https://www.faz.net/-gqe-a11z8

Commerzbankspitze tritt zurück : Zielkes Ära endet ohne Glanz

Martin Zielke Bild: dpa

Ohne Esprit und ohne jede Begeisterungskraft spulte Martin Zielke schon Ende September Neuigkeiten zur Wachstumsstrategie ab. Mittlerweile weiß niemand mehr, wofür man die Commerzbank eigentlich noch braucht.

          1 Min.

          Der 27. September 2019 wird vielleicht als der Tag in die Geschichte der Commerzbank eingehen, an dem begonnen wurde, die Tage von Martin Zielke zu zählen. Ohne Esprit und ohne jede Begeisterungskraft spulte der Commerzbank-Vorstandsvorsitzende die Neuigkeiten zur Wachstumsstrategie 5.0 ab. Was sich fortschrittlich, ja vielleicht sogar visionär anhören sollte, war in Wahrheit die Vorbereitung zur Aufgabe der Eigenständigkeit. Im besten Fall konnte man den Eindruck haben, dass sich die Commerzbank für eine Übernahme aufhübschen wollte.

          Inken Schönauer

          Redakteurin in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

          Den geplanten – und mittlerweile abgeblasenen – Verkauf der polnischen Tochter M-Bank wollte Zielke als folgerichtig darstellen. In der Öffentlichkeit kam es als das an, was es wohl auch war: der Versuch, notwendiges Geld für die Restrukturierung aufzubringen. Mit der Eingliederung der Online-Tochter Comdirect sollte „noch mehr“ Digitalisierung in das Mutterhaus einziehen. Tatsächlich war es wohl der Versuch, ein bisschen Glanz von der Comdirect abzukratzen, um der Commerzbank wieder eine Bestimmung zu geben.

          Banker aus dem Lehrbuch

          Genau das aber hat Zielke nicht verstanden. Mittlerweile weiß niemand mehr so richtig, für was die Commerzbank eigentlich steht und noch schlimmer: Wofür man sie eigentlich noch braucht. Die Mitarbeiter hoch verunsichert, die Kunden wechselfreudig und die Aktionäre ohne Perspektive, ihr Investment irgendwann wieder versilbern zu können, das genügt nicht den Ansprüchen an einen Vorstandsvorsitzenden. Das wusste auch Zielke und hat nun die Konsequenz gezogen.

          Zielke ist ein Banker wie aus dem Lehrbuch. Nach der Banklehre und dem Studium der Betriebswirtschaftslehre startete der heute 57-Jährige 1990 seine Karriere bei der Dresdner Bank. Nach Stationen in der deutschen Kreditwirtschaft kam er 2008 zur Commerzbank, trat 2010 in den Vorstand ein und wirkte dort – durchaus erfolgreich – im Privatkundengeschäft. Nachdem Martin Blessing 2015 seinen Rückzug vom Chefposten der Commerzbank angekündigt hatte, entschied sich der Aufsichtsrat 2016 für Zielke als Nachfolger. Erst vor wenigen Wochen wurde Zielke zum Präsidenten des Bundesverbandes deutscher Banken gewählt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Frauen in weiß protestieren während einer Kundgebung zur Unterstützung der inhaftierten Demonstranten in Minsk.

          Proteste halten an : Belarus trotzt der Polizeigewalt

          In den vergangenen Nächten ließ Lukaschenka Proteste gegen seinen angeblichen Wahlsieg brutal niedergeschlagen, dennoch gehen auch am Mittwoch wieder Tausende auf die Straße, immer mehr Prominente stellen sich hinter sie. Nun gibt es ein zweites Todesopfer.
          Feuerleute beseitigen einen Baum im ehemaligen Bonner Regierungsviertel, der bei einem Unwetter auf die Gleise der Straßenbahn gefallen ist.

          Starkregen und Sturm : Große Schäden durch Unwetter

          Extreme Hitze und extreme Unwetter: Umgestürzte Bäume, überflutete Keller und Menschen in Not halten die Einsatzkräfte in Atem. Laut Wetterdienst bleibt es auch erst einmal ungemütlich im Land.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.