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Chiphersteller : „Korruptionsverdacht bei Infineon erhärtet“

  • Aktualisiert am

Andreas von Zitzewitz hat den Hut genommen Bild: dpa/dpaweb

Nach Volkswagen nun Infineon: Im Schmiergeld-Skandal bei Infineon hat sich der Korruptionsverdacht gegen den inzwischen zurückgetretenen Vorstand Andreas von Zitzewitz nach einer Durchsuchungsaktion erhärtet.

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          Der Korruptionsverdacht gegen den zurückgetretenen Infineon-Vorstand Andreas von Zitzewitz hat sich nach ersten Ermittlungen verdichtet. Wie die Münchner Staatsanwaltschaft am Montag mitteilte, ermittelt sie gegen Zitzewitz, den ehemaligen Infineon-Mitarbeiter Harald Eggers sowie den Präsidenten der Schweizer Firma BF-Consulting „wegen des Verdachts von Schmiergeldzahlungen im Bereich des Motorsport-Sponsorings“.

          Für den Abschluß und die Fortführung eines Rahmenvertrages habe Zitzewitz 259.000 und Eggers 50.000 Euro erhalten. Bei der Durchsuchung von 15 Objekten in Deutschland und der Schweiz seien am Freitag Unterlagen sichergestellt werden, deren Auswertung noch längere Zeit brauche. Außerdem seien inzwischen die Beschuldigten und mehrere Zeugen vernommen worden. „Nach vorsichtiger Bewertung der bisherigen Ermittlungsergebnisse hat sich der Verdacht der Zahlungen bestätigt“, erklärte der Leitende Oberstaatsanwalt Christian Schmidt-Sommerfeld. Weitere Einzelheiten könnten erst nach Sichtung der umfangreichen Unterlagen mitgeteilt werden, voraussichtlich frühestens in zwei Wochen.

          Zuvor hatte der Infineon-Aufsichtsrat den Rücktritt von Zitzewitz´ angenommen. Im Interesse des Unternehmens sei eine schnelle Entscheidung notwendig gewesen, ließ Aufsichtsratschef Max Dietrich Kley mitteilten.

          Sechsstellige Vermittlungsprovisionen?

          Zitzewitz und Eggers wird nach Angaben der Staatsanwaltschaft unter anderem vorgeworfen, von dem Betreiber der schweizerischen Sponsoring Agentur sechsstellige Vermittlungsprovisionen für die Anwerbung von Sponsoring-Partnern bei Motorsport-Veranstaltungen erhalten zu haben, die angeblich nicht versteuert wurden. Zitzewitz galt bislang bei einem geplanten Börsengang der Speicherchipsparte von Infineon als Favorit für den Vorstandsvorsitz.

          Wie der ehemalige Infineon-Vorstandschef Ulrich Schumacher, der im Frühjahr 2004 zurücktreten mußte, war auch Zitzewitz großer Anhänger des Motorsports. Durchsuchungen habe es auch bei Schumacher gegeben, der allerdings als Zeuge, nicht als Beschuldigter gelte. Im Gegensatz zu den Beschuldigten und anderen Zeugen habe Schumacher aber noch nicht vernommen werden können, da er im Urlaub sei.

          Infineon „an vollständiger Aufklärung“ interessiert

          Grund für die Aufnahme der Ermittlungen waren laut Schmidt-Sommerfeld Äußerungen des BF-Präsidenten anläßlich eines Rechtsstreits zwischen dessen Agentur und Infineon wegen eines vorzeitig gekündigten Sponsoring-Vertrages. Der Agentur-Inhaber erwähnte am Rande der nicht öffentlichen Verhandlung vor dem Münchner Landgericht, daß er Zitzewitz über drei Jahre hinweg 300.000 Euro habe zukommen lassen. Diese Bemerkung führte zu ersten Vorermittlungen, die dann die Eröffnung eines Ermittlungsverfahrens und die Durchsuchungen zur Folge hatten.

          „Wir unterstützen die Behörden in jeder Hinsicht bei ihren Ermittlungen. Wir sind ebenso an einer vollständigen Aufklärung interessiert“, sagte Infineon-Chef Ziebart. Das Unternehmen stellte klar, daß Infineon nach dem Ausscheiden des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Ulrich Schumacher soweit möglich alle Engagements im Motorsport beendet habe. Infineon selbst sei nicht Gegenstand der Ermittlungen.

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