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Internet der Dinge : Von intelligenten Weinbergen und Äckern

  • -Aktualisiert am

Datensammler: Modell des vernetzten Weinbergs auf der Cebit. Bild: Martin Gropp

Alles redet von der vernetzten Industrie. Doch die Cebit zeigt: Das Internet der Dinge ist auch in der Landwirtschaft angekommen - und reicht bis in die Weinberge an der Mosel.

          Früher musste sich der Moselwinzer Theo Haart vor allem auf sein Auge und seine Erfahrung verlassen. Wenn er durch die Weinberge ging, schaute er oft auf den Boden, um zu prüfen, welche Pflanzen rund um seine Weinstöcke wuchsen. Je nachdem, wie der Bewuchs ausfiel, wusste Haart, wie es den Weinstöcken, Reben und Trauben ging, aus denen seine Familie nun schon seit fast 700 Jahren Riesling keltert.

          „Wir brauchen einen gesunden Boden, um daraus Kapital zu schlagen“, sagt der Winzer in einer der Messehallen der Computermesse Cebit in Hannover. Es ist ein ungewöhnlicher Ort für einen Weinbauern. Aber weil den Inhaber des Weinguts Reinhold Haart aus dem rheinland-pfälzischen Piesport inzwischen Sensoren und Netzwerktechnik bei seiner Arbeit unterstützen, steht er während der Cebit am Stand des amerikanischen Unternehmens Intel, das vor allem für seine Computerchips bekannt ist.

          Mehr Videos und Texte von der IT-Messe Cebit finden Sie auf unserer Themenseite.

          Seit Juli vergangenen Jahres sind drei Parzellen von Haarts Weinbaugebiet vernetzt. Hardware und Software stammen von Intel und dem Nürnberger Unternehmen Myomega. Im Boden stecken nun Sensoren, die über eine Funkverbindung Daten an eine Basisstation senden. Die Sensoren messen, wie feucht der Boden ist und wie warm. Photozellen über dem Boden nehmen die Sonneneinstrahlung auf und die Feuchtigkeit über der Erde. Die Basisstation sammelt die Daten und schickt sie gesammelt aufs Tablet des Winzers. Dort läuft ein Analyseprogramm, das Haart Anhaltspunkte gibt, ob es womöglich Zeit ist, das Weinlaub zu stutzen oder etwas gegen einen möglichen Pilzbefall zu tun. „So wie ich morgens meine E-Mails lese, schaue ich mir inzwischen die Daten an“, sagt Haart. Sie helfen ihm, sein jahrhundertealtes Handwerk besser zu betreiben.

          Der vernetzte Weinberg ist nur eines der Beispiele auf der Cebit, die sich rund um das Internet der Dinge drehen. Seit einigen Jahren ist die Vernetzung von Alltagsgegenständen aber auch von ganzen Industrien ein Trendthema. Das Marktforschungsunternehmen Gartner geht davon aus, dass in diesem Jahr 6,4 Milliarden Dinge über Sensoren mit dem Internet verbunden sein werden – 30 Prozent mehr als im Vorjahr. Heuer kommen jeden Tag im Schnitt 5,5 Millionen neue vernetzte Dinge ans Netz. Bis zum Jahr 2020 soll die Zahl laut Gartner auf dann fast 21 Milliarden steigen. Mehr als die Hälfte der vernetzten Geräte und Dinge werden Konsumenten nutzen, gut sieben Milliarden werden demnach aber in der Wirtschaft eingesetzt werden – und eben auch in der Landwirtschaft.

          Die Technik soll Ressourcen sparen

          Wie das aussehen kann, zeigt auf der Cebit auch die Deutsche Telekom, zumindest in der Theorie. Am Stand des Bonner Telekommunikationskonzerns stecken in einem Blumentopf lange weiße Stäbe. Auch sie sind mit Sensoren ausgestattet und sollen irgendwann einmal in einem Acker ihren Platz finden. Dort werden sie die Sonnenscheindauer oder die Bodenfeuchtigkeit bis zu einer Tiefe von 40 Zentimetern messen. So soll der Bauer zum Beispiel erfahren, ob es Zeit ist, seine Pflanzen zu wässern. Auch hier sollen die Daten helfen, Arbeitszeit und Ressourcen zu sparen.

          Der Moselwinzer Theo Haart ist von seinen vernetzten Weinbergen jedenfalls überzeugt. „Die Daten helfen uns schon weiter“, sagt Haart. Gerade weil sein Sohn als Kellermeister des Weinguts viel unterwegs sei, auf Messen und bei Kunden. Da bleibe mitunter nicht mehr viel Zeit, im Weinberg zu sein und sich allein auf sein Auge zu verlassen. So habe der Sohn die Möglichkeit, von unterwegs auf die Daten zu schauen und den Mitarbeitern vor Ort womöglich Anweisungen zu geben, was zu tun ist.

          Ob er auch weitere Parzellen seines Weinguts mit Sensoren ausstattet, weiß Haart noch nicht. „Ich habe ein, zwei Parzellen im Blick“, sagt er zwar. Am Ende komme es aber auch darauf an, wie teuer die Vernetzung werde. Seine mit Sensoren versehenen Weinstöcke sind ein Testlauf, der endgültige Preis für die Lösung steht noch nicht fest.

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