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Führungswechsel : Chefvolkswirtin verlässt den IWF

IWF-Chefökonomin Gita Gopinath Bild: AFP

Gita Gopinath geht zurück an die Harvard-Universität. Ihr Rücktritt erfolgt in einer Zeit, in der die Chefin des Währungsfonds in der Kritik steht.

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          Die Chefvolkswirtin des Internationalen Währungsfonds, Gita Gopinath, gibt ihren Posten auf und geht zurück an die Harvard-Universität, um ihre vakante Professur wieder zu besetzen. Der Wechsel erfolgt im Januar nach drei Jahren an der Spitze der volkswirtschaftlichen Abteilung des Fonds. Die Chefin des Währungsfonds, Kristalina Georgiewa, stellte den Wechsel als geplanten Schritt dar. Tatsächlich sind drei von vier Vorgängern Gopinaths zwischen anderthalb und drei Jahren Chefvolkswirte des IWF gewesen, Vorvorgänger Olivier Blanchard allerdings bekleidete die Rolle für sieben Jahre.

          Winand von Petersdorff-Campen
          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Das Ausscheiden Gopinaths provoziert erhöhte Aufmerksamkeit nach Datenmanipulationsvorwürfen gegen Georgiewa. Ihr war in einem Prüfbericht vorgehalten worden, die Arbeit der Wissenschaftler zugunsten von China manipuliert zu haben. Der Verwaltungsrat des IWF fand dafür aber keine hinreichenden Belege, verlangte jedoch von der IWF-Führung unspezifizierte Maßnahmen, die die Unabhängigkeit der Forschungsabteilung absicherten.

          Es gibt keine Indizien, dass Gopinath aus anderen Gründen geht als wegen des Wunsches, ihre vakante Harvard-Professur zu behalten. Sie fühle „immense Dankbarkeit für alle ihre außergewöhnlichen Kollegen im Währungsfonds“, die ihre Arbeit erfüllend gemacht hätten, teilte sie über Twitter mit.

          Scharfer Intellekt und Pragmatismus

          Georgiewa stellte Gopinaths Beiträge als „wirklich bemerkenswert“ und ihren Einfluss auf die Arbeit des IWF als gewaltig heraus. Sie habe Geschichte geschrieben als erste Frau in der Position. Der Fonds habe ungemein profitiert von ihrem scharfen Intellekt und ihrer tiefen Kenntnis internationaler Finanzen.

          Gopinath hatte die volkswirtschaftliche Abteilung des Währungsfonds in der schwierigen Zeit der Pandemiekrise geleitet, in der klassische wirtschaftspolitische Rezepte zur Beflügelung von Angebot und Nachfrage nicht fruchten. Im Mai dieses Jahres veröffentlichte sie als Ko-Autorin einen 54 Seiten umfassenden pragmatischen Vorschlag, wie die Pandemie beendet werden könne. Er sah unter anderem vor, dass noch in diesem Jahr die ganze Welt zu mindestens 40 Prozent und bis Mitte nächsten Jahres zu mindestens 70 Prozent geimpft werden müsse. Sie verband ihren Vorschlag, der auch umfassende Tests vorsieht, mit der Forderung, dafür 50 Milliarden Dollar bereitzustellen. Gopinath erwartete bei konsequenter Umsetzung, dass die Weltwirtschaft um 9 Billionen Dollar reicher würde. Die von ihr formulierten Ziele sind in die Covid-Strategie der Weltgesundheitsorganisation und der Vereinten Nationen gemündet.

          Spätestens mit dieser Arbeit zerstreute die Währungsexpertin letzte Zweifel, denen zufolge sie zu akademisch für die Aufgabe sei. Unter Gopinath, die im Dezember 50 Jahre alt wird, hat sich der schon von Vorgänger Maurice Obstfeld eingeleitete Prozess der Loslösung von Monetarismus und klassischer Theorie fortgesetzt. In ihren eigenen akademischen Arbeiten stellte Gopinath beispielsweise Milton Friedmans Währungstheorie infrage und nährte Zweifel an den Vorzügen eines komplett freien Kapitalverkehrs. Wegen ihrer Rolle als Beraterin indischer Politiker brachte sie eine internationale Perspektive in ihre Arbeit ein. Der Währungsfonds werde in Kürze mit der Suche einer Nachfolgerin beginnen, teilte er mit.

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