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Begehrte Rohstoffe : China will Indonesien sein Gas streitig machen

Wachsam: Ein indonesisches Marineschiff auf einer Übung zur Grenzsicherung Bild: via REUTERS

Indonesien erforscht den Meeresboden in einer Wirtschaftszone, die auf die Seerechtskonvention der Vereinten Nationen zurückgeht. Doch auch China meldet hier Ansprüche an. Schiffe beider Seiten verfolgen einander.

          3 Min.

          Peking erhöht seinen Druck auf die größte Volkswirtschaft Südostasiens: China wirft der indonesischen Regierung vor, seine Territorialgewässer im Südchinesischen Meer mit Probebohrungen nach Öl und Gas zu verletzen. Seit dem Sommer erforschen die Indonesier den Meeresboden in ihrer Exklusiven Wirtschaftszone bei den Natuna-Inseln. Das Konzept der Wirtschaftszonen bis zu 200 Seemeilen vor der Küste geht auf die Seerechts­konvention der Vereinten Nationen (UNCLOS) aus dem Jahr 1982 zurück. Doch überlappt die indonesische Zone hier die Südspitze des von Peking beanspruchten riesigen Seegebietes innerhalb seiner „Nine-Dash-Line“, die international nicht anerkannt ist.

          Christoph Hein
          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Entlang der entlegenen Inseln führt die Schifffahrtsroute nach Nordasien, über die rund ein Drittel des Welthandels abgewickelt wird. Indonesien hatte die Noble Clyde Boudreaux der amerikanischen Noble-Gruppe angefordert, um ab Ende Juli vor Natuna zu bohren. Auf erste diplomatische Proteste Chinas folgte das Entsenden von Schiffen der chinesischen Küstenwache. Daraufhin verfolgten chinesische und indonesische Küstenwach- und Marineschiffe einander in dem Seegebiet. In einem ausführlichen Bericht der Asia Mari­time Security Initiative heißt es: „Ein weiteres chinesisches Schiff untersuchte gleichzeitig den Festlandsockel Malaysias, offenbar als Vergeltung für neue Bohrungen vor Sabah.

          Satellitenbilder und Daten des kommerziellen automatischen Identifikationssystems (AIS) zeigen mehrere enge Begegnungen zwischen der chinesischen Küstenwache und der indonesischen Küstenwache und Marine sowie den Besuch eines US-Flugzeugträgers in der Nähe des Schauplatzes des Tauziehens – beides aber schien keine großen Auswirkungen auf die chinesische Küstenwache zu haben.“ Der amerikanische Flugzeugträger USS Ronald Reagan passierte die Bohrstelle auf seinem Weg von Singapur Richtung Philippinen am 25. September in nur sieben Seemeilen Abstand – ein klares Signal an Peking wie auch an Jakarta.

          Wer noch nach Öl und Gas bohrt

          Im Juni hatte sich die russische Zarubezhneft die Hälfte am Gasfeld Tuna von der britischen Premier Oil gesichert. Die Russen bohren auch vor Vietnam nach Öl und Gas. Das Unternehmen sei nur an kleineren Vorkommen vor Südostasiens Küsten interessiert, sagte ein Sprecher: „Weil es politische, ökonomische und geopolitische Risiken gibt, ist es angeraten, jede Investition als Schlacht zu betrachten, genau zu wissen, wo wir stehen, und erst dann voranzugehen.“ Bislang wird geschätzt, dass Tuna rund 100 Millionen Barrel (Fass) Gas bieten werde. Auf lange Sicht hofft Jakarta, das Gas von hier nach Vietnam zu exportieren.

          Trotz der mit Satellitenbildern dokumentierten, offensichtlichen Auseinandersetzungen will die Regierung der drittgrößten Demokratie der Erde offiziell nicht von einem Konflikt mit den Kommunisten sprechen. In den vergangenen Jahren hatte Jakarta sich bemüht, ein gewisses Gleichgewicht zwischen der Parteidiktatur China und den Demokratien Japan und Amerika aufrechtzuerhalten. Zwar hatten die Indonesier etwa chinesische Fischerboote in die Luft gesprengt, die vorsätzlich in ihre Hoheitsgewässer eindrangen, um Fisch zu stehlen. Zugleich aber hielten sie sich mit offener Kritik an Pekings Landnahme im Südchinesischen Meer weitgehend zurück, um es sich nicht mit dem Großinvestor und wichtigsten Handelspartner zu verscherzen. Unter anderem baut China eine Eisenbahnstrecke in Indonesien unter der Initiative der Neuen Seidenstraße und kauft Bodenschätze.

          Seit 2019 erhöht China seine Aktivitäten rund um die Natuna-Inseln. Sie liegen im Dreieck, das Malaysia und Singapur im Westen, Brunei im Osten und das indonesische Java im Süden bilden. Im Mai vergangenen Jahres hatte die Regierung in Jakarta sich in einem Brief an die Vereinten Nationen gegen Pekings einseitige Gebietsansprüche gewandt. Das Angebot Chinas, darüber zu verhandeln, lehnte Indonesiens Regierung später ab. Zeitgleich weitet Jakarta sein militärisches Engagement auf Natuna aus: Eine Landebahn wird verlängert, und eine Anlegestelle für Unterseeboote soll gebaut werden. Gemeinsam mit der amerikanischen Navy bauen die Indonesier zudem ein Übungszentrum für die Küstenwache auf einer der Inseln.

          China ficht mehrere Territorialkonflikte rund um das Südchinesische Meer aus. Brunei-Darussalam, Malaysia, Taiwan, insbesondere Vietnam und die Philippinen beschweren sich immer wieder über Pekings Vorpreschen. „Das Vorgehen bestätigt auch, was viele Beobachter schon seit Langem vermuten: dass die laufenden, aber seit Langem festgefahrenen Verhandlungen zwischen China und der Vereinigung südostasiatischer Nationen (ASEAN) über einen Verhaltenskodex für das Südchinesische Meer eher ein diplomatisches Mittel Pekings sind, um Zeit zu gewinnen, als ein echter Versuch, die Streitigkeiten fair zu lösen“, kritisiert Sebastian Strangio, beim Analyse-Dienst The Diplomat für Südostasien zuständig.

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