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Check-24-Urteil : Versicherungskunden müssen auch online beraten werden

Check 24 bietet viele Vergleiche an. Wenn es um Versicherungen geht, ist künftig bessere Beratung nötig. Bild: dpa

Dieses Urteil hat es in sich: Das Vergleichsportal Check 24 muss künftig seine Kunden vor dem Online-Abschluss einer Versicherung besser beraten.

          2 Min.

          Wer bei Check 24 nach einem günstigen Versicherungstarif sucht, weiß meist nicht, dass das Vergleichsportal eine Provision kassiert, wenn über die Webseite ein Vertrag abgeschlossen wird. Check 24 ist nicht nur Dienstleister zum Wohle der Verbraucher, sondern eben auch ein nach Gewinnmaximierung strebender Makler. Die Mitarbeiter des Vergleichsportals müssten aber nicht denselben Beratungspflichten bei Vertragsabschlüssen nachkommen wie der stationäre Versicherungsmakler, hat der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) moniert. „Gleiche Regeln für alle, online wie offline“, forderte BVK-Präsident Michael Heinz. Das Oberlandesgericht München folgte am Donnerstag dieser Argumentation weitgehend.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Die Anträge des Klägers seien „durchgehend und begründet“, sagte der Vorsitzende Richter des 29. Zivilsenats. So soll das Internetunternehmen künftig seinen Kunden voraussichtlich schon „beim ersten Geschäftskontakt“ deutlich auf die eigene, provisionierte Maklertätigkeit aufmerksam machen müssen. Und auch die Befragungs- und Beratungsleistung wird Check 24 vor dem Abschluss einer Hausrat-, Haftpflicht- und oder Autoversicherung verbessern müssen. Damit solle ausgeschlossen werden, dass Kunden Versicherungen abschließen, die sie gar nicht brauchen. Das Gericht ließ keine Revision zu, doch könnte Check 24 gegen die Nichtzulassung Beschwerde beim Bundesgerichtshof einlegen.

          „Check 24 schließt bei der Beratung die Augen“, sagte der Richter. Das Unternehmen hielt dem entgegen, dass es in der Anonymität des Internets nicht wissen könne, wer die Versicherung abschließe. Der BVK wiederum hatte mehrere Buchungsprozesse von Check24 gerügt. So müsse Check24 Versicherungsnehmern, die nach den eingegeben Informationen „mit hoher Wahrscheinlichkeit Studenten sind, bei der Hausratversicherung auf die Möglichkeit des Versicherungsschutzes durch die Hausratversicherung der Eltern und damit auf das Risiko der Doppelversicherung“ hinweisen. Beim Abschluss einer Kfz-Versicherung wiederum müsse Check24 darauf verweisen, dass „bei geleasten Fahrzeugen ein Konflikt mit der Werkstattbindung des Leasinggebers auftreten“ könne.

          Check24 gab sich vor der Urteilsverkündung noch gelassen. „Der Kern unseres Geschäftsmodells ist wie schon im erstinstanzlichen Urteil weiterhin bestätigt“, teilte eine Sprecherin des Unternehmens mit. Der Musterprozess wurde im Juli vergangenen Jahres in erster Instanz vor dem Landgericht München ausgetragen. Damals beanstandete die 37. Zivilkammer zwar ebenfalls, dass die sogenannte Erstinformation, in der Check 24 über seine Tätigkeit als Versicherungsmakler informiert, viel zu unauffällig sei. Es sah die Online-Portale grundsätzlich jedoch nicht in der gleichen vollumfänglichen Beratungspflicht wie traditionelle Versicherungsvermittler.

          Beide Seiten gingen in Berufung

          Für die vom BVK geforderten strengeren Vorgaben für die Beratungspflicht bei Versicherungsabschlüssen im Internet sah das Landgericht keinen Anlass. Weil weder Check 24 noch die Versicherungskaufleute mit dem Urteil zufrieden waren, gingen beide Seiten in Berufung. Mit dem Urteil vom Donnerstag dürfen sich die Versicherungsmakler wie Sieger fühlen. In der Praxis muss ihnen das aber nicht unbedingt nützen. Denn der Trend zum Onlinevertrieb ist ungebrochen. Check 24 hat in seiner wichtigsten Sparte, dem Kfz-Geschäft, seit Jahren zweistellige Zuwachsraten und gewinnt immer mehr Kunden. Allein im vorletzten Geschäftsjahr wies das Unternehmen Provisionseinnahmen von 330 Millionen Euro aus, und damit ein Plus von 60 Prozent.

          Der BVK behauptete, es gehe ihm nicht darum, ein Geschäftsmodell zu verhindern. Verbraucherschützer haben die Vergleichsportale schon seit geraumer Zeit in Verdacht, dass die Höhe der Provisionszahlungen Einfluss auf die Ranglisten habe. Check 24 bestreitet das. Eine Offenlegung, wie von Verbraucherschützern und einigen Politikern gefordert, lehnt das Unternehmen allerdings unverändert ab.

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