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Champions-League-kommentar : Kein Gebührengeld für Fußball!

Champions-League-Finale: Müssen wir dafür zahlen? Bild: AP

Die Champions League läuft bald nicht mehr im ZDF. Daran gibt es nur einen Skandal: Dass das ZDF die Spiele überhaupt übertragen wollte.

          Die Aufregung unter den Fußballfans ist mal wieder groß. Das Finale der Champions League am Samstag war das letzte Spiel in der Liga der finanzkräftigsten Vereine Europas, das kostenlos im Fernsehen zu empfangen war. In der nächsten Saison geht das nur gegen Geld. 34 von 138 Spielen sind auf dem Bezahlsender Sky zu sehen, wie im Übrigen schon die Begegnungen der Fußball-Bundesliga. Den Rest überträgt das Internetportal Dazn. Das öffentlich-rechtliche ZDF hatte mitgeboten, war aber nicht zum Zuge gekommen.

          Was ist daran schlimm? Vor allem eines: dass der Mainzer Sender, der sich aus Gebührengeldern finanziert, überhaupt wieder ein Gebot abgegeben hat, das vermutlich deutlich im dreistelligen Millionenbereich lag. Das ist keine Kleinigkeit. Erst recht, wenn man die Debatte um die Bundesliga-Rechte hinzunimmt, für die Sky neuerdings 1,16 Milliarden Euro pro Saison zahlt. Zum Vergleich: Insgesamt nehmen die öffentlich-rechtlichen Sender rund acht Milliarden Euro im Jahr an Rundfunkbeiträgen ein. Würden sie bei allen Sportereignissen mitbieten, gäben sie den frei verfügbaren Teil ihres Etats fast nur noch für entsprechende Lizenzgebühren aus. Das wäre natürlich Wahnsinn. Denn der Fußball ist längst ein Geschäft wie jedes andere. Mehr als vier Milliarden Euro setzen allein die deutschen Vereine im Jahr um, mehr als 80 Prozent davon entfallen auf die Erstligisten. Den größten Teil davon machen Medienrechte und Werbung aus. Auch in anderen Ländern sind die Summen gewaltig, vor allem in England, wo die Erstligisten ihre Übertragungsrechte doppelt so teuer verkauften wie die Kollegen in Deutschland.

          Warum sollten Gebührenzahler ein lukratives Geschäft subventionieren?

          Warum sollten die Gebührenzahler ein Geschäft subventionieren, das kommerziell so prächtig gedeiht? Dafür werden in der Debatte verschiedene Argumente angeführt. Es gebe ein Informationsbedürfnis der Öffentlichkeit, heißt es dann. Für Elitäres wie differenzierte politische Analysen oder gar Opern-Übertragungen gäben die Sender ja auch Geld aus. Und schließlich: Wer die Spiele ins Bezahlfernsehen verbanne, der leiste der schnöden Kommerzialisierung des Fußballs auch noch Vorschub.

          Lassen wir das letze Argument beiseite, weil die Vereine nun mal als Wirtschaftsunternehmen auftreten und sich daran so schnell nichts ändern wird (warum auch?). Und der Informationsanspruch, über den man lange streiten kann, lässt sich mit Ergebnissen und Ausschnitten befriedigen, sofern es ihn denn gibt. Es verlangt schließlich auch keiner, neue Kinofilme müssten frei im Fernsehen zu empfangen sein.

          Nur eine Minderheit interessiert sich für Fußball

          Fraglich ist zudem, ob sich für Fußball wirklich so viel mehr Menschen interessieren als für Politik oder Kultur. Die verfügbaren Zahlen sprechen eher dagegen. Rund 13 Millionen Karten verkaufen die Bundesliga-Clubs pro Saison für ihre Stadien, mit rückläufigem Trend. Die deutschen Stadt- und Staatstheater setzen hingegen für Oper, Schauspiel und klassisches Konzert mehr als 20 Millionen Tickets ab, Tendenz steigend. Auch Umfragen belegen: Nur eine Minderheit der Bevölkerung interessiert sich für Fußball, das aber sehr stark. Der Mehrheit ist das Ganze ziemlich schnuppe, wenn nicht gerade das Endspiel einer Weltmeisterschaft ansteht. Bezahlen müssen aber alle.

          Nun wären Zahlen alleine noch kein Argument. Schließlich finanzieren die Sender auch Programme mit deutlich bescheidenerer Quote, und Kulturzuschüsse fließen nicht nur an die großen Theater mit einer halben Million Besuchern im Jahr. Aber hier werden Dinge ermöglicht, die ohne Steuer- und Gebührengeld nicht stattfänden. Das aber ist beim Fußball fraglos nicht der Fall. Und trotzdem zahlt der Staat viele mehr oder weniger versteckte Subventionen, etwa die 210 Millionen Euro für die Erschließung der Münchener Allianz-Arena oder die Kosten der Polizeieinsätze, die bislang noch nicht auf die Vereine abgewälzt werden. Das alles kommt schon teuer genug.

          Ralph Bollmann

          Korrespondent für Wirtschaftspolitik und stellvertretender Leiter Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

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