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Wie bauen wir die Zukunft? : Von Doppeldeckern und Raumwundern

Bild: me Convention

Die Architektur der Zukunft nutzt den immer knapper werdenden Raum intelligent. Jette Hopp vom Architekturbüro Snøhetta stellt im Interview Gebäude vor, die Zielkonflikte lösen, öffentlichen Raum erweitern und Energie produzieren.

          Platzsparende Doppeldecker, die Zielkonflikte lösen, und Gebäude, die den öffentlichen Raum erweitern statt beschneiden. Das sind zwei zentrale Gedanken, die das norwegische Architekturbüro Snøhetta in seinen Bauten verwirklicht, wie Senior-Architektin Jette Hopp im Gespräch im FAZ.NET beschreibt. „Wir gehen immer vom Inhalt aus. Mit unseren Projekten haben wir gezeigt, dass wir keine Berührungsängste haben, Grenzen in Frage zu stellen und zu verschieben. Und dadurch auch neue Regeln aufzustellen.“ Die Norwegerin arbeitet seit 2005 für das Büro, das 1989 gestartet ist und mittlerweile 180 Mitarbeiter auf der ganzen Welt hat.

          Ina Lockhart

          Redakteurin vom Dienst bei FAZ.NET.

          Das Opernhaus in Oslo, das 2008 fertiggestellt wurde, vereint beide Gedanken. Dank intelligenter Architektur wurde das Dach zu einem öffentlichen Platz. Eine Rampe lädt Besucher und Fußgänger ein, die Aussicht auf den Fjord von oben zu genießen. „Die Oper zeigt sehr gut, wie wir als Architekten mit dem öffentlichen Raum umgehen. Wir haben den Platz quasi zwei Mal verwendet“, erklärt Hopp.

          Nordische Werte in der Architektur

          Sie sieht darin eine Geste der Großzügigkeit, die charakteristisch für Snøhetta sei. Nordische Werte würden in der Architektur ihres Büros vermittelt, das sich aus einer lockeren Zusammenarbeit von Menschen aus unterschiedlichen Disziplinen gegründet hat. Der Umgang mit öffentlichen Raum – ihn trotz Bebauung zu erweitern statt zu beschneiden – sei hier ganz entscheidend. Sowohl außen als auch innen. Sie spricht von einer Fortschreibung des „Jedermannsrechtes“, das als Gewohnheitsrecht bestimmte grundlegende Rechte für die Nutzung der Wildnis, aber auch von gewissem privaten Landeigentum festlegt.

          In der Nähe von Paris hat Hopps Team einen Doppeldecker entworfen, der auf andere Weise einen Zielkonflikt löst. Durch die Bebauung wäre landwirtschaftlich genutzte Fläche weggefallen. Der Acker wurde kurzerhand eine Etage höher verlegt, um beides zu ermöglichen: Wohnraum zu schaffen und die landwirtschaftliche Nutzfläche zu erhalten.

          Seit 2010 ist Snøhetta als Architekturpartner Teil einer Allianz, die das „Powerhouse“-Konzept vorantreibt. Damit sind Häuser gemeint, die auf Sicht eines Lebenszyklus von 60 Jahren selbst mehr Energie produzieren als sie verbrauchen – Bauphase eingeschlossen. „Das Konzept schreibt vor, dass die Energie vor Ort produziert werden muss“, sagt Hopp. „Je nach Standort kann das Solar-, Wind- oder Wasserenergie sein.“ An dieser Stelle käme die Ingenieursexpertise ins Spiel, die dank der branchenübergreifenden Unternehmensallianz zur Verfügung stehe.

          Das Powerhouse-Konzept funktioniert nicht nur für Gebäude, die neu errichtet werden, sondern auch für Umbauten und die Revitalisierung von existierenden Bauten. Als Beispiel nennt Hopp hier das „Powerhouse Kjørba“ in Norwegen – das erste Projekt, das die Allianz fertigstellte. Zwei Bürogebäude, die in den 1980er Jahren gebaut wurden, sind seit April 2014 so umgebaut und überholt, dass sie unterm Strich eine positive Energiebilanz vorweisen können.

          Derzeit plant Snøhetta den Bau einer Montessori-Schule nach dem Powerhouse-Konzept. „Mit einem durchaus limitierten Budget“, wie Hopp betont. Das Konzept sei also keineswegs auf Vorhaben im oberen Preissegment beschränkt.

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