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Selbstversuch : Wie ich zum Cyborg wurde

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z., Jonas Jansen, Martin Gropp

Auf der Cebit kann man nicht nur Drohnen und Roboter bestaunen, sondern die neueste Technik auch gleich testen. Redakteur Jonas Jansen hat es ausprobiert und sich einen Chip in die Hand einpflanzen lassen.

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          Cyborg werden ist wie Blutabnehmen - nur nicht so schlimm, weil man kein Blut rauspumpen muss. Patrick Kramer sitzt mir gegenüber und schießt mit einer Nadel einen reiskorngroßen Chip in meine Haut zwischen Daumen und Zeigefinger. 

          Jonas Jansen
          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Nach einem Stich ist alles vorbei - und ich habe nun einen glasummantelten Chip unter der Haut, mit 888 Byte Speicherplatz. Das ist sehr wenig, nicht zu vergleichen etwa mit einem USB-Stick. Dafür habe ich alles, was ich darauf speichere, immer dabei. Das kann eine Visitenkarte sein, oder Profile auf Sozialen Medien.

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          Dazu brauche ich ein Android-Gerät, das ich an meine Hand halte, dann kann ich die Informationen auf dem Chip lesen - und beschreiben, das funktioniert mit „Near Field Communication“ (NFC). Bekannt ist das vor allem durch die ersten Versuche des mobilen Bezahlens, in manchen Supermärkten kann man mit der NFC-Technik direkt mit einer Handybewegung geringe Beträge bezahlen. Theoretisch könnte ich das also auch mit einer Handbewegung.

          Mit dem Chip die Haustür aufschließen

          Nur würde ich niemals so sensible Daten wie Bankverbindungen auf dem Chip speichern, denn das Auslesen ist für jeden leicht, der mir nahe kommt. Nützlich könnte der Chip unter der Haut trotzdem sein, wenn ich noch andere NFC-Empfänger etwa in meiner Wohnung verteile.

          Patrick Kramer, Gründer der Firma Digiwell, die solche Chips herstellt, schließt mit seinem Chip in der Hand seine Haustür auf. Möglich wäre auch, beim Rausgehen aus der Wohnung das Licht auszuschalten, oder für bestimmte Orte Profile für mein Handy zu speichern. Dann würde mein Handy auf der Arbeit automatisch lautlos werden oder im Auto das GPS anmachen. 

          Schon seit acht Jahren pflanzt Kramer solche Chips ein, was für mich nach Zukunft klingt, ist für ihn schon alt. In Kramers Zukunft werden die Chips kleiner, reichweitenstärker und elastischer. Doch Kramer ist auch einer, der alle Möglichkeiten der Chips nutzen will, der etwa im Fitnessstudio nicht seine Karte zückt, sondern bloß seine Hand. Mir reicht erst einmal die Visitenkartenfunktion. Und wenn mich der Chip stört, nehme ich ihn einfach wieder raus. Dazu wird mit einem Skalpell ein kleiner Schnitt gemacht und der Glaskörper herausgenommen. So wird aus dem Cyborg wieder ein ganz normaler Mensch.

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