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Zweitgrößte Volkswirtschaft : China investiert so viel in Deutschland wie nie

China wird immer wichtiger – auch als Investor in Deutschland Bild: AFP

Fast 14 Milliarden Dollar haben chinesische Investoren im vergangenen Jahr nach Deutschland gebracht. Und der Hunger nach deutschen High-Tech-Unternehmen ist noch nicht gestillt.

          Chinesische Investoren haben 2017 so viel in deutsche Unternehmen investiert wie nie. Mit 13,7 Milliarden Dollar überstieg die Investitionssumme noch einmal den vorherigen Rekord aus dem Jahr 2016. Das ist das Ergebnis einer Auswertung durch die Beratungsgesellschaft EY. Die Zahl der Übernahmen sank allerdings um 21 auf 54 Transaktionen; damit auch die noch zuvor geltende Angst vor einem Ausverkauf deutscher Technik. Diese Konzentration war gewollt und ist den Kapitalverkehrskontrollen der Volksrepublik geschuldet. Daher stehen hinter den meisten Transaktionen Investoren aus Hongkong, die wegen des Sonderstatus der ehemaligen britischen Kolonie nicht von den strengen Kapitalkontrollen betroffen sind, die in China gelten.

          Georg Giersberg

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Betriebswirt“.

          China hat in seiner Strategie 2025 Branchen aufgelistet, in denen das Land international zu den führenden Anbietern gehören will. „Das Interesse gerade an deutschen Industrie- und High-Tech-Unternehmen ist daher ungebrochen. Wo sich interessante Gelegenheiten ergeben, stehen chinesische Investoren nach wie vor bereit“, sagt Yi Sun, China-Expertin bei EY. Bei deutschen Verkäufern sind chinesische Übernehmer sogar beliebt. „Viele aufstrebende Mittelständler stoßen an Wachstumsgrenzen – sie können die von ihren Kunden erwartete Expansion und die damit verbundenen Investitionen nicht aus eigener Kraft stemmen“, sagt Yi. Ein chinesischer Investor mit der entsprechenden Finanzkraft und dem Zugang zum chinesischen Absatzmarkt sei da häufig genau der richtige Partner.

          Die größte deutsche – und drittgrößte europäische – Übernahme durch chinesische Investoren war der Kauf des Energiedienstleisters Ista durch die Cheung Kong Property Holding für 6,7 Milliarden Dollar. Eine nennenswerte Größenordnung hatte auch der Einstieg der HNA Group bei der Deutschen Bank. Für die knapp 10 Prozent hat der angeschlagene Investor mehr als 3 Milliarden Dollar bezahlt. Für nur 16 Millionen Dollar hat die gleiche chinesische Gruppe den Flughafen Hahn übernommen. Vor wenigen Tagen wurde auch die Übernahme des deutschen Pharmaunternehmens Biotest AG für 1,3 Milliarden Dollar durch die Creat Holding freigegeben. Der Erwerb stand lange unter dem Vorbehalt der Zustimmung amerikanischer Behörden, die Datenmissbrauch fürchteten. Diese Zustimmung erfolgte, als sich Biotest entschloss, seine amerikanischen Beteiligungen zu verkaufen.

          Dass China aber nicht nur an Hightech interessiert ist, zeigte der Kauf des Küchenmöbelherstellers SieMatic durch die chinesische Nison-Gruppe. Beide Partner, Käufer wie Verkäufer, sind familiengeführt. „Wir sehen erste Anzeichen, dass die chinesische Regierung wieder langsam die Tür öffnet“, ergänzt Yi Sun. Das gelte vor allem für attraktive Unternehmen – insbesondere im Rahmen des „One Belt, One Road“-Projekts. Damit ist der Aufbau einer Infrastruktur zwischen China, Europa und einigen Ländern Afrikas gemeint (Seidenstraßen-Projekt). „Wir werden auch immer mehr chinesische Staatsfonds sehen, die allein oder zusammen mit den chinesischen strategischen Investoren hier in Deutschland und Europa investieren.“

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