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Cebit 2018 : Roboterhunde und intelligente Autos

Der Roboterhund von Boston Dynamics samt seinem „Herrchen“ Marc Raibert beeindruckten die Besucher der Cebit. Bild: Cebit

Das amerikanische Unternehmen Boston Dynamics entwickelt „Spotmini“ für den freien Verkauf. Und Daimlers Mann für Künstliche Intelligenz verrät, was er vorhat.

          Das für seine laufenden Roboter bekannte Unternehmen Boston Dynamics will schon bald sein erstes Produkt im freien Verkauf für jedermann anbieten. Das gilt jedenfalls für alle, die sich die Geräte leisten können. Der vierbeinige Roboter mit dem Namen Spotmini, der einem Hund nachempfunden ist, soll im kommenden Jahr auf den Markt kommen, sagte Gründer Marc Raibert im Gespräch mit FAZ.NET auf der Technikmesse Cebit in Hannover. Einen Preis für das mehr als 30 Kilogramm schwere Gerät nannte er aber noch nicht. Er dürfte allerdings viele Tausend Euro betragen.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          In seinen beiden seiner sehr gut besuchten Vorträge in Hannover sagte Raibert, dass Spotmini eine Plattform sei, die Kunden mit Hilfe zusätzlicher Geräte für verschiedene Einsatzgebiete ausrüsten könnten. Ähnliches hatte Raibert vor einigen Wochen auch schon auf einer Tech-Konferenz in den Vereinigten Staaten angekündigt: Möglich ist zum Beispiel eine Ausstattungsvariante mit weiteren Kameras, die den autonome Roboter in die Lage versetzen zum Beispiel das Gelände von Fabriken abzulaufen und dabei zu kontrollieren. Genauso könnten Roboter, die in der Lage sind, Treppen hinauf- oder auch hinunter zu gehen, Treppenhäuser kontrollieren.

          Die Hunde sind allerdings nicht gelangweilt, wenn es einfach darum geht, ihren Besitzern einfach ein Glas Wasser zu reichen. In Halle 27 der Cebit faszinierte das die Besucher. Ein jeder dürfte aber auch die Frage im Kopf gehabt haben, wohin das alles noch führen wird - zumal das Unternehmen durchaus auch schon an militärischen Anwendungen gearbeitet hat, von denen in Hannover freilich nicht die Rede war.

          Schon 25 Jahre alt

          Boston Dynamics ist vor mehr als 25 Jahren gegründet worden. Bis zur Mitte des vergangenen Jahres gehörte das Unternehmen mehr als vier Jahre lang zu Google beziehungsweise der Dachgesellschaft Alphabet. Der neue Besitzer ist der Technologie-Konzern Softbank des japanischen Milliardärs Masayoshi Son, der schon eine Reihe von Robotik-Unternehmen gekauft hat.

          Das Aussehen der Roboter ist nach den Worten von Raibert dabei gänzlich gleichgültig. Sie müssten keinesfalls Tieren oder Menschen ähneln. Sein Unternehmen habe auch Roboter in der Entwicklung, die keinem Lebewesen ähnelten, sagte Raibert im Gespräch. Schon auf der Bühne hatte Raibert auf etwas verwiesen, was letztlich spannend der ist als das Aussehen der Maschinen: die Verbindung der Roboter mit einer immer leistungsfähigeren Künstlichen Intelligenz.

          Überall wird berichtet und spekuliert, wann uns ein Roboter gegenübersteht, der wirklich das Prädikat „intelligent“ verdient – was auch immer „Intelligenz“ genau heißt. Darum kümmern sich aber nicht nur Firmen wie Boston Dynamics, sondern auch traditionsreiche deutsche Unternehmen wie zum Beispiel Daimler.

          Der Mobilitätskonzern hat dafür Steven Peters nach Hannover geschickt, der seit  April 2017 das neue Forschungsteam „Artificial Intelligence Research“ aufbaut. Das Team sieht sich als zentraler Ansprechpartner für die Fachbereiche der Entwicklung. Und Peters versteht es im Gespräch mit FAZ.NET, das Thema KI zunächst zu entmystifizieren. Denn es handle sich dabei zunächst einmal „nur“ um Mathematik – genauer gesagt um Statistik.

          Er schaue sich in seinen Projekten große Datenmengen an und versuche, darin Muster zu erkennen. Aus diesen Mustern wiederum könne man  Funktionen im Auto entwickeln, die für mehr Komfort und Sicherheit sorgten. Schon in einem Blogbeitrag hatte Peters vor einiger Zeit formuliert, dass es in diesem Zusammenhang eine interessante Forschungsaufgabe sei, auch die Emotionen der Insassen im Auto abzuschätzen: Damit sei es möglich, das immer größer werdende Angebot von Unterhaltungs- und Entspannungsprogrammen im Auto zielgerichteter zu präsentieren.

          Die KI-Programme sollten dem Kunden mehr Komfort und Bediensicherheit geben, aber sie müssten immer nachvollziehbar und dürfen niemals aufdringlich sein. Peters hat schnell Karriere gemacht. Er ist Jahrgang1987 und trat im Februar 2016 in die Konzernforschung der Daimler AG ein. Zuvor war er Oberingenieur am Karlsruher Institut für Technologie (KIT).

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