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Chinesen im Kaufrausch : Der Drache geht auf Einkaufstour

Am Montag löst in China das Jahr des Drachen das Jahr des Hasen ab. Bild: REUTERS

In China beginnt das Jahr des Drachen. Das Neujahrsfest im Reich der Mitte beschert Europas Luxusbranche ein zweites Weihnachtsgeschäft.

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          Bei Harrods in London bricht das chinesische Jahr des Drachen an - schwer, glänzend und teuer: Wer mag und das nötige Geld hat, der kann in dem Nobelkaufhaus im Stadtteil Kensington Goldbarren mit eingeprägtem Drachenlogo kaufen, eine Kreation speziell zum chinesischen Frühlingsfest am kommenden Montag. "Bei uns können Sie bis zu 12 Kilogramm pro Person erwerben", sagt der Unternehmenssprecher. Der Barren zu 100 Gramm kostet rund 3500 Pfund (4200 Euro). Harrods weiß, was seine zahlungskräftigen Kunden aus dem Reich der Mitte lieben, und zu keiner Zeit im Jahr sind sie so spendabel wie in diesen Wochen.

          Der Drache kommt

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel- und Südosteuropa und Türkei mit Sitz in Wien.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Am Montag löst in China das Jahr des Drachen das Jahr des Hasen ab. Das Frühlingsfest, mit dem im Reich der Mitte das neue Jahr im Mondkalender gefeiert wird, ist für die Chinesen die wichtigste Zeit für Urlaubsreisen, Familienzusammenkünfte und vor allem - Geschenke. Europas Luxusgüterbranche und Nobeleinkaufsmeilen beschert der Kaufrausch rund um das Frühlingsfest inzwischen ein zweites, wenn auch kleineres Weihnachtsgeschäft. Daheim in Peking oder auf Reisen in Paris, London, Berlin und Rom stürmen Chinas Neureiche die Geschäfte auf der Jagd nach begehrten Marken wie Chanel, Gucci, Prada, Burberry und Rolex. Die Unternehmensberatung Bain schätzt, dass auf chinesische Kunden bereits rund ein Fünftel des globalen Geschäfts mit Luxusgütern entfällt.

          "Das chinesische Neujahr ist für uns absolut zentral", sagt Jace Tyrrell vom Londoner Einzelhandelsverband New Westend Company, der die Konsumtempel rund um die Oxford Street vertritt. Ebenso wie in Paris haben auch in der britischen Hauptstadt Luxuskaufhäuser wie Selfridges und Harrods, Boutiquen und Juweliere längst chinesisch sprechende Mitarbeiter eingestellt. Denn am liebsten kaufen die Reichen und Schönen Chinas ihre teuren Uhren, Handtaschen und Textilien dort, wo die Produkte herstammen.

          Jagd nach Prestige

          "TLC", Travelling Luxury Consumer (reisende Luxuskonsumenten), heißt die solvente Kundengruppe im Jargon der Branchenanalysten. Das Pariser Kaufhaus Galeries Lafayette etwa empfängt täglich mehr als zehn Busse voller chinesischer Touristen. Im Stammhaus am Boulevard Haussmann stehen ausländische Kunden für die Hälfte des Umsatzes, die Chinesen an der Spitze. Im Schnitt sorgt jeder Chinese dort für mehr als 1000 Euro Umsatz. Am begehrtesten sind Uhren, Schmuck, Lederwaren, Parfums und Bekleidung für Männer. "Chinesen geben auf Reisen sechsmal so viel aus wie daheim", weiß Angela Ahrendts, Vorstandschefin des englischen Luxusmodeherstellers Burberry. "Wenn man sagen kann: ,das hier habe ich in Paris gekauft', bringt das zusätzliches Prestige."

          Die Konsumorgie am anderen Ende der Welt hat für Chinesen auch handfeste finanzielle Vorteile: Der Euro hat gegenüber dem Renminbi (Yuan) stark an Wert verloren, was den Einkaufsbummel in Europa erschwinglicher macht. Weil hier außerdem die bislang hohen Importzölle auf Luxusgüter wegfallen, seien diese für chinesische Kunden um rund ein Drittel billiger als daheim, sagt Jace Tyrrell, der Mann vom Einzelhandelsverband in London. "Und wenn sie bei uns kaufen, können die Kunden auch sicher sein, dass sie das Original und keine Fälschung kriegen."

          Die Ausgaben der chinesischen Touristen steigen

          Nach einer Umfrage des staatlichen französischen Tourismusbüros Atout France geben wohlhabende chinesische Touristen bei einem Besuch in Europa im Durchschnitt 3100 Euro für Einkäufe aus. Weitere 1850 Euro sind für Essen und andere Ausgaben vorgesehen. Zwischen den Jahren 2009 und 2010 stiegen die Ausgaben der Chinesen um 90 Prozent und im vergangenen Jahr noch einmal um 50 Prozent. Ein Viertel aller Duty-free-Einkäufe in Frankreich ging im vergangenen Jahr schon auf Chinesen zurück. 2,3 Millionen Chinesen reisten 2010 nach Europa.

          In China selbst trifft man zum Neujahrsfest die spendable Klientel, um die sich Europas Edelmarken so reißen, zum Beispiel in der "City Mall" im Nordosten Pekings. In dem gold-glitzernden Geschäft der italienischen Gucci-Gruppe hat ein dreißigjähriger Geschäftsmann soeben für seine 18 Jahre alte Freundin ein Handtäschchen für 6000 Yuan gekauft, 750 Euro. "Als kleine Aufmerksamkeit zum Frühlingsfest", sagt er und meint das so unbedeutend, wie es klingt. Rund 150.000 Yuan (19.000 Euro) gibt er jedes Jahr in Peking und Macao für Luxusgeschenke an Freude und Verwandte aus, den Großteil davon zum chinesischen Neujahr.

          Auswärts billiger

          Bei "Salvatore Ferragamo" gegenüber berichtet eine Verkäuferin, dass die Umsätze in dem Monat, in den das Frühlingsfest fällt, um mehr als 20 Prozent steigen. "Von Weihnachten merken wir hingegen nichts." Es kauften zwar auch jetzt nur sechs bis sieben Kunden am Tag wirklich etwas ein, "dann aber richtig". Einige würden von ihren Unternehmen geschickt, um Geschenke für treue Großkunden zu kaufen. "Die nehmen dann fünf, sechs verschiedene Taschen mit." Die kosten zwischen 9000 und 19.000 Yuan (1100 bis 2400 Euro).

          Eine junge Frau aus reicher Familie, die gerade vom Studium in den Vereinigten Staaten zurückgekehrt ist, gönnt sich jedes Jahr zum Frühlingsfest ein Paar Schuhe und eine Tasche von "Salvatore Ferragamo". "Damit belohne ich mich selbst", kichert sie. Überrascht ist sie, dass die Preise in der Heimat höher sind als in Amerika. "Vielleicht liegt das an der Krise, die gibt es ja hier bei uns nicht."

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