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Riskanter Masterplan

Von CHRISTOPH HEIN
Foto: Xinhua / Polaris /Studio X

05.03.2019 · China will mit der neuen Seidenstraße Märkte schaffen und große Teile der westlichen Welt wirtschaftlich beglücken. Doch in immer mehr Ländern wächst der Widerstand gegen das ehrgeizige Projekt.

B rigadegeneral Tar Phone Kyaw nimmt es mit einem großen Gegner auf. „Wir wollen, dass China mit uns verhandelt“, sagt er, „aus unserer Sicht beachtet uns das Land zu wenig.“ Kyaw führt eine Miliz, die in Europa kaum einer kennt: Die Ta'ang National Liberation Army (TNLA) operiert im Norden Burmas, direkt an der chinesischen Grenze. Vor Ort ringt sie mit Drogenhändlern und tritt ein für die Selbstverwaltung des Volkes der Palaun. Das übermächtige China aber plant mit der Zentralregierung Burmas eine Schnellbahn vom regionalen Handelszentrum Mandalay in den Grenzort Muse. Also dort, wo die legendäre „Burma-Road“ verläuft. Und die Milizionäre wittern in dieser Gemengelage die Gunst der Stunde – nämlich Geld damit zu machen, dass sie die chinesischen Arbeiter und Ingenieure nicht angreifen.

Es ist wie bei Gulliver und den Zwergen. Die TNLA ist nur eine Gruppe, die dem Riesen Nadelstiche versetzt. Dieser braucht Luft zum Atmen, verschafft sich Raum, dehnt sich aus und schiebt dabei andere an die Seite. Als Chinas Präsident Xi Jinping 2013 das Weltprojekt der Neuen Seidenstraße vorstellte, herrschte zunächst ungläubiges Staunen. Politiker, Banker oder Unternehmenslenker trauten dabei ihren Ohren nicht: Kündigte Peking doch den größten Wirtschaftsplan aller Zeiten an. „One Belt, one Road“, später „Belt and Road Initiative“ (BRI) genannt, soll eine Verbindung über Landkorridore und Seerouten von der chinesischen Ostküste bis nach Afrika und Mitteleuropa sowie auch nach Hawaii schaffen. Rund eine Billion Dollar soll in dieses Projekt der Globalisierung fließen. Das ist mehr als die jährliche Wirtschaftsleistung der Niederlande. China verspricht den Bau von Häfen, Brücken oder Straßen rund um die Erde. Seine Arbeiter verlegen Gleise, sprengen Tunnel, bauen Häfen oder errichten Kraftwerke in 68 Ländern. Die Zahl dürfte stetig wachsen. Dem Westen jagt die Aussicht Angst ein. Aus Sicht Washingtons, Brüssels und Berlins verschieben sich damit die Gewichte in der Welt. Xi sieht das nüchterner. Aus Sicht des chinesischen Staatschefs schickt sich sein Land an, die Welt zu retten, indem es die anderen unter Dampf hält.

Quelle und Kartengrundlage: Mercator Institute for China Studies (Merics)/F.A.Z.-Bearbeitung swa.

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