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Charles Schwab : Onlinebroker wurde zum Idol

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In seiner Branche ist der amerikanische Onlinebroker Charles Schwab ein alter Hase. Seine Strategie wurde schon oft kopiert.

          2 Min.

          Der amerikanische Onlinebroker Charles Schwab ist in seiner Branche ein alter Hase. Wobei der Begriff Onlinebroker den Marktführer unzureichend beschreibt. Denn mit knapp 400 Filialen ist das Unternehmen auch offline stark vertreten.

          Auf dem Höhepunkt der Interneteuphorie setzte er verstärkt auf die Filiale an der Ecke. Zwar hatte auch Schwab durch die Börsenflaute mit Umsatzeinbrüchen zu kämpfen. Doch sein Mischkonzept erwies sich als stabiler als das reine Internetgeschäft der Wettbewerber.

          Am Anfang war Empörung

          Schwab selbst hat sich in der 26-jährigen Unternehmensgeschichte zu einer Art Idol entwickelt. Zahlreiche Onlinebroker kopierten seine Strategie - mit mehr oder weniger großem Erfolg. Allianz-Finanzchef Paul Achleitner bezeichnete Schwab Medienberichten zufolge als „einziges Unternehmen auf der Welt, das als Vorbild taugt“.

          Sein Geschäft startete der heute 63-jährige Vater von fünf Kindern als Discountbroker für Privatanleger. Als alle Banken die Preise für den Aktienhandel kräftig erhöhten - die US-Regierung hatte gerade die Gebühren für den Aktienhandel liberalisiert - bot Schwab den Aktienkauf zum damals sensationell niedrigen Preis von 50 Dollar pro Order an. Viele Unternehmen brüsten sich, am Puls des Kunden zu sein. Schwab geht einen Schritt weiter und verkündet: „Ich bin der Kunde.“

          Gerne erzählt der studierte Volkswirtschaftler Journalisten von seinem Schlüsselerlebnis - dem Schock darüber, wie Finanzdienstleister ihre Kunden behandeln. „Ältere Damen standen damals stundenlang vor dem Schalter Schlange, um sich mickrige drei Prozent auf Spareinlagen nachtragen zu lassen“, erinnert er sich. „Das Geld hat die Bank für stolze acht Prozent weiterverliehen.“

          Schwab bot seine Leistungen billig an und konnte damit von 1977 bis 1983 die Kundenzahl verdreißigfachen. Seine Erträge stiegen von 4,6 auf 126,5 Millionen. 1983 verkaufte er sein Unternehmen an die heutige Bank of America. 1987 kaufte er es zurück und brachte es an die Börse. Um den Einbruch an den Aktienmärkte in jenem Jahr aufzufangen, erweiterte der Broker erstmals sein Angebot und bot nun auch andere Leistungen gegen geringe Gebühr an.

          Auch in mandarin und kantonesisch

          Von 1989 an war Schwab telefonisch in spanisch sowie mandarin und kantonesisch erreichbar, über den Telefonhandelsservice TeleBroker. Außerdem begann er damals, unabhängige Finanzberater an Kunden zu vermitteln. 1991 erwarb er Mayer & Schweitzer, einen Anbieter mit einem ausgefeilten Serviceangebot. Die Neuerwerbung wickelte stolze sieben Prozent aller Geschäfte an der Nasdaq ab.

          Seine erste Niederlassung in Europa eröffnete Schwab 1995 in London. Heute unterhält Charles Schwab 360 Standorte in den USA, Kanada, Großbritannien, Kanada, Hongkong, Puerto Rico, den Caymans und den amerikanischen Virgin-Inseln. Im vergangenen Jahr beschäftigte er 25.800 Mitarbeiter. Mit dem Investmentbanking begann Schwab 1997. Damals schloss die Direktbank Kooperationsvereinbarungen mit J.P. Morgan, Hambrecht & Quist sowie Credit Suisse First Boston.

          Die Börsenflaute setzte auch Schwab gehörig zu. Für das zweite Quartal sprach das Unternehmen eine Gewinnwarnung aus. Die Erlöse sollen voraussichtlich 1,2 Milliarden Dollar betragen, ein Gewinn von acht Cents je Aktie. Um Kosten zu sparen, feuert Schwab daher 13 Prozent der Belegschaft (3.400 Mitarbeiter). 40 bis 45 Millionen Dollar will der Broker dadurch sparen.

          Jetzt setzt das Bankhaus auf das mobile Banking. Ende Juni gab Schwab seine Allianz mit dem Mobilfunkhersteller Ericsson bekannt. Die Kunden sollen seine Dienste bald auch mobil nutzen können.

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