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Schwächelnde Konjunktur : Chinas Automarkt und Exporte brechen um 20 Prozent ein

  • Aktualisiert am

Ein Lkw befördert einen Container der China Shipping Container Lines im Hafen von Qingdao. Bild: dpa

Inmitten des Handelsstreits mit Amerika gehen die chinesischen Exporte deutlich zurück – allein nach Amerika um fast 10 Prozent. Auch der chinesische Automarkt hat im Februar stark gelitten.

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          Die chinesischen Exporte sind im Februar unerwartet stark um 20,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat gefallen. Die Importe verringerten sich um 5,2 Prozent. Vor dem Hintergrund des Handelskrieges mit den vereinigten Staaten gingen Chinas Ausfuhren allein auf den amerikanischen Markt in den ersten beiden Monaten des Jahres in Dollar berechnet um 9,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurück, berichtete Chinas Zollverwaltung am Freitag in Peking. Die Importe aus Amerika fielen im Januar und Februar sogar um 32,2 Prozent.

          Trotz des Rückgangs der Exporte in die Vereinigten Staaten verkaufte China in den beiden Monaten für 290 Milliarden Dollar mehr Waren auf den amerikanischen Markt es von dort importierte. Dieser Handelsüberschuss Chinas mit Amerika stieg um 3,9 Prozent. Wegen des langen chinesischen Neujahrsfestes, das jedes Jahr zu einer anderen Zeit zwischen Januar und Februar gefeiert wird, legt Chinas Zoll die Zahlen immer für beide Monate vor.

          Der gesamte Handel Chinas mit der Welt fiel in beiden Monaten um 3,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Exporte gingen um 4,6 Prozent zurück, während die Importe ein Minus von 3,1 Prozent verzeichneten. Der Handelsüberschuss insgesamt fiel um 13,6 Prozent auf 43 Milliarden Dollar.

          Größter Automarkt der Welt

          Auch der chinesische Automarkt ist im Februar eingebrochen. Der Branchenverband PCA errechnete einen Absatzrückgang um 18,5 Prozent auf 1,19 Millionen Stück, wie er am Freitag in Peking mitteilte. Damit ergibt sich in den ersten beiden Monaten des Jahres ein Absatzrückgang um rund zehn Prozent auf 3,37 Millionen Stück. Wegen des langen chinesischen Neujahrsfestes, das immer zu unterschiedlichen Zeiten zwischen Januar und Februar gefeiert wird, lassen sich die Zahlen besser vergleichen, wenn beide Monate betrachtet werden.

          Der Verband PCA (China Passenger Car Association) zählt den Absatz von Pkw, SUVs, Minivans und kleineren Mehrzweckfahrzeuge an Kunden. China ist der größte Automarkt der Welt und für die deutschen Hersteller BMW, Daimler und Volkswagen immens wichtig.

          Neben den PCA-Zahlen gibt es jeden Monat Daten des Herstellerverbands CAAM (Chinese Association of Automobile Manufacturers), der den Absatz der Hersteller an die Händler misst. Dieser war im Januar um knapp 18 Prozent auf etwas mehr als zwei Millionen Stück eingebrochen – Februar-Daten liegen hier noch nicht vor.

          Druck auf Italien

          Im vergangenen Jahr waren die Autoverkäufe im Land im Jahresvergleich zum ersten Mal seit mehr als 20 Jahren zurückgegangen. Der Zollstreit zwischen China und den Vereinigten Staaten verunsichert die chinesischen Autokäufer, zudem lasten eine hohe Verschuldung, der schwächelnde Immobilienmarkt und eine generell weniger dynamische Konjunktur auf dem Verbrauchervertrauen.

          Indes drängt China Italien, sich seiner umstrittenen Initiative zum Bau einer „Neuen Seidenstraße“ anzuschließen. Chinas Außenminister Wang Yi forderte die Regierung in Rom am Freitag bei einer Pressekonferenz während der Jahrestagung des Volkskongresses in Peking auf, sich nicht dem Druck in der Europäischen Union zu beugen, von dem Vorhaben abzusehen. „Italien ist ein unabhängiges Land und wir vertrauen darauf, dass es sich an die Entscheidung hält, die unabhängig getroffen wurde“, sagte der Außenminister.

          Die italienische Regierung erwägt nach Presseberichten, beim Besuch von Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping Ende des Monats eine entsprechende Vereinbarung zu unterzeichnen. Italien wäre die bisher größte Volkswirtschaft und das erste Mitglied der Gruppe der wichtigen Industrienationen (G7), das sich dem auch „Belt and Road“-Initiative (BRI) genannten Projekt anschließt.

          Ende April lädt China zum zweiten Mal zu einem Forum zu der Initiative ein. Russlands Präsident Wladimir Putin hat bereits zugesagt, sagte der Außenminister. Die „Neue Seidenstraße“ steht im Mittelpunkt einer Weltordnung in Chinas Sinne. Es geht um milliardenschwere Investitionen in Wirtschaftskorridore zwischen China und Europa, Afrika, bis nach Lateinamerika, aber auch in Asien.

          Den Europäern fehlt es an internationalen Standards, Transparenz, Umweltschutzgarantien, gleichen Wettbewerbsbedingungen und öffentlichen Ausschreibungen. Europäische Unternehmen wären zwar interessiert, doch machen zu 90 Prozent chinesische Unternehmen das Geschäft. Gewarnt wird auch, dass kleinere Staaten leicht in eine „Schuldenfalle“ und hohe Abhängigkeit von China geraten könnten.

          Wer mitmachen will, muss eine scheinbar harmlose Vereinbarung unterschreiben. Frankreich, Deutschland oder auch Großbritannien lehnen es rundweg ab, weil sie aus ihrer Sicht „Fallstricke“ enthält. So wird „Respekt vor Kerninteressen“ gefordert. Damit meint China seine Machtansprüche auf weite Teile des Ost- und Südchinesischen Meers oder auch auf das demokratische Taiwan. EU-Länder wie Griechenland, Portugal oder Ungarn haben die Vereinbarung schon unterschrieben, weil sie auf chinesische Investitionen hoffen.

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