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Chinas Vorpreschen in Asien : Pekings Landnahme

Mischief Reef: Aufgeschüttete Insel der Chinesen im Südchinesischen Meer (Flugzeuge sind Illustrationen). Bild: CSIS/AMTI/Digital Globe

Seit fünf Jahren befestigt China Inseln im Südchinesischen Meer und baut damit seine Macht aus. Nun regt sich international Widerstand. Nur die Europäer bleiben außen vor. Ein Kommentar.

          3 Min.

          Es ist ein Jahrestag, der nicht begangen wird. Obwohl er die Welt verändert hat und weiter verändern wird. Vor fünf Jahren begann China, Inseln im Südchinesischen Meer zu befestigen. Jahrelang hatte es sich vorgetastet, um dann in immer schnellerer Geschwindigkeit Atolle aufzuschütten, Inseln auszubauen, Landebahnen auf ihnen zu betonieren und sie mit Truppen und Waffen aufzurüsten. Mit dem gleichzeitigen Aufbau seiner Streitkräfte und insbesondere der Marine sicherte Peking sein Vordringen militärisch. Ideologisch untermauerte es den Vorstoß mit einem zweifelhaften Rückgriff auf die Historie. Den umliegenden Staaten, in deren Einflusssphäre die zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Welt ohne Hemmungen eindrang, versuchte es die Landnahme in einer Region, durch die mehr als ein Drittel des maritimen Welthandels abgewickelt wird, mit Wirtschaftshilfe schmackhaft zu machen.

          Christoph Hein
          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Inzwischen haben die Chinesen auf den echten und künstlichen Inseln Häfen angelegt und Kasernen gebaut, Radar und Raketensilos installiert. Sie lagern hier Waffen, Treibstoff und Nahrung. Landebahnen und Hangars für Jagdbomber bieten der Luftwaffe sichere Horte. Auch erste Touristen wurden auf die Inseln gebracht.

          Hinter der Expansionspolitik steht ein großangelegter Plan. China sichert seinen Vorhof. Es schafft Korridore für seine Unterseeboote, bewacht die Versorgungswege seiner Rohstoffe und Exportgüter, kann auf Fischgründe und Bodenschätze unter dem Meer zurückgreifen. Die Folge dieser Politik ist das Vordringen in den westlichen Pazifik und in den Indischen Ozean. Mit weniger Kraft zwar, weil das Besetzen von Inselgruppen dort zu direkten Auseinandersetzungen führte. Aber dennoch mit dem Willen, sich Einfluss zu erkaufen durch Wirtschaftshilfe. Mit ihm kommen im besten Falle Partner, die auch ihre Militärinfrastruktur wie Häfen den Chinesen bereitstellen und für chinesische Belange in multilateralen Verhandlungen stimmen.

          Obamas Nicht-Rückkehr nach Asien

          So entsteht über die Jahre ein dritter Ring der Absicherung: Die eigene Küste, dann der Vorhof im Südchinesischen Meer oder im annektierten Tibet, schließlich ein weit ausladendes Gebiet, das China die Versorgung mit Rohstoffen und Nahrung bis nach Afrika, Zentralasien und bis vor Hawaii sichert. Eine großchinesische Einflusszone, der sich schwache Regierungen nicht entziehen können, Diktatoren nicht entziehen wollen. Sie ist breit unterfüttert bis hin zu den Konfuzius-Instituten, die nur vordergründig Sprachlehrstätten sind.

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          Asien in Zahlen – Teil 3 : Wie China zur Industrie-Supermacht werden will Bild: F.A.Z.

          In den ersten Jahren spielte Peking die Klaviatur geschickt. Es nutzte die Schwäche der Regierung Amerikas unter Präsident Barack Obama gnadenlos aus. Bis im Dezember 2013 der mit deutscher Hilfe gebaute riesige Seebagger mit dem Aufschütten künstlicher Inseln begann, hatte Peking die Geduld der Amerikaner als Ordnungsmacht im Südchinesischen Meer über Jahre getestet, weitgehend ohne Reaktion. Zwar predigte Obama die „Rückkehr nach Asien“, getan dafür haben er und seine Außenministerin Hillary Clinton freilich wenig. Immer schneller haben sich die Chinesen deshalb nach 2014 im Südchinesischen Meer vorgewagt. Nie bekamen sie eine harte Antwort, sondern nur Grummeln, Kritisieren, Klagen. Als Vietnam oder die Philippinen versuchten, China die Stirn zu bieten, erfuhren sie dessen Entschlossenheit. Der größte Widerstand mündete in einen internationalen Schiedsspruch aus dem Jahr 2016, den Peking nicht anerkennt. Inzwischen sind die Abhängigkeiten so gewachsen, dass es sein Ziel erreicht hat, sich mit den überrumpelten Staaten Südostasiens auf einen „Verfahrenscode“ zu einigen. Das Südchinesische Meer war für Peking einfach zu haben. Die Anrainer hatten mit Obamas Amerika auf den falschen Partner gesetzt.

          Schwieriger wird es mit dem Indischen Ozean. Sein Interesse daran hat China in den vergangenen Jahren deutlich bewiesen. Auch hier geht es ihm um die Absicherung von Handelswegen. Hinzu kommt die Einschnürung seines asiatischen Rivalen Indien. Manche strategisch wichtigen Länder, wie Sri Lanka, die Malediven und Pakistan hat Peking in Tateinheit mit den dortigen Regierungen in die Schuldenfalle getrieben, auch um darüber an Eigentum etwa an Häfen zu gelangen.

          Nun regt sich Widerstand: Eine noch ungeordnete Gemeinschaft der Demokratien aus Amerika, Japan, Australien und sehr eingeschränkt Indien (Quad) formiert sich. Europa bleibt, trotz der Berührung eigener Interessen durch Pekings ausgreifende Außen- und Wirtschaftspolitik, außen vor. Europäer und Amerikaner aber legen endlich Investitionsprogramme auf, um Schwellenländern Alternativen zu bieten. Japaner bauen Flugzeugträger, Australier und Amerikaner einen Marinestützpunkt auf Papua-Neuguinea. Indien zahlt den Malediven 1,4 Milliarden Dollar, die diese nutzen, um Schulden an China zu begleichen.

          Die Landnahme im Südchinesischen Meer sollte eine Lehre sein. Auch wenn Präsident Xi Jinping erklärt, China strebe keine Hegemonie an, spricht sein Handeln eine andere Sprache. Was China als Absicherung eigener Interessen betrachtet, treibt andere in die Abhängigkeit. Den Status des abwartenden Beobachters gibt es nicht. Am Südchinesischen Meer ist abzulesen, wohin Wegschauen führt.

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