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Kapitalerhöhung : Die Verwässerung der Commerzbank

  • -Aktualisiert am

Der Commerzbank-Turm ist im Frankfurter Bankenviertel das höchste Bauwerk. Bild: AFP

Das ist Zunder für die Hauptversammlung: Commerzbank-Manager wollen höhere Boni. Doch diese Forderung ist ein Schlag ins Gesicht der Aktionäre – die haben seit Jahren keine Dividende mehr bekommen.

          3 Min.

          Mit einer überraschenden Kapitalerhöhung hat der Vorstand der Commerzbank die Stimmung kurz vor der Hauptversammlung am Donnerstag angeheizt. Ein alljährlich gepflegtes Ritual erhält damit zusätzlichen Zunder: Aktionäre schimpfen auf den seit Mai 2008 amtierenden Vorstandsvorsitzenden Martin Blessing, weil sie mit Commerzbank-Aktien seit Beginn seiner Amtszeit 90 Prozent ihres Geldes verloren haben. Wegen der vielen neuen Aktien fiel der Kurs allein am Dienstag um fünf Prozent.

          Bis Mitte Februar durfte Blessing noch erwarten, auf der Hauptversammlung ungewöhnlich viel Zustimmung der Aktionäre zu erhalten. Nach der turbulenten Staatsrettung im Winter 2008/2009 hat Blessing für 2014 den ersten ansehnlichen Jahresgewinn vorgelegt, der ohne größere „Sondereffekte“ auskam. Im kommenden Jahr könnte es erstmals seit acht Jahren wieder für eine Dividende reichen.

          Doch jede künftige Gewinnausschüttung werden die Altaktionäre mit knapp 114 Millionen neuen Aktien teilen müssen. So viele Aktien gibt die Commerzbank jetzt neu aus. Um Verluste in der Finanzkrise abzufedern, den gestiegenen Kapitalanforderungen der Bankenaufsicht gerecht zu werden und um 13 Milliarden der erhaltenen 18 Milliarden Euro an Staatshilfe zurückzuzahlen, hat die Commerzbank schon zehn Mal in Blessings Amtszeit den Kapitalmarkt angepumpt, um das Eigenkapital zu erhöhen.

          Aktienkurs hat sich verdoppelt

          Diesmal werden 1,4 Milliarden Euro angeblich nicht auf Drängen der Aufsicht eingesammelt, sondern weil sich Anleger eine höhere Eigenkapitalquote wünschten. Leidtragende sind wieder die Altaktionäre, denen wieder nicht einmal ein Bezugsrecht für die neuen Aktien zugestanden wird. Seit Mai 2008 hat sich die Zahl der Commerzbank-Aktien fast verzwanzigfacht. Solch eine Gewinnverwässerung ist ohne Beispiel.

          Der Aktienkurs hat sich seit Sommer 2013 immerhin verdoppelt, stagniert aber im Jahresvergleich. Denn die Commerzbank musste mehrere Rückschläge hinnehmen. Die Hälfte des verkündeten Jahresgewinns für 2014 wurde ausradiert, weil die Bank eine Strafe wegen Verstößen gegen Geldwäsche und Handelssanktionen in Amerika zahlen muss. Auch peinliche Steuerspargeschäfte mit Privatkunden in Luxemburg holten das Kreditinstitut ein. Steuerfahnder durchsuchten die Frankfurter Zentrale.

          Diese Verfehlungen fallen überwiegend in die Zeit, in der Klaus-Peter Müller Vorstandssprecher war. Der heutige Aufsichtsratsvorsitzende und Vorgänger Blessings hat der Commerzbank auch die Posse um Ulrich Sieber eingebrockt. Der frühere Personalvorstand Sieber hat inzwischen zweimal vor Gericht gegen seine von Müller durchgesetzte Abberufung obsiegt. Ohnehin ist Müller auf jeder Hauptversammlung Ziel von Kritik. Für dieses Mal zeichnete sich ab, dass er sogar stärker als Blessing von den Aktionären in die Mangel genommen wird.

          Retter Staat ist Großaktionär

          Doch dann entschied sich Blessing, seinen Bonus anzunehmen. In den Vorjahren hatte er noch auf die ihm zustehende Erfolgsprämie verzichtet, weil die Commerzbank keinen dreistelligen Millionengewinn erreicht hatte. Diesen selbstgesteckten Anspruch hat die Bank 2014, trotz der hohen Strafzahlung in Amerika, erfüllt. Mitarbeiter sollen Blessing daher gedrängt haben, seinen Bonus nun endlich anzunehmen. Als Signal, die Bank sei zurück in der Normalität.

          Verdrängt wird damit in der einst stolzen Privatbank, dass der Retter Staat immer noch Großaktionär ist. Auch die Kapitalerhöhungen zu Lasten der Altaktionäre werden geringgeschätzt. Nachdem der Vorstandsvorsitzende beim Bonus zugriff, ist auch die Zurückhaltung anderer Mitarbeiter dahin.

          Den Aktionären wird auf der Hauptversammlung folgende Frage mit Zündstoff zur Abstimmung vorgelegt: Dürfen rund 200 „erfolgskritische“ Mitarbeiter, überwiegend Investmentbanker, künftig das Doppelte ihres Grundgehalts als Erfolgsprämie kassieren? Gesetzlich ist ein Bonus auf die Höhe des Grundgehalts beschränkt. Doch mit Zustimmung der Aktionäre kann diese Grenze gelockert werden. Genau das schlägt der Aufsichtsrat den Aktionären der Commerzbank nun vor.

          Durststrecke für Aktionäre

          Der Vorsitzende Müller fühlt sich offenbar sicher, dass die Bundesregierung zustimmt. Dem Bund gehören nach der Kapitalerhöhung noch fast 16 Prozent der Commerzbank. Wegen der niedrigen Anwesenheitsquote auf der Hauptversammlung gibt der Staat mit seinem Abstimmungsverhalten den Ausschlag. Ohne ihn wäre Müller zum Beispiel auf der Hauptversammlung 2013 bei der Wahl zum Aufsichtsrat gescheitert.

          Die Commerzbank-Mitarbeiter hätten ihre Bonus-Wünsche besser nicht der Hauptversammlung vorgelegt. Seit sieben Jahren ist die Commerzbank nicht fähig, einen Teil ihres Jahresgewinns an ihre Eigentümer auszuschütten. Kein anderer Dax-Konzern mutet seinen Aktionären eine so lange Durststrecke zu. Die Bank macht im Tagesgeschäft erkennbar Fortschritte. Somit stehen die Chancen gut, dass es in einem Jahr wieder eine Dividende für die arg gebeutelten Aktionäre gibt. Das wäre der richtige Moment, um nach mehr Bonus zu fragen. Jetzt ist es respektlos gegenüber den gereizten Aktionären.

          Hanno Mußler
          Redakteur in der Wirtschaft.

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