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18,3 Prozent Wachstum : Die Zahl, aus der Chinas Träume sind

Schanghais Skyline Bild: AFP

Verglichen mit dem Corona-Jahr wächst Chinas Wirtschaft im ersten Quartal um sagenhafte 18,3 Prozent. Das erste Quartal 2020 war allerdings wegen der Pandemie auch besonders schlecht. Das stört Peking wenig: Das Comeback des Jahrtausends füttert Chinas Machtanspruch.

          4 Min.

          Xi Jinping hat vor ein paar Wochen seinem Land einen neuen Leitsatz verpasst. Er lautet: „Der Osten steigt auf, der Westen steigt ab.“ China, davon ist der chinesische Präsident überzeugt, stehe vor einer historisch einmaligen Gelegenheit, zurückzukehren an die Spitze der Welt, wo das Kaiserreich bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts schon viele Jahrhunderte lang stand.

          Hendrik Ankenbrand
          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Vertraute Xis fragen dieser Tage ihre europäischen Gesprächspartner in unverblümter Offenheit, warum eigentlich in Ländern wie Deutschland so wenig gearbeitet werde. Die Vereinigten Staaten, teilt Chinas Kommunistische Partei über ihre Medien täglich mehrmals mit, haben erkannt, dass die Diktatur im Osten langfristig überlegen sei und Chinas Wirtschaft mit ihrer Stärke „früher oder später“ den Rivalen im Westen hinter sich lassen werde.

          Die Zahl, die das Nationale Statistikamt am Freitag vorstellte, bildet die Grundlage für das Narrativ, dass der 2012 von Xi Jinping kurz nach seinem Amtsantritt als Parteichef ausgerufene „Chinesische Traum“ nun bald wahr werde. Um 18,3 Prozent hat Chinas Wirtschaft in den Monaten von Januar bis März der Regierung zufolge an Größe zugelegt. Das sei „das schnellste Wachstum in drei Jahrzehnten“, titelte die besonders nationalistische Zeitung „Global Times“.

          Die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua stellte auf ihrer sonst staubtrockenen Webseite einfach die nackte Wachstumszahl in die Hauptschlagzeile, dahinter ein Ausrufezeichen wie ein Triumph: 18,3%! Noch Fragen?

          Comeback des Jahrtausends

          Allerdings. Zunächst einmal fällt das Wachstum im ersten Quartal in China natürlich vor allem deshalb so hoch aus, weil die Vergleichsbasis äußerst niedrig ist: In den ersten drei Monaten des Jahres 2020 war Krise in der zweitgrößten Wirtschaft. Nachdem in Wuhan das Coronavirus ausgebrochen war und sich in Windeseile in alle Winkel des Landes und gleichzeitig in die Welt verbreitet hatte, hatte die Führung in Peking der Wirtschaft eine Vollbremsung verordnet. Bis auf wenige Ausnahmen wurden so gut wie alle Fabriken für mehrere Wochen geschlossen und die Mitarbeiter in einen mit allen Mitteln eines totalitären Staats streng überwachten Lockdown geschickt.

          China teilt keine monatlichen Wachstumsdaten mit, sondern nur die wirtschaftliche Entwicklung im Quartal. In den ersten drei Monaten des Jahres 2020 schrumpfte die Wirtschaft zusammengerechnet um 6,8 Prozent. Das hatte es seit den Hungersnöten während der Mao-Zeit nicht gegeben.

          Chinas Präsident Xi Jinping auf einem Bankett des Projekts Neue Seidenstraße im Jahr 2019
          Chinas Präsident Xi Jinping auf einem Bankett des Projekts Neue Seidenstraße im Jahr 2019 : Bild: Reuters

          Dass das Wachstum von 18,3 Prozent von diesem niedrigen Niveau her kommt, wird natürlich auch von Chinas Propagandamedien nicht verschwiegen. Gefeiert wird die Statistik dennoch als das Comeback des Jahrtausends. Für die jüngeren Leser im Land erfand die Xinhua-Nachrichtenagentur am Freitag einen Hashtag im Internetslang, der seitdem millionenfach in den sozialen Netzwerken die Runde macht: „Chinas Wirtschaft läuft 666!“ Liùliùliù, drei Mal die Zahl 6, das steht bei chinesischen Computerspielern nicht etwa für den Antichrist, sondern für „geil“.

          Tatsächlich ist das Quartalswachstum das höchste Chinas, seitdem das Land 1992 begonnen hat, die Drei-Monats-Statistik öffentlich bekannt zu geben. Das Wachstum im vierten Quartal des vergangenen Jahres war im Jahresvergleich mit 6,5 Prozent deutlich geringer ausgefallen.

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