaubt nach wie vor an Ablehnung

          Der erbitterte Fusionsgegner Hewlett,hielt dagegen, HP brauche die Fusion nicht. Es sei ein „starkes Unternehmen“ und befinde sich nicht in der Krise. Der Erbe des Unternehmensgründers Bill Hewlett, der seit Monaten gegen die Pläne Fiorinas Front macht, bekam stehende Ovationen.

          Hewlett bestand darauf, dass es verfrüht sei, schon jetzt das Ergebnis bekannt zu geben. Das Resultat der Abstimmung sei „too close to call“, betonte Hewlett unter Anspielung auf die äußerst knappen Ergebnisse der amerikanischen Präsidentschaftswahlen in einigen Bundesstaaten. „Ich bin davon überzeugt, dass wir ebenso gute Chancen haben wie das Management“, sagte Hewlett, der seit mehr als einem Jahrzehnt im HP-Verwaltungsrat sitzt.

          Fusionsgegner protestieren

          Die große Mehrheit der Anwesenden waren Kleinaktionäre, von denen viele gegen die Fusion sind. Die Mehrheit der Aktien an HP wird jedoch von Firmen oder Organisationen gehalten. Bereits im Vorfeld wurde mit einem äußerst knappen Ausgang gerechnet.

          Für eine gültige Abstimmung mussten die Inhaber von mehr als 50 Prozent der HP-Aktien teilnehmen. Für einen Sieg reichte dann wiederum eine einfache Mehrheit von mehr als 50 Prozent der bei der Abstimmung vertretenen Aktienanteile. Eine persönliche Teilnahme an der Versammlung war nicht erforderlich; die Aktionäre konnten auch per Brief abstimmen. Viele Teilnehmer an der Versammlung waren ganz in Grün gekleidet und brachten damit ihren Widerstand gegen die Fusion zum Ausdruck. Bei der Abstimmung waren die „Nein"-Stimmzettel grün, die „Ja"-Zettel weiß. Auf Transparenten standen Slogans wie „Carlys Traum ist ein Alptraum für die Arbeiter“.

          In den vergangenen Monaten hatte sich Fiorina eine heftige öffentliche Kontroverse mit den Gegnern der Fusion geliefert. Zu ihnen gehören sämtliche Erben der Firmengründer Bill Hewlett und Dave Packard. Die Erben verfügen über einen Anteil von 18 Prozent der HP-Aktien. Walter Hewlett warnte, dass das schwächelnde PC-Geschäft bei Compaq dem neuen Megakonzern und seinen Aktionären dauerhaft schaden würde.

          Lange Auszählung denkbar

          Durch die Fusion soll der nach IBM zweitgrößte Computerkonzern der Welt mit einem geschätzten Jahresumsatz von rund 82 Milliarden Dollar entstehen. HP will für Compaq nach derzeitigem Aktienwert etwa 22 Milliarden Dollar zahlen. Andererseits rechnet Fiorina mit Einsparungen von mehr als 2,5 Milliarden Dollar jährlich durch den Deal. Mehr als 13. 000 Stellen sollen gestrichen werden, auch mehrere hundert in Deutschland. Sollte die Fusion scheitern, wird der Rücktritt der 47-jährigen Fiorina erwartet. Die ehrgeizige und mediengewandte Managerin steht erst seit zweieinhalb Jahren als bislang einzige Frau an der Spitze eines der US-Hightech-Riesen.

          Die Stimmzettel sollten noch am Dienstag an die US-Ostküste zur Wirtschaftsprüfungsfirma IVS Associates im Bundesstaat Delaware geschickt werden. Die Auszählung wurde zwar vor Ort vorgenommen. Sollte aber eine der rivalisierenden Parteien das Ergebnis anfechten, müsste neu gezählt werden. Bei Compaq sollten die Aktionäre am Mittwoch abstimmen. Bei ihnen wird mit einer klaren Zustimmung gerechnet.

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