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Christina Ramb Bild: BDA

F.A.Z. exklusiv : Erste Frau zieht in die Führung der deutschen Arbeitgeber ein

Eine Arbeitsmarktexpertin mit engen Verbindungen in die Politik verstärkt künftig die Spitze der Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände, wie die F.A.Z. erfahren hat. Christina Ramb kennt die BDA schon gut.

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          In manchen Verbänden wechselt das Führungspersonal alle paar Jahre, in der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) jedoch nicht. Amtszeiten von mehr als zehn Jahren sind dort eher Regel als Ausnahme, was Neuerungen umso interessanter macht. Das gilt jetzt erst recht: Mit Christina Ramb, einer Arbeitsmarktexpertin mit engen Verbindungen in die Politik, zieht erstmals eine Frau in die Chefetage des einflussreichen Spitzenverbandes ein.

          Dietrich Creutzburg

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Ramb, die bisher Abteilungsleiterin im nordrhein-westfälischen Arbeits- und Sozialministerium ist, soll zum 1. September in die BDA-Hauptgeschäftsführung eintreten. Wie die F.A.Z. erfahren hat, beerbt sie Peter Clever, der nach fast siebzehnjähriger Amtszeit in Rente geht.

          Clever hatte 2019 als Spitzenvertreter der Arbeitgeber im Verwaltungsrat der Bundesagentur für Arbeit mit einer kantigen Aktion Aufmerksamkeit erregt: Er drängte Valerie Holsboer, erste Frau im Vorstand der Behörde, aus dem Amt, freilich nicht allein, sondern am Ende mit dem Stimmen aller Arbeitgeber- und Gewerkschaftsvertreter.

          Ramb und ihr Vorgänger teilen eine ähnliche Vergangenheit

          Nun soll Künftig Ramb im Trio mit Hauptgeschäftsführer Steffen Kampeter und dem Rentenfachmann Alexander Gunkel die BDA in Berlin lenken, Dachverband für 48 Branchenarbeitgeberverbände, dessen oberster Repräsentant der (ehrenamtliche) Arbeitgeberpräsident ist – seit 2013 in Person des Bremerhavener Anlagenbau-Unternehmers Ingo Kramer. Entschieden wird über die Personalie auf einer BDA-Vorstandssitzung Anfang Juli.

          Doch es ist kein Aufbruch ins Unbekannte und daher wohl Formsache: Ramb, eine gebürtige Münchnerin, Jahrgang 1973,war vor ihrem Wechsel in die Düsseldorfer Landesregierung 16 Jahre lang in Diensten der BDA tätig, zuletzt als Leiterin der Abteilung Arbeitsmarkt unter Hauptgeschäftsführungsmitglied Clever. Zudem sieht der Arbeitgeberpräsident in ihr „eine hochqualifizierte und erfahrene Führungspersönlichkeit“. Er kenne Ramb seit Jahren als „engagierte und äußerst kompetente Mitarbeiterin“, hebt Kramer hervor.

          Ähnlichkeiten gibt es auch zwischen Rambs politischer Vorgeschichte und jener Clevers: Sie hat nun zwei Jahre unter Nordrhein-Westfalens Sozialminister Karl-Josef Laumann gearbeitet, der auch Bundesvorsitzender des CDU-Sozialflügels ist. Clever war einst enger Mitarbeiter des langjährigen Bundessozialministers Norbert Blüm.

          Im Hinblick auf die Zukunft darf man indes gespannt sein, ob Ramb bald auch im Verwaltungsrat der Bundesagentur die Arbeitgeberseite anführt. Diesen Posten hatte Clever nach der giftigen Causa Holsboer an Hauptgeschäftsführer Kampeter abgegeben, um eine Befriedung zu erleichtern – aber nun würde der Grund für diese Rochade ja entfallen. Dort träfe Ramb bald auf Anja Piel, die im Mai neu in den Vorstand des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) eingetreten ist – und die Funktion ihrer Amtsvorgängerin Annelie Buntenbach in Kürze auch bei der Bundesagentur übernehmen wird.

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