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Sinkender Yuan : China will die Kapitalausfuhr stark beschränken

Hart genug? Die Regierung in Peking sorgt sich um die Stärke des Yuan. Bild: Reuters

Weil der Wert des Yuan sinkt und immer mehr Geld aus dem Land abfließt, beäugt Peking Unternehmenskäufe im Ausland nun kritischer. Ist das das Ende der chinesischen Einkaufstour in Deutschland?

          Zwei Monate nachdem der chinesische Yuan zur Weltreservewährung des Internationalen Währungsfonds aufgestiegen ist, plant China offenbar den Kapitalverkehr noch stärker zu beschränken als bisher. Grund ist vor allem die Angst der Führung vor hohen Geldabflüssen, die den Wert des Yuan im laufenden Jahr so schnell wie noch nie sinken ließen – auf den niedrigsten Stand gegenüber dem Dollar seit acht Jahren. Am Dienstag verdichteten sich Hinweise, dass Chinas Staatsrat erwägt, Auslandsinvestitionen ab fünf Millionen Dollar erst nach strikter Prüfung zu genehmigen. Dies soll in einem Gesetzentwurf stehen, der in Pekings Regierungskreisen zirkuliert. Investitionen im Ausland ab

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          1 Milliarde Dollar würden nicht erlaubt, wenn diese außerhalb des Kerngeschäfts des Käufers lägen. Staatlichen Unternehmen soll der Entwurf zudem Immobiliengeschäfte im Ausland ab einer Höhe von 1 Milliarde Dollar verbieten. Auslandsinvestitionen ab 10 Milliarden Dollar sollen ausnahmslos untersagt werden.

          Bereits am Montag hatten Beamte der Zentralbank und von drei weiteren Behörden der Nachrichtenagentur Xinhua gesagt, dass Auslandsinvestitionen chinesischer Unternehmen reguliert werden sollten. Chinas Unternehmen sind derzeit in Kauflaune: Ihre ausländischen Direktinvestitionen sind in den ersten neun Monaten des Jahres im Vergleich zum Vorjahr um 50 Prozent auf 145 Milliarden Dollar gestiegen. Bis zum Oktober hatten chinesische Unternehmen allein in Deutschland 56 Akquisitionen getätigt, 44 Prozent mehr als im gesamten vergangenen Jahr.

          Chinesische Unternehmen investieren ins Ausland

          Chinas Wirtschaft ist mit 6,7 Prozent in den ersten neun Monat so schwach gewachsen wie seit 25 Jahren nicht mehr. Der Wert kommt zudem nur durch hohe Staatsausgaben zustande und verdeckt die schlechte Lage vieler Branchen. Dies wird auch von einer neuen Umfrage der deutschen Handelskammer bestätigt, nach der die Investitionsabsichten deutscher Unternehmen in China auf den niedrigsten Stand seit Jahren gesunken sind.

          Auch chinesische Unternehmen investieren vermehrt im Ausland, wo sie höhere Renditen als in China erwarten. Das hat den Yuan im laufenden Jahr um fast sechs Prozent gegenüber dem Dollar an Wert verlieren lassen. In der Folge ist noch mehr Kapital aus China abgeflossen. Dieser Kreislauf wird noch beschleunigt durch die Erwartung, dass der Dollar steigen könnte, weil unter der Präsidentschaft von Donald Trump in Amerika die Zinsen angehoben werden könnten.

          Setzt Chinas Regierung den Regulierungsentwurf um, könnte davon der Kauf des Schweizer Agrarchemiekonzerns Syngenta betroffen sein, für den der chinesische Staatskonzern ChemChina bis Anfang kommenden Jahres 43 Milliarden Dollar bietet. Dass der Verkauf des Augsburger Roboterherstellers Kuka an den Haushaltsgerätehersteller Midea für 4,7 Milliarden Euro nachträglich in Bedrängnis gerät, ist weniger wahrscheinlich.

          Starke Kontrolle des Yuan

          „Ich nehme an, dass China weiterhin strategisch wichtige Firmen akquirieren wird“, sagte der Präsident der Europäischen Handelskammer in China, Jörg Wuttke, dieser Zeitung. Vor zwei Jahren hat Chinas Regierung von 50 Wissenschaftlern der chinesischen Akademie der Ingenieurswissenschaften und mehr als 100 weiteren Fachleuten einen Wirtschaftsplan mit dem Namen „China 2025“ ausarbeiten lassen. Demnach soll bis zum Jahr 2025 der Anteil chinesischer Hersteller im eigenen Markt auf 70 Prozent steigen. Chinas Unternehmen sollen in zehn Schlüsselindustrien wie der Robotik zu Weltmarktführern aufsteigen. Können entsprechende technische Innovationen nicht selbst entwickelt werden, will Peking sie im Ausland einkaufen lassen.

          Verhindern will China aber wohl per Kredit finanzierte Übernahmen wie die des amerikanischen Hotelkonzerns Starwood, den der private chinesische Versicherer Anbang für 13,6 Milliarden Dollar kaufen wollte. Dieses Geschäft hatte Chinas Regierung auch aus Sorge vor der hohen Verschuldung Anbangs gestoppt.

          Im dritten Quartal haben sich die Nettokapitalabflüsse aus China gegenüber dem Vorquartal auf 207 Milliarden Dollar fast verdoppelt. Damit der Wert des Yuan nicht noch stärker fällt, verkauft China Dollarbestände. Allein im Oktober sind die Fremdwährungsreserven um 46 Milliarden Dollar auf 3,12 Billionen Dollar zurückgegangen. In einer Studie schreibt die Ökonomin Liang Hong von einem hohen Risiko, das der Abfluss für die Stabilität des Yuan darstelle. Deshalb werde die Regierung die Währung kurzfristig noch stärker kontrollieren als bisher. Allerdings zeige eine Analyse der Kapitalbewegungen der vergangenen zwölf Monate, dass Chinas Unternehmen stets Wege gefunden hätten, vorhandene Restriktionen zu umgehen, indem sie in Yuan notierte Vermögen illegal ins Ausland transferierten und dort in Dollar umwandelten.

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