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CO2-Ausstoß : Striktere Klimaauflagen für Neuwagen

  • -Aktualisiert am

Auslaufmodell? Das EU-Parlament will leichte, spritsparende Neuwagen. Bild: Peter Frischmuth / argus

Das EU-Parlament will die Industrie stärker in die Pflicht nehmen. Neuwagen sollen künftig nur noch drei Liter Benzin auf 100 Kilometern verbrauchen - halb so viel wie heute.

          2 Min.

          Die europäische Autoindustrie muss sich auf striktere Vorgaben für den CO2-Ausstoß ihrer Neuwagen einstellen. Der Umweltausschuss des Europäischen Parlaments sprach sich am Mittwoch in Brüssel dafür aus, den Ausstoß bis 2025 auf 68 bis 78 Gramm je Kilometer zu begrenzen. Das entspricht einem Verbrauch von rund drei Litern Benzin auf 100 Kilometern - eine Halbierung im Vergleich zu den heute verkauften Neuwagen. Das exakte Ziel soll 2017 festgelegt werden. Bisher gibt es nur eine Grenze von 95Gramm für 2020. Entlastet wird die Automobilbranche dadurch, dass sie weiter Gutschriften für Elektroautos erhalten soll - sogenannte Supercredits.

          Hendrik Kafsack

          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

          Weiterhin wollen die EU-Abgeordneten 2017 ein neues Messverfahren einführen, das den tatsächlichen Verbrauch der Autos realistischer messen soll, als das bisher der Fall ist. Um einen Anreiz für die Verringerung des Gewichts der Autos zusetzen, soll nicht mehr das Gewicht der Wagen, sondern ihre Größe als Bezugsparameter für die erlaubten Kohlendioxidemissionen dienen.

          Rückschlag für deutsche Autohersteller

          Klimaschutzorganisationen und die Automobilbranche kritisierten das Votum. Die Anrechnung von Supercredits unterlaufe die Klimavorgaben, teilte Greenpeace mit. Das schade nicht nur dem Klima, sondern auch den Verbrauchern, auf die damit höhere Treibstoffkosten zukämen, kommentierte der EU-Verbraucherschutzverband BEUC. Der Automobildachverband ACEA forderte, neue Zielvorgaben für die Zeit nach 2020 müssten wissenschaftlich basiert sein. Die Spanne von 68 bis 78 Gramm sei rein politisch motiviert. Von einer Herausforderung für die Hersteller sprach der im Parlament federführend für das Dossier zuständige Thomas Ulmer (CDU). Sie könne aber die Führungsrolle der Europäer bei verbrauchsarmen Fahrzeugen sichern helfen.

          Für die deutsche Autobranche ist das Votum des Ausschusses trotz der Supercredits ein Rückschlag. Sie hatte darauf gesetzt, mit Unterstützung der deutschen Regierung eine noch industriefreundlichere Linie durchzusetzen. Die Bundesregierung will unter anderem erst von 2017 an über Ziele für 2025 beraten und Elektroautos dreifach anrechnen. Zudem soll die Industrie Supercredits ansammeln und sich in den Folgejahren - wenn sie striktere Klimaauflagen erfüllen muss - anrechnen lassen können. Letzteres lehnte der Umweltausschuss nun ab. Die Supercredits will er schrittweise bis 2016 reduzieren. 2024 sollen sie entfallen. Ursprünglich sollte es von 2015 an keine Mehrfachanrechnung mehr geben.

          Die Bundesregierung kann nun noch im Ministerrat versuchen, die Regelung in ihrem Sinne zu ändern. Inkrafttreten kann diese nur, wenn sich das Parlament und der Ministerrat auf eine Linie einigen. Die Verhandlungen sollen auf Basis des Ausschussvotums beginnen. Die irische Ratspräsidentschaft strebt eine Einigung bis zum Ende ihrer Amtszeit an, also bis Ende Juni. Das gilt als ehrgeizig, weil die Regelung im Ministerrat zwischen den Ländern mit Kleinwagenherstellern und jenen mit Premiumherstellern heftig umstritten ist.

          Die Regelung fußt auf einem Vorschlag der EU-Kommission aus dem Juli 2012, der weitgehend die Interessen der deutschen Autohersteller wahrte. Die Linie des Umweltausschusses bedeutet für das Geschäft der deutschen Konzerne Volkswagen, Daimler und BMW schwere Einschränkungen, da deren meist große und schwere Limousinen im Durchschnitt mehr CO2 ausstoßen und mehr Kraftstoff verbrauchen als die leichteren und sparsameren Kleinwagen von Konkurrenten wie Fiat, Toyota oder Peugeot-Citroën. Schon jetzt verändert der Klimaschutz das Geschäft: Audi, BMW und Mercedes müssen immer mehr Kleinwagen und Elektroautos bauen und verkaufen, um die Auflagen der EU erfüllen zu können. Derzeit stoßen Neuwagen im Durchschnitt etwas mehr als 130 Gramm CO2 je Kilometer aus. Das entspricht einem Verbrauch von sechs Litern Benzin auf 100 Kilometern. Ab 2020 wären es dann - wenn nur noch 95 Gramm erlaubt sind - nur noch rund vier Liter.

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