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Cebit-Partnerland Schweiz : Wo den Tüftlern ein Licht aufgeht

Mit der Digitalisierung ihres rollenden Materials hat die Schweizer Bahn (SBB) bereits sehr gute Erfahrungen gesammelt. Dass sie zu den pünktlichsten Bahngesellschaften der Welt zählt (wohl nur übertroffen von den Japanern), beruht nicht zuletzt auf ihrem „Rail Control System“ (RCS). Dahinter steckt eine selbst entwickelte Software, welche die Verkehrsabläufe auf dem 3000 Kilometer langen Schienennetz präzise erfasst und sekündlich optimiert. „Unser System macht automatisch Vorschläge, wie man unsere 10.000 Züge am besten steuern und nutzen sollte“, erläutert der SBB-Vorstand Peter Kummer.

Das System meldet dem Lokomotivführer via iPad die optimale Geschwindigkeit, damit dieser gar nicht erst vor einem roten Signal zum Stehen kommt. Wenn weniger gebremst und beschleunigt wird, wird auch weniger Material verschlissen und weniger Energie verbraucht. „Wir sparen damit 20.000 Franken pro Tag“, sagt Kummer. Stolz berichtet er, dass „die große Deutsche Bahn“ beschlossen habe, „der kleinen SBB“ diese Software abzukaufen. Es werde aber wohl noch drei Jahre dauern, bis die Deutsche Bahn es voll einsetzen könne.

Standortverlagerung ins Ausland

Also eitel Sonnenschein in der digitalen Schweiz? Nein. Der Mangel an Fachkräften macht vielen innovationsgetriebenen Unternehmen - ob jung oder alt - schwer zu schaffen. Dabei gibt es ganz spezifische Schweizer Hürden, wie der Aufschrei des leitenden Google-Ingenieurs Julien Borel jüngst zeigte. Google beschäftigt in Zürich 1600 Mitarbeiter; es könnten aber noch mehr sein: Borel beschwerte sich in der „NZZ“ darüber, dass es inzwischen sehr schwierig sei, Arbeitsbewilligungen für Ausländer zu bekommen, die nicht aus der EU kommen. In der Folge habe Google die Mitarbeiter vermehrt in Großbritannien angesiedelt anstatt in der Schweiz. In seiner Abteilung habe es 2015 zwei Zugänge in Zürich gegeben, aber 20 in London.

Für Leute aus sogenannten Drittstaaten wie Amerika, Indien oder Japan gibt es in der Schweiz bestimmte Kontingente, die im vergangenen Jahr um rund ein Drittel reduziert wurden. Wenn die Schweiz die 2014 angenommene Initiative „gegen Masseneinwanderung“ eins zu eins in die Praxis umsetzt, könnte es künftig auch Kontingente für EU-Bürger geben. „Das wäre eine absolute Katastrophe“, sagt Andreas Kaelin, Geschäftsführer des IT-Dachverbands ICT Switzerland. Die Branche sei dringend auf Fachkräfte aus dem Ausland angewiesen. Ohne diese würden gewisse technologische Entwicklungen künftig im Ausland stattfinden. „Für die IT- und Hightech-Industrie der Schweiz wäre das ein schwerer Schlag.“

Die Standortverlagerung hat de facto bereits begonnen, wie das Beispiel Comfylight zeigt: Die Jungunternehmerin Stefanie Turber brauchte dringend Softwareentwickler. Gefunden hat sie diese aber nicht in Zürich, sondern in München. Dort hat das Start-up jetzt einen zweiten Standort aufgemacht.

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