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Chinas CNOOC darf Nexen übernehmen : Kanada begrenzt Zugang zu Rohöl

Nexen-Werk zur Verarbeitung von kanadischem Ölsand Bild: dapd

Kanada hat China zwar die Tür zu seinen Energiereserven einen Spalt geöffnet: Die Regierung in Ottawa erlaubt die Übernahme des heimischen Ölproduzenten Nexen durch den chinesischen Staatskonzern CNOOC. Doch jetzt will Kanada weitere Investitionen ausländischer Staatskonzerne in die eigenen Ölsandgebiete blockieren.

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          Die kanadische Regierung hat dem chinesischen Ölunternehmen CNOOC und dem malaysischen Ölkonzern Petronas erlaubt, Energieunternehmen in Kanada zu kaufen. Zugleich aber zog die Regierung von Ministerpräsident Stephen Harper einen Schlussstrich unter weitere Investitionen ausländischer Staatskonzerne in die Ölsandgebiete Kanadas. „Die Entscheidungen sind nicht der Beginn eines Trends, sondern vielmehr das Ende eines Trends“, erklärte Ministerpräsident Stephen Harper in Ottawa. Investitionen ausländischer Staatskonzerne in die kanadischen Ölsandgebiete sollen künftig nur noch in „extremen Ausnahmefällen“ genehmigt werden.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          CNOOC, das mehrheitlich einem chinesischen Staatsunternehmen gehört, darf nach der Entscheidung des Industrieministeriums für 18 Milliarden Dollar das in Calgary ansässige Ölunternehmen Nexen übernehmen. Die Übernahme sei „wahrscheinlich“ im Netto-Interesse Kanadas, heißt es in der Begründung. Petronas erhielt die Erlaubnis, für 5,5 Milliarden Dollar das Unternehmen Progress Energy Resources zu kaufen. Noch im Oktober hatte die Regierung Petronas eine Absage erteilt. Das malaysische Ölunternehmen aber hat seine Zusagen offensichtlich aufgebessert. Um einen Nettovorteil für Kanada zu erlangen, verlangt die Regierung Zusicherungen ausländischer Investoren über Investitionen und Arbeitsplätze in Kanada, die Börsennotierung in Kanada und die Transparenz der Unternehmensführung.

          Zugang zu Ölreserven in Kanada, der Nordsee und Nigeria

          Kanadas Regierung kündigte zugleich an, mit neuen Regeln Übernahmen heimischer Unternehmen durch ausländische Staatsunternehmen schärfer zu kontrollieren. „Um es unverblümt zu sagen: Die Kanadier haben nicht Jahre verbracht, den Besitz von Teilen der Wirtschaft durch ihre eigenen Regierungen zu verringern, um nun zuzusehen, wie diese stattdessen von ausländischen Regierungen gekauft und kontrolliert werden“, sagte Harper. Unter anderem wird als Zeichen der bedingten Offenheit die Prüfschwelle für ausländische Investitionen für Privatunternehmen schrittweise auf 1 Milliarde kanadische Dollar angehoben, während sie für Investitionen von Staatsunternehmen bei 330 Millionen kanadischen Dollar bleibt.

          Kanadas Ministerpräsident Stephen Harper
          Kanadas Ministerpräsident Stephen Harper : Bild: dapd

          CNOOC erhält mit dem Kauf von Nexen Zugang zu Ölreserven in Kanadas Ölsandgebieten, in der Nordsee und in Nigeria. Die Übernahme von Nexen muss noch durch den Ausschuss für ausländische Investitionen der Vereinigten Staaten geprüft werden, weil damit auch Rechte an Ölfeldern im Golf von Mexiko verbunden sind.

          Der Entscheidung war in Kanada eine breite Debatte vorhergegangen, ob und inwieweit das wirtschaftlich recht offene Land sich Investitionen ausländischer Staatsunternehmen versagen soll (F.A.Z. vom 25. Oktober). Nach kanadischen Medienberichten spielte bei Blockade künftiger Investitionen ausländischer Staatsunternehmen in die Ölsandgebiete eine Rolle, dass man insbesondere von China eine größere Öffnung für Auslandsinvestitionen erwartet. Kanada braucht für die Erschließung der Ölsandgebiete Kapital in Höhe von mehreren hundert Milliarden Dollar. Zugleich ist das Land zunehmend auf Asien und China als Absatzmarkt für sein Rohöl angewiesen, nachdem der bisher größte Abnehmer, die Vereinigten Staaten, mit der Erschließung von Schiefergas und neuen Ölvorkommen mittelfristig auf die Energieunabhängigkeit zusteuern. Das gilt zumal, als in den Vereinigten Staaten der Bau der Keystone-XL-Pipeline heftig umstritten ist. Mit der Pipeline würde kanadisches Öl zu den amerikanischen Raffinerien am Golf von Mexiko transportiert.

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