https://www.faz.net/-gqe-7bisn

China : Der rote Geldumschlag regiert

Der Skandal um das Pharmaunternehmen Glaxo zeigt, wie verbreitet Bestechung in Chinas Gesundheitswesen ist. Ärzte verdienen so wenig wie Taxifahrer.

          Die möglichen Schmiergeldzahlungen des britischen Pharmakonzerns Glaxo Smith Kline in China zeigen, wie verbreitet die Korruption im Gesundheitswesen des bevölkerungsreichsten Landes der Welt ist. Nach den Vorwürfen gegen GSK sind jetzt auch andere internationale Konzerne ins Visier der Ermittler geraten. Außerdem weiteten die Behörden die Untersuchungen in den Krankenhäusern aus. In einem ersten Schritt würden 39 Mitarbeiter im Gesundheitswesen wegen Bestechlichkeit bestraft, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua. Zwischen 2010 und 2012 sollen sie von zwei Pharmakonzernen illegal 2,82 Millionen Yuan (346000 Euro) erhalten haben.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel- und Südosteuropa und Türkei mit Sitz in Wien.

          Das Arzneimittelunternehmen Astra Zeneca - der größte britische Hersteller nach Glaxo - teilte unterdessen mit, dass zwei seiner Mitarbeiter in Schanghai von den Behörden vernommen worden seien. Es handele sich um „individuelle Fälle“, hieß es, man dulde keinerlei „illegales oder unethisches Verhalten in unseren Geschäftsaktivitäten“. Die Konkurrenten Sanofi, Novartis, Merck & Co. sowie Roche bestätigten, sie hätten in Schanghai mit demselben Reisebüro zusammengearbeitet, das als Mittelsmann für die illegalen Aktivitäten von GSK fungiert haben soll. Die Zusammenarbeit sei nach Beginn der Ermittlungen aber eingestellt worden. Das belgische Unternehmen UCB erklärte, Ermittlungsbehörden hätten das Büro in China besucht. Es würden offenbar alle Pharmahersteller im Land untersucht.

          Glaxo gab am Mittwoch bekannt, dass in China keiner seiner amerikanischen Mitarbeiter festgenommen worden sei. Damit trat das Unternehmen Vermutungen entgegen, dass ein in Schanghai im Zusammenhang mit Unregelmäßigkeiten im Gesundheitswesen festgenommener Amerikaner für die Engländer gearbeitet habe. Zuvor war dort ein britischer Risikoberater verschiedener Pharmakonzerne festgehalten worden. GSK sieht sich in China Vorwürfen gegenüber, es habe Geld- und Sachleistungen im Wert von 3 Milliarden Yuan (368 Millionen Euro) eingesetzt, um sich Vorteile im Gesundheitswesen zu erkaufen. Teile davon sollen über das Reisebüro Shanghai Linjiang abgewickelt worden sein.

          Die Strafverfolgungsbehörde, das Büro für Öffentliche Sicherheit, wirft dem Unternehmen vor, „die Gesetze Chinas verletzt und dem Markt Schaden zugefügt zu haben“. Glaxo habe „Bestechung angewandt, um Preise für Medikamente hochzutreiben, den Umsatz zu steigern und unangemessene Gewinne einzustreichen“. Schon seit sechs Jahren seien über Strohmänner in dem Reisebüro und in Beratungsunternehmen Bestechungsgelder an Ärzte, Krankenhausmitarbeiter und Beamte gezahlt worden. Mitte des Monats waren deshalb vier höhere Manager des Unternehmens unter dem Verdacht der Wirtschaftskriminalität festgenommen worden. China-Finanzchef Steve Nechelput darf das Land nicht verlassen.

          Das Unternehmen GSK, das 2012 rund eine Milliarde Pfund in China umsetzte (1,2 Milliarden Euro), hatte nach einer internen Prüfung zunächst mitgeteilt, es gebe „keinerlei Anzeichen für Korruption“. Abbas Hussain, ein Krisenmanager, den Glaxo nach China geschickt hat, sagte jetzt aber, einige höhere Manager in China hätten sich den Kontrollen entzogen und möglicherweise die Gesetze missachtet. Die Aussagen im Staatsfernsehen von Liang Hong, einem der GSK-Verantwortlichen für China, kamen einem Geständnis gleich. Um die Bestechung bezahlen zu können, seien die Preise im Schnitt um 20 Prozent erhöht worden, sagte Liang. Es sei „normal“, dass Pharmavertreter den Ärzten Geld zukommen ließen.

          Weitere Themen

          Wie teuer wird es für mich?

          FAZ Plus Artikel: Klimapaket : Wie teuer wird es für mich?

          Das Klimapaket der Bundesregierung kostet manche Leute Geld, anderen bringt es eine Ersparnis. Wir haben einige Fälle durchgerechnet. In manchen Fällen können Pendler zum Beispiel sogar Geld sparen.

          Topmeldungen

          Schlechte Laune im Osten? Das stimmt nicht so ganz.

          Ostdeutschland : Woher die schlechte Laune?

          Steht es dreißig Jahre nach dem Ende der DDR wirklich so schlimm mit der deutschen Einheit und dem Osten? Nein. Die krasse Fehleinschätzung hat auch etwas mit denen zu tun, die heute die politische Meinung im Osten mitprägen.
          Ashton Applewhite

          Altersdiskriminierung : „Man kann nicht jung bleiben“

          Die Amerikanerin Ashton Applewhite kämpft gegen eine Form der Diskriminierung, über die kaum jemand spricht, obwohl sie jeden irgendwann treffen wird. Ein Gespräch über Altersdiskriminierung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.