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City-Tunnel : Leipzig baut – und wird rechtzeitig fertig

  • -Aktualisiert am

Wieso schafft Leipzig, was für Stuttgart unmöglich scheint - ein großes Bahnprojekt? Bild: dpa

Berlin und Stuttgart kriegen es nicht hin. Aber in Leipzig gelingt ein Prestigebau: Der City-Tunnel, das Herz von Sachsens S-Bahn, wird wie geplant an diesem Samstag eröffnet. Dabei war der Start noch sehr holprig verlaufen.

          Ingenieure sind sachliche und zurückhaltende Menschen. Sie loben sich ungern selbst. Und wenn doch einmal, dann klingt es so wie bei Andreas Irngartinger: „Am Ende kann man sagen, wir sind schon stolz darauf, dass wir unsere Pläne einhalten konnten. Es ist nicht schlecht gelaufen.“ Vielleicht liegt es auch an dieser Bescheidenheit, dass im Rest der Republik derzeit kaum jemand bemerkt, welche herausragende Leistung den Planern um Irngartinger hier in Leipzig geglückt ist: Sie haben eines der größten deutschen Bauvorhaben „nicht schlecht“ gemanagt.

          Gemeint ist der sogenannte City-Tunnel. Er kostet zwar mehr als in der ersten Schätzung angesetzt. Trotzdem könnte er anderen zum Vorbild werden. Den Leipziger Planern und Politikern gelang, was in Berlin, Hamburg oder Stuttgart gründlich schiefgeht: ein ausuferndes Großprojekt in den Griff zu bekommen. Nach diversen Pannen setzten die Leipziger Anfang 2010 einen Projektneustart durch, legten die Gesamtkosten auf 960 Millionen Euro fest und die Eröffnung auf Dezember 2013. Knapp vier Jahre später wird das Projekt nun pünktlich fertig und bleibt auf den Euro genau im damals revidierten Kostenrahmen. Bei allen Unwägbarkeiten zeigt Leipzig also, dass nicht jedes deutsche Prestigeprojekt im Chaos enden muss, so wie der Bahnhof „Stuttgart 21“ oder der Berliner Hauptstadtflughafen „BER“.

          „Quantensprung im Nahverkehr“

          Der City-Tunnel ist mehr als ein lokales Bauvorhaben. Er ist das Herzstück der neuen S-Bahn Mitteldeutschland. Sie startet an diesem Sonntag. Mit bis zu 160 Stundenkilometer verbinden 51 fabrikneue Triebzüge dann 104 Bahnhöfe in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Thüringen. Die Betreiberin Deutsche Bahn verspricht einen „Quantensprung im Nahverkehr“ und ein Fahrgastplus von 30 Prozent. Mit dem Projekt verbinden sich politische Hoffnungen auf die Belebung der strukturschwachen Regionen, auf einen Stopp der Abwanderung in den Westen. In der ersten Ausbaustufe befahren sechs Linien ein Streckennetz von 430 Kilometern; gebündelt werden sie im City-Tunnel, der mit vier unterirdischen Stationen die Leipziger Innenstadt erschließt. Seine Eröffnung gleicht einem Wunder, denn die Idee, das Zentrum zu untergraben, ist nicht neu. Drei Anläufe waren schon gescheitert.

          Das ist seine Geschichte: Der Leipziger Hauptbahnhof, einer der größten Bahnhöfe Deutschlands, wird inmitten des Ersten Weltkriegs eröffnet, im Jahr 1915. Es ist ein repräsentativer Bau, aber er krankt wie alle Kopfbahnhöfe an der einseitigen Ausrichtung. Am nordöstlichen Rand der Innenstadt gelegen, müssen ihn die meisten Züge herzförmig umrunden. Den Verkehr gen Süden bedient damals der Bayerische Bahnhof, ebenfalls ein Sackbahnhof. Schon 1911 schlagen Vertreter von Siemens Abhilfe vor: Beide Bahnhöfe sollen unterirdisch verbunden werden. 700 Meter Tunnel sind fertig, als der Krieg die Arbeiten stoppt. 1929 erfolgt ein zweiter Anlauf, der am nächsten Weltkrieg scheitert. Als die junge DDR die Planungen wieder aufnimmt, kommt ihr der Kalte Krieg dazwischen. Eine Fernverbindung ins feindliche München erscheint nun auch überflüssig, und ein Nahverkehrstunnel scheitert an realsozialistischem Geldmangel. Während westdeutsche Städte S- und U-Bahn-Tunnel bauen, bleibt das Leipziger Zentrum abgehängt.

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