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China : Den Porsche passend zum Lippenstift

Die Wünsche der Chinesen berücksichtigt Porsche bei neuen Modellen immer stärker Bild: AFP

Deutsche Autobauer verdienen in Fernost besonders gut. Das bietet nicht nur große Chancen, sondern stellt auch eine Gefahr der Abhängigkeit dar.

          China ist für deutsche Autohersteller nicht nur der größte Markt der Welt, sondern auch einer der profitabelsten. Darin sehen die Verantwortlichen neben Chancen auch eine Gefahr der Abhängigkeit. Für den Sportwagenhersteller Porsche steht das Land beim Verkauf nach den Vereinigten Staaten auf Rang zwei. „Aber vom Ertrag her sind wir die Nummer eins“, sagt Landeschef Helmut Broeker.

          Die wachsende Bedeutung Chinas für Porsche schlägt sich auch darin nieder, dass hier immer häufiger neue Modelle für den Weltmarkt getestet werden - derzeit etwa verkleidete Versionen des neuen Boxster und des neuen 911
          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel- und Südosteuropa und Türkei mit Sitz in Wien.

          Das gelte für die Marken Audi und VW ebenso. Diese gehören zur Volkswagen-Gruppe, in die auch Porsche integriert werden soll. Für den Konzern ist China mit einem Anteil von etwa 28 Prozent das mit Abstand wichtigste Absatzgebiet. Nun gelte es, einer einseitigen Ausrichtung entgegenzuwirken und andere Märkte zu entwickeln, sagt Broeker.

          Porsche konzentriere sich deshalb auf Brasilien, Russland und Indien, aber auch auf Südkorea. Die Tochtergesellschaft in Indien eröffne am 1. April: „Wir versuchen, Länder zu erschließen, die früher für Porsche zu klein waren, aber inzwischen eine Größenordnung erreichen, die sie interessant machen.“

          In Korea verkaufe Porsche inzwischen 1000 Autos im Jahr. „Das war früher undenkbar“, sagt Broeker. In China stieg der Absatz im Jahr 2011 um 65 Prozent auf 24 300 Einheiten. Dieses Wachstum sei nicht wiederholbar, gibt Broeker zu, da es der Einführung neuer Modelle geschuldet gewesen sei.

          Porsche wächst schneller als der Markt

          Die Limousine Panamera sei in China mit 7700 verkauften Exemplaren, so vielen wie in keinem anderen Land der Welt, „eingeschlagen wie eine Bombe“. Für den Geländewagen Cayenne ist das Land mit 13 300 verkauften Einheiten ebenfalls der wichtigste Markt.

          Aber auch 2012 werde Porsche schneller als der Markt wachsen, sagt Broeker: „Ich schätze, dass wir bei einem Plus von rund 20 Prozent liegen werden.“ Der Verkauf im Februar sei sehr gut gelaufen, das erste Quartal werde besser ausfallen als im Vorjahr: „Wir erwarten, dass wir wieder ein Rekordjahr haben werden.“

          Sportwagen sind in China kein Renner

          Mit ähnlichen Zuwachsraten rechnen dem Vernehmen nach BMW und Mercedes. Im vergangenen Jahr hatten sie wie Audi jeweils um mehr als 30 Prozent zugelegt. Der gesamte Personenwagenmarkt wuchs in China im Jahr 2011 um 6 Prozent, das Luxussegment um 15 Prozent.

          Weniger gut läuft laut Broeker der Absatz von Sportwagen, mit denen Porsche im Westen bekannt geworden ist. Das Modell 911 kauften im Jahr 2011 gerade einmal 930 Chinesen, in Amerika erreicht der Absatz bis zu 12 000 Einheiten im Jahr.

          Das ist auch der Grund, weshalb China die Vereinigten Staaten nach Broekers Einschätzung nicht schon bald als wichtigster Porsche-Markt überholen wird. Der Abstand liegt bei 6000 Fahrzeugen. „Er wird sich in diesem und im nächsten Jahr wieder vergrößern“, sagt er. „Mit den Modellwechseln beim 911er und beim Boxster machen die wieder einen Riesenschritt nach vorn.“

          Geländewagen wichtig für Porsche

          In China setzt Porsche weiterhin vor allem auf Geländewagen (SUV). Der Cayenne machte hier 2011 mehr als die Hälfte der Verkäufe aus. Der Absatz hätte noch höher sein können, wenn es nicht Lieferengpässe und Wartezeiten von bis zu 15 Monaten gegeben hätte, sagt Broeker.

          Seine Hoffnungen ruhen auf dem neuen kleinen SUV namens Macan, der 2014 eingeführt werden soll: „Damit werden wir die Amerikaner einholen und überholen.“ Wie beliebt die Fahrzeugklasse sei, zeige sich im Konzern: VW verkaufe in China 14 000 Autos des Modells Tiguan im Monat, Audi 4000 Einheiten vom Q5.

          Individuelle Wünsche der Chinesen berücksichtigt

          Die wachsende Bedeutung Chinas für Porsche schlägt sich auch darin nieder, dass hier immer häufiger neue Modelle für den Weltmarkt getestet werden - derzeit etwa verkleidete Versionen des neuen Boxster und des neuen 911. „Ein Cayman fährt auch schon herum, den es eigentlich noch gar nicht gibt“, sagt Broeker.

          Die Wünsche der Chinesen flössen inzwischen in die Lastenhefte für künftige Modelle ein. Auch Sonderwünsche würden berücksichtigt. So habe ein junger Mann aus Chongqing für seine Freundin einen Cayman in der Tönung ihres pinkfarbenen Lippenstiftes bestellt: „Inzwischen ist das Auto aber weiß lackiert, weil die das nicht mehr ansehen konnten.“

          Keine Fertigung in China geplant

          Eine eigene Porsche-Fertigung in China wird es nach Broekers Angaben vorerst nicht geben. Daran sei erst zu denken, wenn dort von einem Modell mehr Einheiten verkauft würden als derzeit von allen zusammen - also 25.000 Stück im Jahr.

          Von der chinesischen Regierung will sich Porsche nicht drängen lassen, lokal zu fertigen. Der Handelskommissar der EU, Karel De Gucht, hatte kürzlich darauf aufmerksam gemacht, dass ausländische Autohersteller in China zur Entwicklung eines Elektrofahrzeugs und zum Aufbau einer eigenen chinesischen Marke genötigt würden.

          Durch die Zugehörigkeit zur Volkswagen-Gruppe seien die Auflagen erfüllt, sagt Broeker: „Dadurch, dass wir in dem Konzern verbunden sind, haben wir Möglichkeiten, unterzuschlüpfen.“

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