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Computer : Dells Innovationskraft stagniert

  • -Aktualisiert am

Was Dell früher auszeichnete war vor allem die konsequente Nutzung des Internets als Vertriebsweg. Das allein reicht nicht mehr. Das Wachstum nimmt ab.

          3 Min.

          Dell war einmal innovativ, innovativer als andere und wurde immer besser und größer und schöner. Lange ist das noch nicht her. Doch die Zeiten der Wachstumsschritte von 50 Prozent sind vorerst vorbei. Die jüngsten Zahlen zum dritten Quartal 2000 blieben nach vorangegangener Gewinnwarnung im Rahmen der Erwartungen.

          „Der Umsatz ist um 27 Prozent gegenüber dem Vorjahr gewachsen“, sagte Dell-CFO Jim Schneider. Für das kommende Jahr erwarte man jedoch lediglich ein Wachstum von 20 Prozent.

          Früher waren die Zeiten besser. Nicht ohne Grund betonte Michael Dell höchstselbst ein 20-prozentiges Wachstum als „nicht nur stark, sondern beispiellos“. Damit hat er Recht, vergleicht man es mit der Konkurrenz zur Zeit. Misst man es jedoch an den eigenen Zahlen des Jahres 1999 und der Jahre davor, dann irrt Herr Dell. Dell war einmal innovativ...

          Online Vertrieb bevorzugt

          Die texanische Computerschmiede des jungen Firmengründers Michael Dell war eine der ersten, die die Vertriebschancen des Internets erkannte. Sie setzte konsequent auf diese Option und hatte Erfolg. Mittlerweile zählt man neben den Klassikern Hewlett-Packard, Compaq, IBM und Fujitsu-Siemens zu den Großen der Computerbranche. Beim Verkauf über das Internet ist man führend. „In diesem Jahr werden 45 Prozent unserer Verkäufe im Bereich Europa, Mittlerer Osten und Afrika Online abgewickelt. Weltweit sind es derzeit 50 Prozent“, erklärt Jereld Neeld, Pressechef bei Dell für Europa. In absoluten Zahlen stieg der Gewinn im Online-Verkauf von zwölf Milliarden im Vorjahr auf 16 Milliarden in diesem Jahr.

          Direkter Handel

          Die Nutzung des direkten Handels via Internet machte den rasanten Aufstieg des 1984 in Austin vom damals 19-jährigen Dell gegründeten Unternehmens möglich. Der Verkauf über das Internet ohne Zwischenhändler drückt nämlich entweder die Preise für die Endverbraucher, die so etwas mit erhöhter Nachfrage honorieren, oder steigert die zu erzielenden Margen für den Verkäufer - das ist auch nicht schlecht.

          Kleine Lager

          Dell war einmal innovativ... Dell produziert erst auf Bestellung. Dieses „Built-to-order“- Produktionssystem trägt maßgeblich dazu bei, den Lagerumschlag, d. h. die Zeit, die ein Teil im Lager in der Regel verbleibt, auf nur sechs Tage zu senken. Entsprechend klein können die Lager und die damit verbundenen Kosten gehalten werden. Diese Effizienz hat nicht nur Vorteile, sondern macht auch verwundbar. Lieferengpäße, wie etwa bei Intel-Chips in der jüngsten Vergangenheit, treffen die Texaner weitaus härter als ihre Konkurrenten, weil sie die Nachfrage nicht durch den Puffer an Lagerbestand bedienen können.

          Nah am Kunden

          Ein weiteres kommt hinzu: Durch den direkten Kontakt mit den Kunden über das Internet, kennt das Unternehmen deren Anforderungen an die Geräte und an den Service sehr genau und kann schneller darauf reagieren, als die Konkurrenz, die ihre Produkte vorwiegend über den Handel absetzt.

          Zur Konkurrenz aufgeschlossen

          Die Internet Strategie machte in der Vergangenheit die Stärke der Texaner aus. Mit diesen klaren Vorteilen trieb der Aufsteiger aus Austin die großen Konkurrenten vor sich her. Mittlerweile hat er sie erreicht. Noch immer wächst Dell mit größerer Geschwindigkeit in den meisten Sparten - PC, Server, Notebooks und Datenspeicherprodukte - als die anderen. Im Bereich Server und Notebooks konnte Dell im vergangenen Jahr einen Prozentpunkt Marktanteil zulegen.

          Achills Wettlauf

          Dennoch, je näher Dell an die Marktführer heranrückt, desto langsamer verringert sich der verbleibende Abstand. Den Texanern scheint es zu gehen wie Achill im Wettlauf mit der Schildkröte. Immer wenn er den Punkt des Führenden erreicht hat, ist dieser über sein alten Ort schon wieder hinaus. Wenn der gute Pelide dann zum neuen Punkt der Schildkröte gelangt, hat die sich, wenn auch nur um ein Geringes, wieder weiter bewegt. In der Logik dieses Vergleichs lässt sich der Führende niemals überholen, lediglich der Abstand verringert sich. Schlechte Aussichten für Dell?

          Zukunft zählt

          Die Wirtschaft gehorcht allerdings meist einer anderen Logik. Im Fall Dell drängt sich der Vergleich jedoch auf. In der Vergangenheit galt man zurecht als Tiger unter den Etablierten. Für die Analysten ebenso wie für die Anleger, ist die Vergangenheit, wie heroisch sie aus gewesen sein mag, zweitrangig. Was wirklich zählt ist die Zukunft. Und die verspricht lediglich ein gebremstes Wachstum. Der Tiger muss auch weiterhin seine Angriffslust und sein -vermögen, sprich Innovationskraft, beweisen, sonst wird er zur Hauskatze unter anderen Hauskatzen.

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