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Neue Weltführung : China zuerst!

Europa sucht nach einer neuen Partnerschaft

Nun aber sucht Europa in einer von Trump irritierten Welt „neue Partner“. Wenn sich heute alles jederzeit ändern kann, warum nicht auch China? Wird nicht gerade den Kommunisten in Peking zugutegehalten, sie hätten sich flexibel gezeigt und mit der Marktwirtschaft 700 Millionen Menschen aus der Armut geholt?

Pforte zum Nationalen Volkskongress: Ein Polizist steht Wache vor der Großen Halle des Volkes.

Europa, lange Zeit von China nicht mehr ernst genommen, wittert Morgenluft. Dass das Land einen jährlichen Gipfel mit der EU vorziehen und ein Signal an Trump senden will, stößt in Berlin auf offene Ohren. Schon im Mai könnte Kanzlerin Merkel zu Xis „Seidenstraßen“-Gipfel fliegen, bei dem Deutschlands neuer Freihandelsfreund Hof halten will.

Noch nie sei es so einfach gewesen, mit den Chinesen zu verhandeln, freut sich ein Diplomat in Peking. Eben noch hatte sich die deutsche Industrie gesorgt, unter die Räder zu geraten, wenn China seine Pläne wahr mache und alle Schlüsseltechnologien selbst herstelle und exportiere. Nun ertönen Jubelmeldungen, nach denen die Kanzlerin China Zugeständnisse abgerungen habe. Größter Handelspartner der Bundesrepublik ist das Land bereits. „Gemeinsam“ müssten beide nun „das multilaterale System in der Welt verteidigen“, ruft der deutsche Botschafter in Peking, Michael Clauss, dem Volkskongress zu.

Riskante Hoffnung auf China

Deutschlands Manager aber werden zählen, wie oft in der Großen Halle am Sonntag der „Stabilität“ das Wort geredet wird. Im Vorfeld des Volkskongresses fiel es an fast jedem Tag. Keine Experimente, hat Xi Jinping als Parole ausgegeben und Reformen damit eine Absage erteilt. Nach dem Abbau von Handelsschranken und dem Willen, dem Bekenntnis zur Globalisierung auch Taten folgen zu lassen, klingt das nicht.

Auf China zu hoffen ist riskant. Weder militärisch noch technologisch und diplomatisch sei das Land in der Lage, in die Rolle der Ordnungsmacht Amerika zu schlüpfen, sagt der New Yorker Politikwissenschaftler Ian Bremmer, der Schwellenländer wie China dahingehend definiert, dass ihre Märkte von Politik mindestens ebenso stark bestimmt würden wie von Wirtschaft. Dass Peking fortan an vorderster Front für offene Märkte und das Weltklima kämpft, daran gibt es Zweifel angesichts dessen, was Xi Jinping daheim vorfindet: eine Währung, die an Wert verliert; eine Blase auf dem Häusermarkt; eine Wirtschaft, die ohne staatliche Billionen einbräche und Schulden aufgebaut hat, von denen der Internationale Währungsfonds fürchtet, sie könnten eine neue Finanzkrise auslösen. Zwei Billionen Euro will die Volksrepublik dennoch in Infrastruktur investieren, hat sie vor dem Volkskongress verkündet. Das dürfte neben Sinnvollem auch noch mehr Flughäfen schaffen, von denen viele im Land schon heute halb leer stehen.

Wenn Ministerpräsident Li Keqiang am Sonntag als Zielmarke ausgeben wird, dass die chinesische Wirtschaft im laufenden Jahr nicht viel langsamer wachsen soll als im vergangenen, werden auf der Bühne weibliche Diener zum exakt gleichen Zeitpunkt hinter die aufgereihten Kader treten. Zwischen siebzehn und einundzwanzig Jahre sind sie alt und messen maximal 167 Zentimeter. Sie wurden überprüft, haben ein Jahr lang militärisches Training durchlaufen und nahezu keinen Kontakt mit der Außenwelt.

Ein Zeichen, und die Mädchen servieren Tee in einer mit Orchideen verzierten Porzellantasse. Entworfen wurde das Modell kurz vor der Kulturrevolution. Es trägt den Namen „Sieg“. Am Ende, wollten die Namensgeber damit ausdrücken, soll es heißen: China zuerst.

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