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Datenanalysen bei der WM : Sensoren im Nacken

  • -Aktualisiert am

Die technischen Möglichkeiten sind groß: Mit Hilfe von Sensoren im Nacken und in Schienbeinschützern können die Leistungsdaten jedes einzelnen Spielers analysiert werden. Bild: SAP

Zum Gewinnen einer Weltmeisterschaft kann in Zeiten der Digitalisierung ein neuer Faktor entscheidend sein: Daten. Die deutsche Nationalmannschaft setzt nun auf die Datenanalyse des Softwarekonzerns SAP.

          Um ein Fußballspiel auf dem Niveau der Besten zu gewinnen, gar ein ganzes Turnier, braucht es nicht nur Talent, sondern auch eine Menge Geld. Anders nämlich lassen sich die richtigen Talente nicht mehr an den Verein binden. Das weiß heute jedes Kind. In Zeiten der Digitalisierung könnte ein weiterer entscheidender Faktor dazukommen: Daten. Wer mehr über den Gegner weiß, über dessen Taktik, Aufstellung, Vorlieben, mehr über die eigenen Stärken und Schwächen, wer schneller auf Veränderungen reagiert, als Erster neue Muster erkennt, der könnte am Ende vorne liegen. Das zumindest hofft der Deutsche Fußball-Bund, der anlässlich der Weltmeisterschaft in Russland abermals mit dem Softwarekonzern SAP kooperiert.

          Bernd Freytag

          Wirtschaftskorrespondent Rhein-Neckar-Saar mit Sitz in Ludwigshafen.

          In Brasilien, wo die Nationalmannschaft zum ersten Mal auf die Softwaredienste vertraute, wurde sie immerhin Weltmeister. Nun hat SAP sein Angebot für den DFB erweitert. Ein „Video Cockpit“ für Trainer und Betreuer und ein „Player Dashboard“ für die Spieler sind dazugekommen. Das erste Programm erinnert an ein digitales Fußballspiel, nur mit Daten echter Menschen unterlegt. Mit Spielszenen, Taktiken und Informationen über die Gegner, samt Spielszenen und Informationen über die Spieler, wer wann wie geschossen hat. Dazu nutze SAP nicht nur die Bilder von Fernsehanstalten, sondern übernehme Daten von spezialisierten Datendienstleistern, die eigens im Stadion jede Szene aufzeichneten, sagt der zuständige SAP-Manager Fadi Naoum im Gespräch mit dieser Zeitung. Auf dem „Player Dashboard“ bekommt dann jeder Spieler oder jeder Mannschaftsteil die für ihn relevanten Szenen geschickt, er kann sie auf seinem iPad ansehen und kommentieren. „Die Spieler werden immer mehr einbezogen“, sagt Naoum.

          Jeder Schritt zählt: Durch die Sensoren im Nacken und in Schienbeinschützern können die Leistungsdaten und Fitnesswerte sogar in eine Datenbrille des Trainers gespiegelt werden.

          Effektiver, schneller und fundierter

          Die neuen Lösungen werden der Nationalmannschaft öffentlichkeitswirksam einige Zeit exklusiv zur Verfügung gestellt, danach wandern sie in SAP Sports One und SAP Challenger Insight, Prgrammpakete, die eigens für Sportvereine entwickelt wurden. Elf Clubs in der Bundesliga nutzen die Lösungen bereits, auch für andere Sportarten wie Handball, Eishockey und bald auch Rugby werde die Software angepasst. Die Vereine würden damit in die Lage versetzt, die Spielvorbereitung, die Talententwicklung, das Scouting und alles rund um das Thema Spielergesundheit digital abzubilden.

          Durch die Aufbereitung und Visualisierung der Daten könnten Entscheidungen auch im sportlichen Bereich effektiver, schneller und fundierter getroffen werden – das ist das Werbeversprechen. SAP hat 2013 damit begonnen, die Software von reinen Verwaltungs- und Marketingfunktionen der Vereine auch auf das unmittelbare sportliche Geschehen auszudehnen. „Versuchskaninchen“ war damals die von SAP-Mitbegründer Dietmar Hopp gesponserte TSG Hoffenheim. Projektleiter dort: der damalige U-19-Trainer Julian Nagelsmann, der heute, nach seinem Erfolg bei den Profis, von vielen Vereinen umworben wird. Die technischen Möglichkeiten sind groß: Hoffenheim etwa hat mit Hilfe von Sensoren im Nacken und in Schienbeinschützern die Leistungsdaten jedes einzelnen Spielers analysiert und die Fitnesswerte sogar in eine Datenbrille des Trainers gespiegelt. Die Fifa erlaube diese Techniken in Spielen aber nicht, sagt Naoum. SAP, der größte Hersteller von Unternehmenssoftware auf der Welt, bietet seinen Kunden auch sogenannte „Predictive Analytics“, Programme, die mit Hilfe großer Datenmengen Vorhersagen treffen sollen.

          In Brasilien vertraute die Nationalmannschaft zum ersten Mal auf die Softwaredienste der SAP – und wurde Weltmeister.

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