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UN-Ernährungsorganisation : Chinesische Führung für die FAO

Qu Dongyu nach seiner Wahl Bild: AP

Europa muss im Kampf um die Führung der UN-Organisation für Landwirtschaft und Ernährung eine Schlappe hinnehmen. Der neue Chef war bisher stellvertretender Landwirtschaftsminister Chinas.

          Mit großem Vorsprung und schon im ersten Wahlgang hat der chinesische Kandidat die Wahl für die Spitzenposition der UN-Organisation für Landwirtschaft und Ernährung (FAO) gewonnen. Damit übernimmt erstmals ein Chinese die Führung einer großen UN-Organisation, zudem eine, die für Chinas Außen- und Entwicklungspolitik etwa in Afrika strategische Bedeutung hat. Die offizielle Kandidatin der Europäischen Union, Catherine Geslain-Lanéelle aus Frankreich, erhielt nur 71 von 191 abgegebenen Stimmen, was im französischen und europäischen Lager als schmachvolle Niederlage empfunden wurde. Im Gegensatz zu den 37 Prozent der Stimmen für die europäische Kandidatin erhielt der Chinese Qu Dongyu 108 Stimmen oder mehr als 56 Prozent.

          Tobias Piller

          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland mit Sitz in Rom.

          Die Vereinigten Staaten hatten bis zuletzt einen Kandidaten aus Georgien gestützt, der nur 12 Stimmen auf sich vereinigen konnte. Im europäischen Lager wurde die Unterstützung für Georgien als strategischer Fehler der Vereinigten Staaten gewertet. Die Europäer hofften bis zuletzt, dass wenigstens in einem zweiten Wahlgang das Gewicht der Amerikaner den Ausschlag geben könnte für die Wahl eines Vertreters der traditionellen „westlichen Welt“ zum Generaldirektor und damit zum Chef der FAO.

          Mehr Geld für die FAO?

          Der nunmehr gewählte Qu Dongyu war bisher stellvertretender Landwirtschaftsminister Chinas und gilt als eng verbunden mit dem Partei- und Regierungsapparat seines Landes. In seiner Vorstellungsrede in schwer verständlichem Englisch hatte er bessere Nahrungsmittelproduktion, bessere Ernährung, eine bessere Umwelt und ein besseres Leben versprochen. Damit solle auch der Hunger in der Welt ausgerottet werden. In Europa wurde unterstellt, dass Chinas Vertreter industrielle Nahrungsmittelproduktion mit viel Chemie begünstigen wolle. In seiner Präsentation sprach Qu Dongyu von „Vitamin M“ – mit M für Money oder Geld. Damit wurde ein Zuwachs von Mitteln für das FAO-Budget versprochen.

          Doch seine Konkurrenten sahen darin auch eine Erinnerung an die vielerlei Informationen und Spekulationen über die Weise, wie China seine Wahlkampagne mit Geld unterstützt hat. Angeblich wurden auch Beitragsrückstände armer Länder bezahlt, um diesen das Wahlrecht zurückzugeben. Zuletzt gab es noch in einem Ausschuss Diskussionen darüber, wie verhindert werden könne, dass die Wahlteilnehmer in den Kabinen ihre Stimmzettel fotografierten, wie es angeblich von China gewünscht wurde. Doch schon in dieser Diskussion standen die Europäer auf verlorenem Posten.

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