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EZB-Chefin zur Inflation : „Wir werden handeln, wenn es notwendig ist“

Christine Lagarde, Präsidentin der Europäischen Zentralbank Bild: Frank Röth

EZB-Präsidentin Christine Lagarde sieht den Anstieg der Inflation nicht als dauerhaft an. Im Interview mit der F.A.S. wirbt sie um das Vertrauen der Deutschen.

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          Christine Lagarde will den Deutschen die Frucht vor einer dauerhaft hohen Inflation nehmen. Im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (F.A.S.) sagte die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB): „Das ist im Moment auffällig und macht vielen Menschen Sorgen – wir erwarten aber, dass dieser Anstieg der Inflation nicht von Dauer sein wird. Im nächsten Jahr wird sich das wieder beruhigen. Schon von Januar an erwarten wir, dass die Inflationsraten beginnen zu sinken.“ In Deutschland wird für November eine Inflationsrate von knapp sechs Prozent erwartet.

          Gerald Braunberger
          Herausgeber.
          Dennis Kremer
          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Zugleich versicherte die Präsidentin, dass die EZB handeln werde, wenn es notwendig sei: „Wenn wir erkennen, dass die Inflation auf mittlere Sicht, dauerhaft und nachhaltig unser Ziel von 2 Prozent erreicht, also nicht nur für eine kurze Zeit, dann können auch die Zinsen wieder steigen. Eine solche Zinserhöhung muss wie unsere gesamte Geldpolitik dazu dienen, unser Mandat der Preisstabilität zu erfüllen. Wenn das so ist, wird niemand glücklicher sein als ich, die Geldpolitik zu normalisieren.“

          Derzeit aber hält Lagarde die Diskussion um höhere Zinsen für unangebracht. „Wenn wir jetzt die Geldpolitik straffen würden, hätten wir voraussichtlich in 18 Monaten einen Effekt“, sagte sie der F.A.S. „So lang ist die Zeitverzögerung, bis unsere geldpolitischen Maßnahmen wirken. Bis dahin aber würde nach unseren Prognosen die Inflation schon längst wieder gesunken sein. Wir würden Arbeitslosigkeit und hohe Anpassungskosten verursachen, und hätten dennoch nicht die aktuell hohe Inflation bekämpft.“

          Zum möglichen Ausstieg aus dem Notfallprogramm Pepp, mit dem die EZB flexibel Anleihen kaufen kann, sagte die EZB-Präsidentin: „Unter den derzeitigen Gegebenheiten gehe ich davon aus, dass wir ab dem Frühjahr keine weiteren Nettoanleihekäufe unter Pepp vornehmen werden. Das heißt nicht, dass Pepp gänzlich endet, weil wir ja auslaufende Anleihen wieder ersetzen müssen. Diese Reinvestitionen müssen weiter stattfinden. Und lassen Sie uns nicht vergessen, dass wir andere Kaufprogramme im Werkzeugkasten haben.“ Anleihekäufe hätten ihre Effizienz bewiesen, ihre Wirkung könne allerdings über die Zeit nachlassen. Noch übersteige die positive Wirkung der Anleihekäufe die negativen Nebenwirkungen deutlich, sagte Lagarde der F.A.S.

          Das vollständige Interview mit EZB-Präsidentin Lagarde finden Sie am 26.11. ab 20 Uhr auf www.faz.net

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