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Club of Rome : Die Propheten des Untergangs

Der Club of Rome warnt vor dem Klimahitzekollaps - und wagt dabei pseudo-genaue Prognosen Bild: Rüchel, Dieter

Vor 40 Jahren hat der „Club of Rome“ ein düsteres Bild der Zukunft gemalt. Auch der neue Report, eine Vorausschau bis ins Jahr 2052, gönnt sich kein bisschen Optimismus. Die Denkfabrik misstraut dem Markt und wünscht sich planwirtschaftliche Vorgaben.

          Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen.“ Dieser Ausspruch wird wahlweise Mark Twain, Niels Bohr oder auch Winston Churchill zugeschrieben. Prognosen sind umso schwieriger und unsicherer, wenn der Blick sehr weit in die Zukunft reichen soll. Die Gefahr von Fehlprognosen steigt. Das hat die Denkfabrik „Club of Rome“ mit ihrem berühmten Prognosebericht „Die Grenzen des Wachstums“ (1972) gezeigt. Es war ein Warnruf, der von der Ölpreis- und Wirtschaftskrise scheinbar bestätigt wurde.

          Philip Plickert

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Volkswirt“.

          Doch mit der Warnung vor einem Kollaps haben sich die Wissenschaftler um Dennis Meadows, die damals noch mit sehr simplen Computermodellen rechneten, geirrt. Ihre Simulationen waren zu mechanisch, und vor allem haben sie die Innovationsfähigkeit der Menschen und der Wirtschaft unterschätzt. Der technische Fortschritt und die Erfindungsgabe der Menschen ermöglichen es, mit Knappheiten umzugehen. Heute leben mehr Menschen denn je in relativem Wohlstand, weil das rasante Wachstum der Schwellenländer Hunderte Millionen aus der Armut gehoben hat. Die (fossilen) Ressourcen sind zwar knapp und werden teurer, sind aber noch keineswegs erschöpft, wie die apokalyptischen Szenarien der Club-Wissenschaftler vor vierzig Jahren besagten.

          Der norwegische Autor Jorgen Randers war schon am ersten Bericht 1972 beteiligt.

          Auch der neue Report des Club of Rome, eine Vorausschau bis ins Jahr 2052, gönnt sich kein bisschen Optimismus, sondern schwelgt in Angstszenarien. Hauptautor Jorgen Randers, ein norwegischer Betriebswirt und Zukunftsforscher, war schon am ersten Bericht 1972 beteiligt. Nun werde zur Mitte des 21. Jahrhunderts das apokalyptische Umweltszenario eintreten, warnt er. Neu ist der Klimahitzekollaps, von dem in den siebziger Jahren noch niemand sprach. Damals gab es Klimawissenschaftler, die vor einer drastischen Abkühlung bis hin zu einer neuen Eiszeit sprachen.

          Randers sagt den entwickelten Volkswirtschaften, vor allem den Vereinigten Staaten, wirtschaftliche Stagnation voraus. Die Produktivitätsentwicklung sei im Sinkflug. Insgesamt müsse man mehr investieren und weniger konsumieren. Stutzig macht die Prognose, dass China „eine Erfolgsgeschichte“ sein werde - wegen seiner „Fähigkeit zu handeln“ -, wogegen Randers pauschal „Kapitalismus und Demokratie“ unter der Überschrift „die eigentlichen Ursachen“ für ihre Kurzsichtigkeit geißelt. Diese Passagen von Randers Bericht durchweht der Glaube an die Überlegenheit zentralistischer Planungssysteme gegenüber ungeplanten marktwirtschaftlichen und demokratischen Prozessen. Nicht wenige Klimawissenschaftler neigen zu autoritären Träumen von einem globalen CO2-Regime.

          Club of Rome prophezeit Ende des Bevölkerungswachstums

          Eine Hauptangst war lange Zeit auch das ungebremste Wachstum der Weltbevölkerung. In dieser Frage vollzieht der Club überraschend eine Wende: Während in den siebziger Jahren Pessimisten eine Bevölkerungsexplosion ausmalten und manche Propheten die Erde mit bis zu 15 Milliarden Menschen überquellen sahen (oftmals mit malthusianischen Katastrophenszenarien vermischt), prognostiziert der neue Club-Bericht eine markante Verlangsamung des Bevölkerungswachstums. Die Zahl der Erdenbürger von jetzt 7 Milliarden werde bis 2040 nur noch auf 8,1 Milliarden steigen und dann sinken.

          Doch Demographiefachleute widersprechen. „Kompletter Unsinn“ sagt Gerhard Heilig, der Chef der Bevölkerungsschätzer bei den Vereinten Nationen.

          Horrorszenarien bringen öffentliche Aufmerksamkeit

          Wenn aber ein zentraler Baustein der Club-Prognose so schief liegt, wie treffend ist dann das Gesamtbild? Das Weltklima ist ein extrem komplexes System mit vielfältigen Wechselwirkungen. Seriöse Forscher geben zu, dass sie es erst in Ansätzen verstehen. Alle Prognosen unterliegen gewaltiger Unsicherheit. Der Club of Rome glänzt mit einer besonders schlimmen, pseudo-genauen Prognose zu Temperatur (2 Grad Erhöhung bis 2052) und Meeresspiegel (Anstieg um 50 Zentimeter). Ist das nicht eine groteske Anmaßung von Wissen? Immerhin bringen Horrorszenarien öffentliche Aufmerksamkeit und politischen Einfluss sowie mehr Spenden und Subventionen für die Klimarettungsindustrie - nur nutzt sich dieser Effekt auf die Dauer auch ab.

          Das Buch „Die Grenzen des Wachstums“ wurde dieses Jahr 40 Jahre alt.

          Große Fragezeichen muss man auch über die These von der Stagnation der westlichen Industrienationen setzen. Die Annahme einer dauerhaft gedrückten Produktivitätsentwicklung ist durch die Daten nur zweifelhaft gedeckt. Manche Analysten glauben, wir befinden uns am Ende einer der langen Wellen der Wirtschaft, der sogenannten Kondratieff-Zyklen. Doch wer sagt, dass die Phantasie der Forscher am Ende ist? Schon der erste Bericht des Club of Rome krankte daran, dass er den technischen Fortschritt viel zu geringschätzte. Die Menschheit ist anpassungsfähig und wird auf neu entstehende Knappheiten kreative Antworten finden.

          Die Untergangspropheten im Club of Rome misstrauen dem Markt als Entdeckungsverfahren. Sie wünschen planwirtschaftliche Vorgaben, vor allem in der Energie- und Klimapolitik. Die „Fähigkeit zu handeln“ von Planwirtschaften mag hoch sein. Doch was sie „großer Sprung nach vorn“ nennen, geht oft fürchterlich daneben - genau wie Großprognosen auch.

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