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Christoph Achenbach : Mann der klaren Worte

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Christoph Achenbach, neuer Vorstandsvorsitzender bei Karstadt Quelle Bild: AP

Christoph Achenbach, Vorstandsvorsitzender von Europas größtem Warenhaus- und Versandhandelsunternehmen Karstadt-Quelle, hat harte Sanierungsarbeit vor sich. Da heißt es, die Ärmel hochkrempeln, denn es brennt an vielen Ecken des Konzerns.

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          Am Mittwoch wird er einen verheerenden Zwischenbericht über den Verlauf des ersten Halbjahres präsentieren müssen. Und es steht jetzt schon fest, daß das Ergebnis im Gesamtjahr 2004 ein dickes Minus als Vorzeichen haben wird. Christoph Achenbach, seit dem 1. Juni Vorstandsvorsitzender von Europas größtem Warenhaus- und Versandhandelsunternehmen, hat also harte Sanierungsarbeit vor sich. Da heißt es, die Ärmel hochkrempeln, denn es brennt an vielen Ecken des Konzerns. Der Nachfolger des vorzeitig ausgeschiedenen glücklosen Wolfgang Urban muß nicht nur das defizitäre Warenhausgeschäft bereinigen. Auch das Versandhandelsgeschäft, für das Achenbach bisher verantwortlich gezeichnet hat, ist eingebrochen, nicht nur bei Neckermann, sondern auch bei Quelle. Die Zeit drängt, denn es geht um die Existenz des Konzerns mit seinen rund 80000 Mitarbeitern. Bis Ende September soll sein Sanierungskonzept stehen.

          Achenbach ist nicht der Typ Manager, der die Dinge schönredet. Er wird die Tatsachen offen beim Namen nennen und so die Erfordernis der anstehenden schmerzhaften Einschnitte klarstellen. Bekannt waren bisher Pläne zum Abbau von rund 4000 Arbeitsplätzen im Warenhausgeschäft bis zum Jahr 2006. Im Versandhandel werden ebenfalls umfangreiche Kosten- und Personalabbauprogramme hinzukommen. Auch wird er so manches angestammte Geschäftsfeld auf den Prüfstand bringen, wobei die bereits in Frage gestellten recht neuen Engagements wie die Beteiligungen am Deutschen Sportfernsehen DSF, an der Kaffeehaus-Kette Starbucks oder an Fitnessstudios eher Nebenschauplätze sind. Sein wirklicher Handlungsbedarf liegt im Kerngeschäft. Damit kommen höchst unbequeme Zeiten auf ihn zu: Heftige Auseinandersetzung mit den Arbeitnehmervertretern und Anfeindungen in der Öffentlichkeit dürften ihm sicher sein.

          Der 46 Jahre alte Münsteraner Achenbach genießt das Vertrauen der beiden Familienstämme Schickedanz und Riedel, der Hauptaktionäre des Handelskonzerns. Für ihn ist wichtig, sich auf eine stabile Struktur verlassen zu können, denn die nächsten Jahre werden auch für die Anteilseigner mager. Madeleine Schickedanz, bei der mehr als 36 Prozent der Aktien liegen, hat ihm den ehemaligen Bertelsmann-Chef und heutigen Investcorp-Manager Thomas Middelhoff als Chefaufseher zur Seite gestellt. Diesem Duo - Achenbach selbst bezeichnet seinen neuen Aufsichtsratsvorsitzenden als Sparringpartner - wird die erforderliche Durchsetzungskraft und das nötige Tempo zugetraut.

          Achenbach, ein ausdauernder Tourengänger und Hobbyfußballer, gilt als beharrlich, geradlinig und sportlich. Eigenschaften, die dem Westfalen mit leicht rheinischer Sprachfärbung jetzt helfen werden. Seine Managerlaufbahn hat der promovierte Betriebswirt nach seiner Assistenzzeit am Lehrstuhl für Handel und Absatz an der Universität Köln 1989 bei Quelle Schickedanz in Fürth begonnen. Er hat also fast sein gesamtes bisheriges Berufsleben in dem später mit Karstadt fusionierten Konzern verbracht. Dort hat er zunächst das Vorstandssekretariat geleitet und war für die Unternehmensstrategie zuständig. Im Mai 1997 wurde er in den Vorstand der Quelle AG berufen, zuständig für das Ressort Spezialversand. Später erhielt er zusätzlich das Ressort Finanzen und Controlling. Die Erfahrungen als Finanzchef werden dem auch als Zahlenmensch geltenden Handelsprofi bei den bereits eingeleiteten Kostenprogrammen von Vorteil sein. 2001 wurde er Vorstandsvorsitzender des Fürther Versenders. Er begab sich damals auf einen Schleudersitz, denn die durchschnittliche Verweildauer seiner sieben Vorgänger hatte gerade einmal bei knapp zwei Jahren gelegen. Sein neuer Stuhl in Essen ist nicht minder heiß. Doch Achenbach glaubt an seinen langfristigen Erfolg. Er läßt jetzt seine Frau und seine drei Kinder von Bayern nach Nordrhein-Westfalen nachziehen.

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