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MeConvention : Vegan und ohne Alkohol oder Zigaretten die Meere retten

Kapitän Alex Cornelissen auf der Me Convention in Stockholm Bild: Boris Schmidt

Die Umweltorganisation Sea Shepherd hat sich dem Schutz der Meere verschrieben. Auf der Me Convention erklärt der Niederländer Alex Cornelissen, warum die Zukunft der Ozeane unser aller Zukunft ist.

          Das „Captain“ ist kein Künstlername. Der Holländer Alex Cornelissen darf tatsächlich auch große Schiffe fahren, wenn er auch 2015 das bisher letzte Mal richtig auf See gewesen ist.  Im Jahr zuvor war er zum CEO der Umweltorganisation Sea Shepherd gemacht worden, die ihren Hauptsitz in Holland hat, das raubt ihm jetzt die Zeit. Sea Shepherd hat sich seit 1977 dem Schutz der Meere verschrieben und „wird leider oft mit Greenpeace verwechselt“.  Heute fahren 13 Schiffe für die Organisation, die größten sind 50 oder gar 60 Meter lang.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Meist werden gebrauchte Schiffe gekauft, doch die 60 Meter lange „Sea Warrior“  war eine Neuanschaffung für fast zehn Millionen Euro. Spenden und viel Merchandising (Jacken, Schuhe, Brillen, auch übers Netz) sichern die Finanzen der Umweltschützer, die auf ihren Booten rund 50 Festangestellte beschäftigen. Der Rest tut freiwillig und ohne Salär Dienst, „mindestens drei Monate, aber besser mindestens sechs“, sagte Cornelissen im Gespräch mit FAZ.NET. Warum er auf der Me Convention auftritt? „Ich bin gefragt worden,“ scherzt er, aber in der Regel lasse er keine Gelegenheit aus, um vor größerem und kompetenten Publikum für seine Sache zu werben. Und die Zukunft der Meere sei auch unser aller Zukunft.

          Vor den Küsten von Gabun, Tansania oder Liberia

          Er selbst stehe den Sozialen Medien sogar eher kritisch gegenüber, persönlich nutze er sie kaum. Aber natürlich seien Facebook, Instagram und Youtube unheimlich wichtig fürs Image, die Werbung und auch zum Sammeln von Spenden. Aktuell kümmere sich Sea Shepherd hauptsächlich um die Überfischung der Meere, in erste Linie in Afrika, vor den Küsten von Gabun, Tansania oder Liberia. Natürlich habe man keinerlei Kompetenzen, aber sehr oft sei die Küstenwache an Bord, die das staatliche Gewaltmonopol dann durchsetzen kann. Eigene Schiffe hätten diese Länder kaum.

          Man kümmere sich aber auch um den Walfang in Japan oder das Problem, das kleinere Wale zu oft in der Ostsee als Beifang vorkommen und dann in den riesigen Fischernetzen verenden. Wen die Abenteuerlust packt und wer mitfahren will, was im Prinzip jeder kann, der gesund ist, eine große Hürde gibt es: Auf dem Schiff wird vegan gelebt und Alkohol sowie Zigaretten sind auch verboten.  Das Vegan-Prinzip habe man 2003 eingeführt, weil es doch ein Widerspruch sei, sich für die Fische einzusetzen und die dennoch zu Verspeisen. Auch er lebe seither vegan.

          „Aber bei uns muss niemand hungern“, verspricht  er. Es werde hervorragend gekocht und mit veganem Fleischersatz könne man sogar die Küstenwache von Gabun überlisten. „Denen haben wir erzählt, dass es Lamm sei, und sie wollten es am nächsten Tag gleich wieder haben“

          Was die digitale Welt angeht, sie ist heute auf den Schiffen längst angekommen. Internet und E-Mail per Satellit seien selbstverständlich. Darauf müsse man also nicht verzichten.

          In Stockholm berichtete Cornelissen von der Arbeit vor den afrikanischen Küsten. Die Einheimischen fahren dort mit kleinen Booten heraus um ihren Eigenbedarf zu decken, finden küstennah aber kaum noch etwas, weil die großen Fangflotten auch unter Missachtung der Dreimeilen-Zone alles leer fischen. Deshalb fahren die Fischer mit ihren Nussschalen viel zu weit raus, was extrem gefährlich sei. Sea Sheperd kämpft hier für die Einhaltung der Regeln und will auf keinen Fall den Einheimischen ihren Broterwerb nehmen.

          Für nächstes Jahr hat sich der Captain fest vorgenommen, dieser Berufsbezeichnung wieder einmal gerecht zu werden. „Ich bin schließlich immer noch Aktivist.“ 

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