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Chef fühlt mit : Das Leiden der Commerzbank-Aktionäre

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„Die Abschreibung auf Griechenland hatten wir ehrlich gesagt - auch in dieser Größenordnung - Anfang letzten Jahres nicht auf dem Radarschirm“: Commerzbank-Chef Blessing im obersten Stockwerk der Frankfurter Zentrale Bild: Eilmes, Wolfgang

Schlechte Zahlen, keine Dividende, Aktienkurs im Keller - Commerzbank-Aktionäre sind leidgeprüft. Auch die Steuerzahler bekommen das zu spüren. Das gibt selbst Konzernchef Blessing unumwunden zu. Er verspricht bessere Zeiten.

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          Commerzbank-Chef Martin Blessing leidet mit seinen Aktionären. Seit Jahren kennt die Aktie des Instituts praktisch nur eine Richtung: abwärts. Die jüngsten Nachrichten vom Donnerstag rissen das Papier einmal mehr ans Dax-Ende. Eine Dividende bekommen die Anteilseigner für 2011 wieder nicht, es ist das vierte Jahr ohne Ausschüttung in Folge. Für den Bund als größten Einzelaktionär ist seine 25-Prozent-Beteiligung bislang ebenfalls eine Enttäuschung. Blessing lässt sich den Optimismus aber nicht nehmen - und zeigt Solidarität mit den Anteilseignern.

          „Dass die Aktionäre bei der Kursentwicklung bis zum Jahresende nicht happy waren, ist klar“, räumt Blessing ein. 2011 war die Commerzbank-Aktie mit einem Minus von 71 Prozent der größte Verlierer im Deutschen Aktienindex. Zwischenzeitlich drohte sogar der Absturz unter die Ein-Euro-Marke - womit die zweitgrößte deutsche Bank an der Börse zu einem „Pennystock“ geworden wäre.

          „Ich habe das mal ausgerechnet auf mein eigenes Portfolio: Die Verluste, die ich auf Commerzbank-Aktien gemacht habe, sind höher, als mein Nettoeinkommen der letzten vier Jahre“, erklärt Blessing. Sein Jahresgehalt war wegen der staatlichen Rettungsmilliarden bis zuletzt auf 500.000 Euro begrenzt.

          Bessere Zeiten liegen lange zurück. Im Mai 2007, bevor die Finanzkrise aus den Vereinigten Staaten nach Europa schwappte, notierte die Commerzbank-Aktie zwischenzeitlich bei 30 Euro. Nach der Übernahme der kriselnden Dresdner Bank zwei Wochen vor dem Zusammenbruch des US-Investmentriesen Lehman Brothers kam es zum Kurssturz - bisheriger Tiefpunkt: Der 22. November 2011, bei 1,15 Euro je Aktie.

          Auch andere Finanztitel gerieten unter Druck, kaum einer jedoch so dauerhaft wie das Commerzbank-Papier. Mit ehrgeizigen Kapitalplänen und viel Zuversicht machte das Management den Aktionären wieder Hoffnung. Im laufenden Jahr legte die Aktie um mehr als 50 Prozent zu - doch prompt folgte die kalte Dusche: Milliardenabschreibungen auf Griechenland-Anleihen verhagelten die Jahresbilanz 2011. Zudem steht nach einer gigantischen Kapitalerhöhung mit elf Milliarden Euro Volumen im vergangenen Jahr überraschend eine weitere Kapitalerhöhung an, die den Anteil der Altaktionäre noch mehr verwässern wird.

          Auch für den Bund, der die Bank in der Finanzkrise 2008/2009 mit Milliarden stützte, ist die Entwicklung alles andere als erfreulich. Zwar betonte Blessing, der Steuerzahler habe „bis jetzt keinen Nachteil“ aus der Stillen Einlage des Bankenrettungsfonds Soffin. 14,3 Milliarden davon tilgte die Bank im vergangenen Jahr und leistete dafür eine Sonderzahlung von gut einer Milliarde Euro. „Das liegt über den Refinanzierungskosten des Bundes bei diesen Themen“, erklärt Blessing, räumt aber zugleich ein: „Mit Blick auf die Aktie ist das im Moment anders.“ Noch ist offen, wann der Bund sich von seinem 25-Prozent-Anteil trennen wird. Soll dies kein Verlustgeschäft werden, müsste er seine Aktien zum Preis von mindestens 3,71 Euro das Stück verkaufen. Davon ist die Aktie weit entfernt. Unter Analysten überwiegt gleichwohl Zuversicht: Die überwiegende Mehrheit glaubt, dass die Commerzbank- Aktie das Schlimmste hinter sich hat, und empfiehlt den Kauf. Blessing verspricht bessere Zeiten und will sich vor Ausschüttungen nicht drücken: „Eigentlich zahlen wir ganz gerne Dividende“.

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