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Projekt von Innogy : CO2-neutrales Schiff auf dem Essener Baldeneysee

  • Aktualisiert am

Ein Kran hebt ein Fahrgastschiff in Ratzeburg auf einen Tieflader: Auf dem Essener Baldeneysee soll es nach dem Umbau wieder eingesetzt werden. Bild: dpa

Die RWE-Tochtergesellschaft Innogy hat ein CO2-neutrales Schiff konstruiert: Während neue Elektro-Lkw von Tesla angeblich bis zu 500 Kilometer schaffen, kann das Innogy-Schiff allerdings noch nicht länger als vier Stunden fahren.

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          Die RWE-Tochtergesellschaft Innogy, die auf Ökostrom spezialisiert ist, startet auf dem Essener Baldeneysee ein grünes Vorzeigeprojekt: Konzernchef Peter Terium will am Freitag die „MS Innogy“ taufen – ein umgebautes Fahrgastschiff, das mit Methanol, Brennstoffzellen und einem Elektromotor angetrieben wird.

          Laut Innogy ist es das erste Schiff in Deutschland mit dieser Technik und CO2-neutral. Denn bei der Produktion von Methanol wird der Umwelt genauso viel CO2 entzogen wie später beim Antrieb entsteht.

          Das Unternehmen will damit zeigen, dass sich „grünes“ Methanol als alternativer Energiespeicher für überschüssigen Wind- und Sonnenstrom eignet. Damit packe Innogy ein Kernproblem der Energiewende an. Der flüssige Brennstoff, der aus Kohlenstoffdioxyd, Wasser und Strom erzeugt wird, könnte vor allem in Langstreckenfahrzeugen wie Lastwagen zum Einsatz kommen, hoffen die Techniker. Einen Teil des benötigten Methanols stellt Innogy selbst in einer Modellanlage am Seeufer her.

          Zwei Batterien versorgen das ganze Schiff

          Das Energieunternehmen testet parallel zwei Elektroautos mit der Antriebstechnik. Sie sollen mehr als 500 Kilometer Reichweite haben. Bei einer Massenanwendung dürften allerdings - wie bei der Umwandlung von Energie in Gas - die noch zu hohen Kosten Schwierigkeiten bereiten.

          „Stehen etwa die traditionellen Dieselmotoren in der Schifffahrt für Abgase und Lärm, können künftig saubere Treibstoffe wie CO2-neutrales Methanol auf den Flüssen und Meeren Schiffe antreiben, ohne die Umwelt zu belasten“, schreibt Peter Terium im Vorwort einer Projektbroschüre. Der Strom für die Erzeugung des Methanols kommt aus einem Wasserkraftwerk des Unternehmens am See.

          An Bord des Schiffes dient der so gewonnene Treibstoff als Brennstoff für eine Brennstoffzelle, die Strom für zwei Batterien erzeugt. Diese versorgen das ganze Schiff – vor allem einen Elektromotor.

          Vier Stunden kann es fahren

          Da mehr Methanol notwendig ist, als die Modellanlage produzieren kann, kauft Innogy Treibstoff in Island zu, wo er ebenfalls umweltfreundlich hergestellt wurde. Maximal vier Stunden kann die CO2-freie Fahrt über den See bisher dauern - dann sind die Batterien leer. Im Vergleich zu spektakulären Meldungen aus den Vereinigten Staaten klingt das geradezu bescheiden: Ebenfalls an diesem Freitag wurde gerüchteweise bekannt, dass ein neuer elektrisch fahrender Lastwagen von Tesla satte 500 Kilometer Reichweite haben soll. Tesla will ihn angeblich in Kürze vorstellen.  Ein Schiff schafft in vier Stunden nicht einmal annähernd diese Strecke.

          Zeit und Ort des Projekts sind nicht zufällig gewählt. Innogy ist einer der Hauptsponsoren der Grünen Hauptstadt Europas – ein Titel, den die Europäische Kommission Essen in diesem Jahr verliehen hat.

          Für die Organisatoren der Grünen Hauptstadt zählt das Methanol-Schiff zu den Leuchtturmprojekten. „Die Technologie ist europaweit derzeit einzigartig und das Projekt dadurch ein weiteres Beispiel der Vorreiterfunktion Essens auf dem Feld der Brennstoffzellentechnologie“, heißt es bei der Stadt.

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