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Handelsstreit : Chinesen nehmen nun australische Winzer ins Visier

Australischer Wein ist in China beliebt. Nun hat China eine Antidumpinguntersuchung zu Weinimporten aus Australien eingeleitet. Bild: dpa

Peking öffnet die nächste Front im Handelsstreit. Es geht bei einer Untersuchung um die Frage, ob Australien seinen Weinbauern durch unzulässige Unterstützung Vorteile verschafft.

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          China dreht im Handelsstreit mit Australien an der nächsten Schraube: Peking strengt eine Untersuchung gegen vermeintliche Subventionen für australischen Wein an. Der Weinexport ist mit einem Volumen von mehr als 2 Milliarden Dollar eine Größe für den australischen Außenhandel, vor allem aber ist er eine Ikone der australischen Agrarindustrie. Das Verfahren könnte zu hohen Einfuhrzöllen für australischen Wein in China führen.

          Im Kern geht es darum, ob Australien seinen Weinbauern durch unzulässige Unterstützung Vorteile verschafft und diese dann den chinesischen Markt unterhalb ihrer eigentlichen Kosten mit ihrem Wein überschwemmen. Australiens Handelsminister Simon Birmingham bestreitet dies: „Das enttäuscht uns sehr und ist eine verblüffende Entwicklung.“ Mit einem Volumen von rund 1,2 Milliarden Australischen Dollar 729 Millionen Euro) ist China der größte und zugleich am schnellsten wachsende Markt für Wein von „down-under“. Australien steht für 37 Prozent des in China eingeführten Weins, deutlich vor dem Anteil Frankreichs mit 27 Prozent und Chiles mit 13 Prozent. Im vergangenen Jahr legte der Export der Australier in China um 0,7 Prozent zu.

          Die Prüfung passt ins Bild: Peking hat gerade erst eine Abgabe in Höhe von 80 Prozent auf die Einfuhr australischer Gerste verhängt. Auch verbot es die Einfuhr von Rindfleisch aus vier australischen Großschlachthöfen. Die Australier halten all dies für Aktionen, die das Land für seine politische Nähe zu Washington bestrafen sollen. Der chinesische Botschafter in Canberra, Cheng Jingye, hatte vor wenigen Wochen unverhohlen mit Handelssanktionen für das aus kommunistischer Sicht politische Fehlverhalten der konservativen Regierung Australiens gedroht. Diese könnten Wein, Rindfleisch, aber auch Tourismus und das Entsenden von Studenten betreffen.

          Peking spricht von normaler Untersuchung

          Der Sprecher des chinesischen Außenministeriums wies nun zunächst jeden politischen Grund zurück und sprach von einer „normalen Anti-Dumping-Untersuchung“. Am 6. Juli sei eine Beschwerde gegen den australischen Weinimport eingegangen, der nachgegangen werde. Dann allerdings stellte er eben doch den vermuteten Zusammenhang her: Ein gutes politisches Verhältnis brauche „gemeinsame Anstrengungen beider Seiten“. In Peking hoffe man, Australien werde „mehr tun, das dem gegenseitigen Vertrauen und der Zusammenarbeit Chinas und Australiens“ diene. Canberra hatte sich in den vergangenen Monaten mit Blick auf Chinas Umgang mit der Corona-Krise, aber auch dessen Landnahme im Südchinesischen Meer und Pazifik deutlicher als zuvor positioniert. Der chinesische Ausrüster Huawei bleibt als Lieferant für das 5G-Telefonnetz verboten. All dies hatte zu anschwellender Kritik auf diplomatischer Ebene geführt.

          Börsennotierte Weinkonzerne bekamen allein die Drohungen aus Peking sofort zu spüren: Die Aktie von Marktführer Treasury Wine Estates verlor im Handel in Sydney nach der Ankündigung 13 Prozent, am Mittwoch gab sie um weitere 8 Prozent nach. Mehr als eine Milliarde Australische Dollar Börsenwert schmolzen so dahin. China prüft Wein-Lieferungen in bis zu 2-Liter-Packungen oder Flaschen zwischen 2015 und 2019 – nachdem das Freihandelsabkommen zwischen beiden Ländern in Kraft getreten war und sich der Import aus Australien verdoppelt hatte.

          Die Untersuchung soll bis spätestens Februar kommenden Jahres abgeschlossen sein. Australische Medien zitieren chinesischen Winzer, die – ungenannt – angeben, es handele sich um eine klar politisch motivierte Aktion der kommunistischen Führung. Sie selber hätten keine Nachteile durch den Import aus Australien verspürt, wohl auch weil es um unterschiedliche Marktsegmente geht.

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