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Christoph Mohn : Ein Familienwächter für Bertelsmann

Christoph Mohn Bild: dpa

Jetzt ist es offiziell: Christoph Mohn wird Aufsichtsratsvorsitzender des größten Medienkonzerns Europas. Der Sohn des 2009 gestorbenen Firmenpatriarchen war früher Chef des Online Portals Lycos Europe. Zunächst mit großem Erfolg. Doch dann folgte die Pleite.

          Europas größter Medienkonzern bekommt einen neuen Aufsichtsratsvorsitzenden: Christoph Mohn soll zum Jahreswechsel Chefaufseher der Bertelsmann SE & Co. KGaA aus Gütersloh werden. Über den Plan, den Sohn des 2009 gestorbenen Firmenpatriarchen Reinhard Mohn zum Nachfolger von Gunter Thielen zu machen, der mit 70 Jahren in den Ruhestand wechselt, hat die F.A.Z. schon vor drei Wochen berichtet. Am Donnerstag wurde dieser Schritt nun beschlossen.

          Christian Müßgens

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Mohn übernimmt die Rolle des Chefaufsehers in schwierigen Zeiten. Magazine und Tageszeitungen kämpfen mit sinkenden Werbeerlösen. Fernsehsender bekommen die Konjunkturschwäche in einigen Ländern Europas zu spüren. Gedruckte Bücher müssen sich in einem immer schärferen Wettbewerb mit Tabletcomputern, Lesegeräten und digitalen Raubkopien behaupten. Diese Einflüsse dürften sich auch in den Halbjahreszahlen niederschlagen, die Bertelsmann an diesem Freitag präsentiert.

          Die sechste Familiengeneration

          Das Leben von Christoph Mohn ist eng mit dem Verlag verbunden, den der Drucker Carl Bertelsmann vor fast zwei Jahrhunderten in Gütersloh gegründet hat. Mohn trat nach dem Studium der Betriebswirtschaftslehre in Münster in das Unternehmen ein und arbeitete zunächst für die Bertelsmann Music Group (BMG) in Hongkong, später in New York. Den größten Erfolg und zugleich die schmerzhafteste Niederlage erlebte er als Vorstandsvorsitzender von Lycos Europe. Diesen Ableger des einstigen amerikanischen Internetkonzerns machte Mohn vorübergehend zu einem der führenden Online-Portale in Europa. Doch der Erfolg war nicht von Dauer, die Übermacht der Konkurrenten Google und Yahoo war zu groß. Nach elf Jahren musste Mohn aufgeben, Lycos Europe wurde abgewickelt.

          Von Januar an wird er als Vertreter der sechsten Familiengeneration über eine Unternehmensgruppe mit 100.000 Mitarbeitern wachen. Bertelsmann ist auf vier großen Geschäftsfeldern unterwegs: im Fernsehen (RTL), im Buchgeschäft (Random House), im Zeitschriftengeschäft (Gruner + Jahr) und im Dienstleistungsgeschäft (Arvato). Der neue Vorstandsvorsitzende Thomas Rabe will in Schwellenländern wie Brasilien, Indien und China expandieren; zudem sollen die bisher relativ unabhängig voneinander agierenden Unternehmensbereiche stärker verzahnt werden. Dass diese Veränderung mit Konflikten verbunden sein wird, hat der Rücktritt des Gruner+Jahr-Chefs Bernd Buchholz von seinem Amt als Vorstand von Bertelsmann erst am Mittwoch gezeigt.

          Der Aufsichtsrat werde den Wandel konstruktiv und kritisch begleiten, lässt sich Mohn nun zitieren. Er werde darauf achten, dass die Unternehmenskultur bewahrt bleibe. Der 47 Jahre alte Manager hat drei Töchter und ist mit einer aus Indien stammenden Mathematikerin verheiratet. Er gilt als zurückhaltend und freundlich. Um eigene Schwerpunkte zu setzen, wird er sich künftig aber gegenüber seiner Mutter Elisabeth (Liz) Mohn behaupten müssen. Sie sitzt nicht nur im Aufsichtsrat des Konzerns und im Vorstand der Bertelsmann-Stiftung, sondern fungiert auch noch vier Jahre lang als Sprecherin der Familie.

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