https://www.faz.net/-gqe-997nu

5G-Wettlauf mit Amerika : China führt im superschnellen Mobilfunknetz

Die Chinesen nutzen das Smartphone häufiger und vielfältiger als viele Menschen im Westen. Bild: AP

Manche reden schon vom technologischen kalten Krieg zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt. Eine umfangreiche Analyse kommt nun zu einem beunruhigenden Ergebnis – für Washington.

          Die Vereinigten Staaten und China sind große Rivalen geworden, wenn es um neue Technologien geht. Der amerikanische Präsident Donald Trump hat unlängst die größte Übernahme in der Tech-Branche untersagt mit der ausdrücklichen Begründung, gegenüber Fernost keinen technologischen Nachteil erleiden zu wollen. Amerikas Geheimdienste warnten zuvor, Produkte des erfolgreichen chinesischen Handyherstellers Huawei in den Vereinigten Staaten zu verbreiten – aus Sorge vor durch große Datenmengen getriebene Spionage. Das Technik-Wettrennen steckt schließlich auch wesentlich hinter dem Handelsstreit, den Trump in den zurückliegenden Wochen eskalierte.

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Die Führung in Peking hat ihrerseits im vergangenen Sommer einen Plan vorgestellt, der das Land bis zum Jahr 2030 zur führenden Nation der Erde machen soll, wenn es um Künstliche Intelligenz geht. In der Hauptstadt des Milliardenlandes soll ein Technologie-Park entstehen, für den die Kommunistische Partei tolle technische Rahmenbedingungen verspricht. Eine davon soll der Hochgeschwindigkeits-Mobilfunkstandard sein, für den das schlichte Kürzel 5G steht.

          Was steckt eigentlich hinter 5G?

          Mit ihm sind große Hoffnungen verbunden, zum Beispiel selbstfahrende Autos und andere ständig mit dem Internet verbundene Infrastruktur. Der chinesische Konzern Huawei gilt auch in dieser Technik als eines der führenden Unternehmen der Welt. Das ebenfalls in China beheimatete Unternehmen ZTE ist ein weiterer wichtiger Akteur in diesem Bereich; nun sind die amerikanische und britische Regierung dagegen vorgegangen.

          Eine offenkundig zunehmend brisante Frage lautet denn auch: Welches Land schafft zuerst, diesen Standard breit zu etablieren, werden es die Vereinigten Staaten sein oder China oder ein ganz anderer Staat?

          Die Mitarbeiter des auf Telekommunikation spezialisierten Beratungsunternehmens Analysis Mason kommen in einer neuen Untersuchung zu dem Ergebnis, dass derzeit tatsächlich China vorne liegt, vor Südkorea und den Vereinigten Staaten. „Chinas knapper Vorsprung resultiert aus eine Kombination aus proaktiver Politik und industriellem Schwung“, begründen sie das in einer Mitteilung. Die Vereinigten Staaten wiederum erreichten den zweiten Platz, weil die amerikanische Mobilfunkindustrie international mit führend darin sei, sich auf die kommerzielle Nutzung von 5G vorzubereiten.

          Für die Untersuchung haben sie sowohl bereits existierende Regeln und Techniken untersucht, gemachte Ankündigungen und die Stärke der jeweiligen Unternehmen – und dies dann zwischen insgesamt zehn Ländern verglichen (neben den Vereinigten Staaten, China und Südkorea sind das Kanada, Frankreich, Deutschland, Russland, Japan, Singapur und Großbritannien).

          Meredith Attwell Baker, Präsidentin des amerikanischen Unternehmerverbandes CTIA, warnt gleichwohl die Regierung in Washington: „Die Vereinigten Staaten werden keine zweite Chance bekommen, das globale Rennen um 5G zu gewinnen.“ Sie, Baker, sei allerdings zuversichtlich, dass am Ende Amerika als Sieger daraus hervorgehen werde – „denn wichtige Entscheider in der Regierung, im Kongress und in der (Wettbewerbsbehörde) FCC sind auf die Reformen fokussiert, die dafür nötig sind“.

          Welche wirtschaftlichen Folgen das haben kann, rechnet der Telekom-Fachmann Roger Entner mittels diesem Vergleich vor: Dass die Vereinigen Staaten den Wettlauf um den Mobilfunkstandard 4G für sich entscheiden könnten, hätte die Wirtschaftsleistung der größten Volkswirtschaft der Welt um 100 Milliarden Dollar gesteigert und die Zahl der Beschäftigten, die am Mobilfunk hängen, um 84 Prozent erhöht. „Wenn Länder die globale Führerschaft in einer Mobilfunk-Generation verlieren, gehen Arbeitsplätze verloren und technologische Innovationen werden nach Übersee exportiert“, sagte er der Mitteilung zufolge.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Björn Höcke beim Wahlkampfauftakt der AfD Thüringen

          AfD-Wahlkampf in Thüringen : „Extrem bürgerlich“

          Beim Wahlkampfauftakt der Thüringer AfD in Arnstadt versucht die Partei, sich ein bürgerlich-konservatives Image zu geben. Doch vor allem die Aussagen eines Redners lassen daran Zweifel aufkommen – und es ist nicht Björn Höcke.

          Hoeneß versus ter Stegen : Abteilung Torwartverteidiger

          Das Schauspiel um die deutschen Torhüter geht weiter: Uli Hoeneß macht sich in einem Fernsehinterview die Welt, wie sie ihm für Bayern-Torwart Manuel Neuer gefällt. Er fordert unter anderem von süddeutschen Medien mehr Rückhalt und droht dem DFB.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.