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Commerzbank und Deutsche Bank : Alte IT könnte bei Bankenfusion Milliarden kosten

Unternehmenszentralen von Deutscher Bank und Commerzbank in Frankfurt Bild: Wolfgang Eilmes

Die Zusammenführung der Computersysteme in Kreditinstituten ist äußerst komplex. Deutscher Bank und Commerzbank würde eine solche große Probleme bereiten.

          Kosten senken, Gewinn steigern. Das ist, vereinfacht gesagt, die Hauptidee hinter der möglichen Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank. Die Vorstände der beiden Großbanken arbeiten an einem Plan, mit dem die beiden allein nicht besonders profitablen Banken nach einem Zusammenschluss die durchschnittlichen Kosten je Kunden senken können.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Ein wesentlicher Hebel dafür dürfte neben einem Stellenabbau die Zusammenlegung der Informationstechnik (IT) sein. Doch hier steckt der Teufel im Detail.

          Die Kernbanksysteme beider Großbanken stammen noch aus den siebziger Jahren. Unternehmensberater nennen ihre IT-Systeme in einer Präsentation für Abgeordnete des Bundestages „renovierungsbedürftig, stark fragmentiert und kurzfristig nicht harmonisierbar“. Zwar lehre die Erfahrung aus früheren Bankfusionen, dass am besten schnell alle Daten auf eines der beiden IT-System und zwar auf das der größeren Bank übertragen („migriert“) werden sollte, sagen die Berater. Aber kurzfristig wird das nicht gehen.

          Am Anfang würde es teuer

          Ähnlich wie für den Arbeitsplatzabbau in Form von Abfindungen für ausscheidende Mitarbeiter gilt auch für die aufwendige Zusammenführung der IT-Systeme und Kundendaten: Es werden erst einmal zusätzliche Kosten, vermutlich insgesamt ein „Restrukturierungsaufwand“ in Milliardenhöhe entstehen.

          Auch Berater werden dazu beitragen. So lässt sich die Deutsche Bank in den Fusionsverhandlungen von der Investmentbank Citi und der Anwaltskanzlei Freshfields beraten, die Commerzbank von den Investmentbanken Goldman Sachs und Rothschild sowie der Anwaltskanzlei Hengeler Mueller.

          Die Kostensenkungen – Berater unterstellen für eine Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank 6 Milliarden Euro im Jahr, davon jeweils die Hälfte für Personal und Sachkosten wie IT – dagegen treten erst in späteren Jahren ein – wenn überhaupt. In der Deutschen Bank lassen sich die Schwierigkeiten einer IT-Zusammenführung unter einem Namen zusammenfassen: Magellan.

          Nachdem die größere Deutsche Bank die Postbank von 2008 an übernommen hatte, sollte unter dem Namen des berühmten Seefahrers eine neue IT-Plattform für beide Banken geschaffen werden. Hunderte Fachleute tüftelten über Jahre daran, die Ziele wurden aber nie erreicht. Bis zum Abblasen des Projekts 2015 soll es eine dreistellige Millionensumme verschlungen haben. Dass die Konzernführung die Postbank zunächst integrieren wollte, sie dann wieder zum Verkauf stellte und sie nun zum Mai 2018 doch komplett mit dem Privatkundengeschäft verschmolzen hat, erschwerte den Prozess. Wie weit die Zusammenführung der IT inzwischen ist, dazu sagt die Bank lieber nichts.

          Für Modernisierung ein Hindernis

          Jan Duscheck von der Gewerkschaft Verdi warnt aber, dass bei einer möglichen Fusion mit der Commerzbank die Integration der Postbank in die Deutsche Bank ein drittes Mal angegangen werden müsste. Er hat dabei auch die Schwierigkeiten mit den Computerprogrammen im Kopf. „In der IT arbeiten beide Institute gerade daran, zukunftsfähig zu werden. Eine Fusion würde diese Bemühungen erschweren und verlangsamen.“

          Die Fusion der Commerzbank mit der Dresdner Bank gilt dagegen auf der IT-Seite als weitgehend geglückt. Schon Ende 2011 und damit weniger als drei Jahre nach der Übernahme der Dresdner Bank konnte die Commerzbank das IT-System der Dresdner Bank abschalten und Kosten in Höhe von 1,5 Milliarden Euro jährlich einsparen. Der Commerzbank-Vorstand argumentierte, man habe schnell entschieden und mit dem IT-System der Commerzbank das langsamere, aber stabilere gewählt.

          Allerdings war das IT-System der Dresdner Bank rund 20 Jahre jünger, viele Dresdner-Bank-Mitarbeiter und auch die Kunden etwa im Online-Banking fühlten sich 2012 „in die Steinzeit“ versetzt. Erst in der vergangenen Woche beklagte eine frühere Dresdner-Bank-Mitarbeiterin gegenüber dieser Zeitung, dass das System der Commerzbank bis heute noch viele Funktionen etwa im Firmenkundengeschäft nicht besitze, über die das Dresdner-System schon verfügt habe.

          Und die Mitarbeiterin schlug dann auch schnell den Bogen zurück in die Gegenwart: „Auch die Deutsche Bank wird unser IT-Problem nicht lösen.“

          Damit meint sie, dass die Commerzbank auch aufgrund neuer Regeln, etwa Datenmeldevorschriften an die Aufsicht, ständig in die Informationstechnik investieren muss und dafür andere IT-Projekte liegen bleiben. Schließlich hat die Commerzbank im Jahr 2018 ihr Kostenziel verfehlt: Statt wie geplant weniger als 7 Milliarden Euro hast sie in der Verwaltung wegen höherer IT-Kosten 7,1 Milliarden Euro ausgegeben.

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