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Kommentar : Ich, allmächtig

Im Zentrum der Macht: Elon Musk Bild: AP

Was vereint Tesla und Thyssen-Krupp? Chefs, die keine Grenzen kennen und sich in das Zentrum ihres Imperiums stellen. Unersetzbar und unantastbar.

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          Elon Musk und Berthold Beitz haben sich wohl nie kennengelernt. Der eine ist heute 47 Jahre alt und unbestritten einer der Stars der Silicon-Valley-Ökonomie, dessen Unternehmungen nicht nur die Raumfahrt und die Autoindustrie durcheinandergewirbelt haben. Der andere verstarb 2013 im Alter von 99 Jahren nach mehr als einem halben Jahrhundert als Patriarch der Industrie-Ikone Thyssen-Krupp sowie der Krupp-Stiftung. Zuletzt sorgten die Namen der Manager jedoch für Schlagzeilen, welche die gleichen Fragen aufwarfen: Haben die Protagonisten in beiden Fällen die Bodenhaftung verloren und fühlten sich unangreifbar, quasi über den Regeln stehend, die nur für andere gelten? Gab es niemanden im Umfeld, der ihnen Einhalt gebot oder sachliche Kritik entgegenbrachte?

          Das Problem ist altbekannt: Je größer ein Unternehmen, desto dünner wird die Luft an dessen Spitze. Gerade in Konzernen lauern Kronprinzen nur auf Fehler der Nummer eins, um deren Sturz vom Thron zu proben. Um nicht komplett paranoid zu werden, umgeben sich Spitzenkräfte deshalb gerne mit Ähnlichdenkenden oder Günstlingen, von denen mutmaßlich weniger Gefahr ausgeht und die den eingeschlagenen Kurs in der Regel mittragen. Nicht alle Vorstandschefs ertragen Mitarbeiter, die ständig alles in Frage stellen. Als Folge fehlender Kritik entwickeln Alphatiere jedoch nicht selten Allmachtsphantasien und halten sich sowohl für unersetzbar als auch für unantastbar. Grenzen gelten für die anderen, man selbst ist einzig und allein der richtigen Sache verpflichtet.

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