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City-Tunnel : Leipzig baut – und wird rechtzeitig fertig

  • -Aktualisiert am

Unter den Leipziger Bürgern kaum umstritten

Folgt man dem Urteil des Rechnungshofs, liegt es vor allem an einer verbesserten Planung, dass die Anfang 2010 avisierten Gesamtkosten von 960 Millionen Euro dann eingehalten werden können. Statt sich auf die eigene Planungsgesellschaft zu verlassen, holten die Sachsen externen Sachverstand an Bord, in Form der Deges. Deges, fortan Projektmanager und Bauherr, steht für „Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH“, Gesellschafter sind der Bund und neun Bundesländer. 1991 gegründet, um den Autobahnbau in den neuen Ländern zu beschleunigen, hat sie mehr als 20 Jahre Erfahrung mit der Steuerung von Großbaustellen. Gleichzeitig ist sie, glaubt man Andreas Irngartinger, nur ihren Gesellschaftern verpflichtet. Irngartinger ist Projektleiter der Deges, er hat 2010 den City-Tunnel „von oben bis unten geprüft“, wie er sagt, und die neue Kostenschätzung aufgestellt. „Der Ursprungsentwurf und die Baugenehmigung hatten nicht die für ein Großprojekt erforderliche Qualität.“ Diese benötigten viel Geld und Sachverstand. In Leipzig galt dagegen: „Die Firmen bauten bereits, als wir noch statische Berechnungen nachholten.“ Die Untergrabung der Innenstadt nennt der gebürtige Österreicher sein bislang komplexestes Projekt. Er sagt: „Wir haben auch Glück gehabt, zum Beispiel den Weltmarktpreis von Baustahl richtig eingeschätzt.“

Der City-Tunnel ist unter Leipziger Bürgern – unüblich für ein Prestigeprojekt – kaum umstritten. Am meisten freut sich aber das Umland, die Bürger in Altenburg etwa, wo am Samstag um 12.42 Uhr die erste Probe-S-Bahn abfährt. In der thüringischen Kleinstadt wurde das Skatspiel erfunden, von vergangener Pracht zeugen Schloss und Landestheater. Die Gegenwart aber ist duster, die Arbeitslosigkeit hoch, 20.000 von einst 50.000 Einwohnern sind schon abgewandert. Jetzt hofft man auf die S-Bahn. „Wir sind einfach glücklich“, sagt Oberbürgermeister Michael Wolf. „Mit der S-Bahn kommen die Tagestouristen. Und wirtschaftlich gehören wir zu Leipzig, können von der Dynamik der Metropole nur profitieren.“

Von Leipzig lernen – ist das also die Devise für künftige Großprojekte? Folgt man Gerd-Axel Ahrens, Professor für Infrastrukturplanung an der TU Dresden und Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundesverkehrsminister, dann zeigt der City-Tunnel vor allem, welchen Unterschied eine gute Planung macht. So brachte das Einspringen der Deges-Ingenieure und der Neustart vor vier Jahren zwar die Wende zum Besseren. Die Fehler aus der Anfangszeit waren aber nicht mehr wettzumachen. „Oftmals werden Großprojekte ohne seriöse Kostenschätzung angegangen, nur weil sich ein Minister zu weit aus dem Fenster gelehnt hat“, erklärt Ahrens. Die öffentliche Hand müsse viel akribischer planen. „Planungskosten sind Peanuts im Vergleich zu den Ausgaben, die entstehen, wenn während des Baus etwas schiefläuft oder bestehende Pläne nachträglich geändert werden.“

Auch Projektverträge und Ausschreibungen werden ihm zufolge aufgrund ausgedünnter Verwaltungen oft schlecht konzipiert. Sachsen kann das am eigenen Haushalt ablesen. Sein Anteil am Gesamtprojekt ist um 174 Prozent gestiegen; mit 496 Millionen Euro trägt der Freistaat nun die Hauptlast. Glaubt man Staatsminister Morlok, beruht das auf solider sächsischer Haushaltsführung: „Wir setzen eigenes Geld ein, um Dinge zu forcieren.“ Im Gutachten des Rechnungshofs klingt das freilich etwas anders. Dort heißt es, die Abwälzung der Mehrkosten „resultiert aus dem für den Freistaat Sachsen unvorteilhaften Vertragswerk.“

Der City-Tunnel Leipzig

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