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Handelsstreit mit Amerika : China pfeift auf Freihandel

Die amerikanischen und deutschen Unternehmenslenker im Staatsgästehaus in Peking sind natürlich gegen Trumps Strafzölle. Der Aktienkurs von Boeing, dessen Flugzeuge Peking in den vergangenen Wochen drohte abzubestellen, war nach der Ankündigung aus dem Weißen Haus um gut 5 Prozent gefallen. Der Kurs des amerikanischen Baumaschinenherstellers Caterpillar, ebenfalls ein mögliches Ziel für weitere Vergeltungsschläge Pekings, fiel um fast 6 Prozent. Einhellig haben Amerikas Wirtschaftsverbände Trumps Zölle als „der Sache“ nicht dienlich abgelehnt. Damit meinten sie ihre eigenen Geschäfte.

Die Sache im übergeordneten Sinn aber ist Chinas neues Selbstbewusstsein, zeitweise vorgetragen bis an die Grenze der Arroganz. Und diese neue Gangart zu bremsen, das wäre den zehntausend Kilometer weit angereisten Managern im Diaoyutai-Palast schon etwas wert. „Schizophren“ sei die Haltung der westlichen Wirtschaftsbosse, sagte der amerikanische China-Kenner James McGregor vom Beratungshaus Apco in der vergangenen Woche: „Sie wollen nicht, dass ihnen heute in China das Geschäft entzogen wird. Doch sie wissen, dass es Chinas Plan ist, sie morgen aus dem chinesischen Markt herauszudrängen und es im Rest der Welt mit ihnen aufzunehmen.“

Das sehen auch andere so. Im November vor eineinhalb Jahren, vier Tage vor den Präsidentenwahlen in Amerika, stand zu nächtlicher Stunde im elften Stock des Grand-Hyatt-Hotels in Hongkong beispielsweise einer der wichtigsten Industrielobbyisten Deutschlands am Außenschwimmbecken. Es sei fast schade, sagte er, dass Donald Trump wohl mit großer Sicherheit nicht ins Weiße Haus einziehen werde, denn Trump würde – seinem Wahlkampfspruch nach zu urteilen, China „vergewaltige“ Amerika – nicht tatenlos mit ansehen, wie sich die Volksrepublik westlicher Technologie bemächtige, während sie die eigenen Märkte verschlossen halte.

Das waren neue Töne aus Deutschlands Wirtschaft, die sich angesichts der gigantischen Gewinne in China mit öffentlicher Kritik an dessen Protektionismus stets zurückgehalten hatte. Dass sich etwas geändert hatte in der Wahrnehmung des chinesischen Aufstiegs, spürte damals auch die deutsche Politik. Er werde China zum Thema im Bundestagswahlkampf machen, kündigte der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel im Airbus der Flugbereitschaft auf dem Weg nach Hongkong an.

Zuvor hatte er zwei Tage in Pekinger Museen und Teestuben totgeschlagen, nachdem Spitzenkader aus Chinas Führung Gesprächstermine gleich reihenweise abgesagt hatten – weil der damalige deutsche Wirtschaftsminister zuvor „Reziprozität“ vom Handelspartner verlangt hatte, dass also deutsche Unternehmen nicht weiterhin in Zwangsgemeinschaften mit chinesischen Partnern gepresst würden, während in Deutschland gerade ein angeblich privater chinesischer Haushaltsgerätehersteller ohne Probleme den Roboterhersteller Kuka hatte kaufen dürfen, deutsche Spitzentechnologie. Und das, nachdem die Führung in Peking ganz offen in einem Plan namens „China 2025“ zehn Branchen genannt hatte, in denen die Volksrepublik zu einer weltweit dominierenden Macht aufsteigen soll – wenn nötig, dann eben mit im Ausland eingekaufter Technik.

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