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Christian Schmidt : Nachdenklich, zögerlich, gründlich

  • -Aktualisiert am

Christian Schmidt von der CSU (Archivbild) Bild: dpa

Der Alleingang von Landwirtschaftsminister Christian Schmidt überrascht, weil der CSU-Politiker wahrlich kein Haudrauf-Typ ist. Agrarpolitische Sensationen werden von ihm nicht in Erinnerung bleiben. Ein Porträt.

          2 Min.

          Der Duden übersetzt „Bauernschläue“ mit Gewitztheit und Pfiffigkeit, aber auch mit Gerissenheit, Tücke und Verschlagenheit. So gesehen dürfte es Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) durchaus bauernschlau gefunden haben, in Sachen Glyphosat auf einen Alleingang gesetzt zu haben. Ob es aber auch klug war? Dass Schmidt in Brüssel gegen den Willen der SPD-Umweltministerin dafür stimmte, die Zulassung für das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat für fünf Jahre zu verlängern, hat die Sozialdemokraten auf die Palme und die Kanzlerin in Schwierigkeiten gebracht. Schließlich will Letztere ja lieber „redliche Gespräche“ mit der SPD führen, statt sie zu vergraulen.

          In Berlin wird seither gerätselt, was Schmidt geritten hat. Er selbst, nüchtern wie stets, spricht von „reiner Sachorientierung als Fachminister“ und verweist auf den Inhalt des Glyphosat-Pakets – ganz so, als sei die politische Form egal. Das ist sie aber nicht, selbst wenn Schmidt mit seiner Zustimmung ökologisch wertvolle Nebenbedingungen für den Glyphosat-Einsatz durchsetzen konnte. Eigentlich müsste Schmidt, der schon als Schüler in die Junge Union und die CSU eintrat, das auch klar sein. Schließlich ist er ein Politik-Profi.

          Der Parforceritt des Volljuristen überrascht umso mehr, als der CSU-Politiker aus Franken wahrlich kein Haudrauf-Typ ist. Schmidt, als jüngstes von drei Kindern einer Bäckerfamilie in der Marktgemeinde Obernzenn aufgewachsen, ist eher von der leisen Sorte, nachdenklich, zögerlich, vorsichtig, gründlich. Grüne, Umwelt- und Verbraucherschützer haben ihm denn auch regelmäßig Tatenlosigkeit vorgeworfen.

          Agrarpolitische Sensationen werden tatsächlich nicht in Erinnerung bleiben von dem Sechzigjährigen, der eigentlich von Hause aus Verteidigungspolitiker ist und lange Parlamentarischer Staatssekretär im Verteidigungsministerium war. Das staatliche Tierwohl-Label etwa hat er erst ernsthaft vorangetrieben, als es schon zu spät war, weil die Wahlperiode auf ihr Ende zuging. Vor diesem Hintergrund klang es fast nach Ironie, als Schmidt am Dienstag im Fernsehen sagte: „Politiker, die nie entscheiden, ecken zwar nie an – das sind aber auch nicht die, die das Land voranbringen.“

          Umweltministerin Barbara Hendricks und Schmidt sind sich in den vergangenen Jahren oft in die Quere gekommen; vom Nitrat im Grundwasser über Hendricks’ Klimaschutzplan bis zur Umwidmung von EU-Agrarmitteln für mehr Umweltschutz. Der aktuelle Theaterdonner ist nur der Höhepunkt – allerdings einer, der wie aus der Zeit gefallen wirkt. Was bleibt, ist die Feststellung, dass Schmidt erst jetzt, da er nur noch geschäftsführend im Amt ist, eine Tatkraft an den Tag legt, die viele in seiner bisherigen Amtszeit vermisst haben. Ob er allerdings eine zweite Chance bekommt, ist ungewiss. Die Kanzlerin jedenfalls urteilte am Dienstag, Schmidt habe gegen die gemeinsame Geschäftsordnung der Bundesministerien verstoßen. In Schmidts Heimat würde man das wohl eine Watsch’n nennen.

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