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Cyberkriminalität : Deutsche Firmen erleiden Milliardenschaden

Fremde Hände im Geschäft, natürlich auch virtuell. Bild: dpa

Vier von zehn Unternehmen waren 2014 von Internet-Angriffen betroffen – Finanzdienstleister stehen im Fokus der Kriminellen.

          2 Min.

          Computerkriminelle richten bei mehr Unternehmen immer höhere Schäden an. Laut einer Umfrage der Wirtschaftsberatungsgesellschaft KPMG belief sich der Gesamtschaden in Deutschland allein in den vergangenen beiden Jahren auf 54 Milliarden Euro. Als häufigstes Ziel suchen sich die Täter bargeldlose Zahlungssysteme aus: 30 Prozent aller Delikte entfielen auf diesen Bereich. 55 Prozent aller Finanzdienstleister wurden im vergangenen Jahr virtuell attackiert. Quer durch alle Branchen waren 2014 rund 40 Prozent aller Unternehmen betroffen, nach 27 Prozent im Jahr 2013.

          Thiemo Heeg

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Studie zufolge herrscht ein gravierendes Missverhältnis in der deutschen Wirtschaft in der Einschätzung von allgemeiner und eigener Betroffenheit. Neun von zehn Unternehmen sehen generell ein hohes Risiko für deutsche Unternehmen, Opfer von Cyberverbrechen zu werden. Dagegen schätzt weniger als die Hälfte die eigene Gefährdungslage als hoch ein. „Viele Unternehmen verdrängen noch immer entsprechende Risiken“, resümiert die KPMG.

          Organisierte Kriminelle sind nach Einschätzung von zwei Drittel der Befragten die häufigsten Angreifer. Von ehemaligen Mitarbeitern oder Insidern gehen, glauben die Arbeitgeber, ebenfalls erhebliche Gefahren aus: Jedes zweite Unternehmen sieht sich durch diese Personengruppe bedroht. Und auch die Enthüllungen des einstigen amerikanischen Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden schlagen auf die Stimmung in der Wirtschaft. Verstärkt werden in- und ausländische Geheimdienste als eine mögliche Gefahrenquelle genannt.

          Unternehmen sehen Gefahr aus den eigenen Reihen

          Viele Unternehmen treibt jedoch nicht nur die Sorge um, dass eigene Mitarbeiter als Computerkriminelle auftreten könnten. Vielmehr gelten die Beschäftigten auch als diejenigen, die aus Leichtsinn oder Unkenntnis verbrecherische Attacken erst ermöglichen. Knapp neun von zehn Unternehmen gibt die Unachtsamkeit der Beschäftigten zu denken, fast acht von zehn befürchten bei ihnen ein mangelndes Verständnis für die Risiken. „Das ist erstaunlich, weil fast alle Unternehmen eigenen Angaben zufolge ihre Belegschaft sensibilisieren und schulen“, sagt KPMG-Forensikexperte Alexander Geschonneck. Als besonders risikobehaftet wird die Handynutzung und die dienstliche E-Mail-Kommunikation eingeschätzt.

          Cyber-Angriffe : Tipps für Unternehmen gegen Internet-Attacken

          Für Mittelständler kann eine Computerattacke möglicherweise existenzgefährdend sein. Das zeigen die durchschnittlichen Schadenssummen. Vor allem die Verletzung von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen sowie von Urheberrechten schlagen zu Buche: im Durchschnitt mit jeweils rund 600.000 Euro je Fall. Rund 90 Prozent der Befragten beobachten laut Umfrage, dass die Vorfälle immer komplexer werden, was eine Verfolgung der Täter immer schwieriger mache. Zudem sei es schwierig, gutes IT-Personal zu bekommen, sagte Geschonneck. „Der Markt für Fachkräfte, die sich im Bereich ,E-Crime‘ gut auskennen, ist äußerst angespannt.“

          Deutlicher Anstieg in den Statistiken

          Die Erkenntnisse der KPMG korrespondieren mit Daten des Branchenverbandes Bitkom und des Bundeskriminalamtes. „Die Fälle von Computer- und Internetkriminalität nehmen weiter zu“, hatte der Bitkom bereits im vergangenen Jahr resümiert. So habe es 2013 einen deutlichen Anstieg der amtlich gemeldeten Fälle mit Blick auf Computersabotage und Erpressung von Internetnutzern gegeben.

          Das „Phishing“, also das illegale Absaugen von Privatdaten oder Passwörtern, werde immer raffinierter betrieben, hieß es damals. „Die Cyberkriminellen reagieren professionell und flexibel auf neue Sicherheitsstandards und passen ihre Methoden schnell den geänderten Rahmenbedingungen an. Das Gefährdungspotential für jeden Internetnutzer bleibt daher weiterhin hoch“, sagte der damalige BKA-Präsident Jörg Ziercke.

          Der Bitkom wiederum ermittelte in einer repräsentativen Umfrage unter 1000 Internetnutzern, dass in Deutschland mit 55 Prozent mehr als die Hälfte der Bürger innerhalb von zwölf Monaten Opfer von Computerkriminellen geworden sei. Die amtliche polizeiliche Kriminalstatistik wies für 2013 mit insgesamt 64.426 Cybercrime-Fällen zwar nur eine Steigerung von rund einem Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf. Fachleute verweisen jedoch auf die sehr hohe Dunkelziffer.

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