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Cebit 2018 : Netzpionier Lanier rät zur Social-Media-Kur

  • Aktualisiert am

Jaron Lanier, amerikanischer Informatiker, Musiker und Schriftsteller, übt an Facebook deutliche Kritik. Bild: dpa

Jaron Lanier ist wahrlich kein Feind des Internets. Dennoch hat er kein Social Media – und rät auch allen anderen zum Fasten. Beim Kick-Off der Cebit macht er noch einen weiteren interessanten Vorschlag.

          Digitalpionier Jaron Lanier hat zum Auftakt der Cebit vor den negativen Auswirkungen der Sozialen Netzwerke gewarnt und empfohlen, Plattformen wie Facebook, Twitter und Co zu verlassen. „Wir sind daran so gewöhnt, dass wir nicht mehr merken, wie bizarr und krank das ist“, sagte er am Montag in einem Gespräch mit FAZ.NET-Digitalchef Carsten Knop auf der Kick-Off-Bühne der Computermesse in Hannover.

          Viele Nutzer seien der Meinung, ohne Social-Media-Präsenz würden sie gar nicht mehr existieren „Aber das ist eine Illusion: Wenn du versuchst, da rauszukommen, wirst Du feststellen, dass es gar nicht so schwer ist.“ Wer mit Sozialen Medien aufgewachsen sei, solle mindestens sechs Monate darauf verzichten, um eine neue Perspektive auf die Dienste zu gewinnen.

          Auch dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump rät er zu einer Twitter-Kur. Der Präsident sei abhängig von dem Nachrichtendienst: „Ich glaube er hätte einen viel besseren Charakter, würde seine Abhängigkeit geheilt“, sagte der 58-Jährige.

          Nutzer sollen zahlen

          Janier warnte konkret vor einer Überwachung in den Netzwerken, einem Kontrollverlust über die eigenen Daten und dem Effekt von Filterblasen. Demokratie bestehe aus Diversität und der Vielfalt im Denken: „Doch das funktioniert nicht, wenn wir alle im selben System gefangen sind.“

          Überwachungsmaßnahmen seien nicht neu in der Geschichte der Menschen, sagte der Netzpionier. Aber neu an der heutigen Technik sei die andauernde Überwachung der Nutzer kombiniert mit der Möglichkeit, diese direkt zu manipulieren –  ob in der Werbung oder bei politischen Entscheidungen. Zuletzt waren immer wieder Vorwürfe laut geworden, dass Kampagnen aus Russland via Facebook und Co gezielt auf das Brexit-Referendum oder die Wahl von Donald Trump zum amerikanischen Präsidenten Einfluss genommen hätten.

          Um die Kontrolle über die Daten zurückzugewinnen, sollten die Nutzer – so der Vorschlag von Lanier –  künftig für das Angebot zahlen. So habe sich beim Fernsehen am Beispiel von Netflix gezeigt, dass Bezahlangebote beliebter und besser sein könnten, als werbefinanzierte Modelle.

          Jaron Lanier gilt als Netzvordenker und hat mehrere Bücher veröffentlicht. 2014 wurde er mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Zuletzt erschien der Titel „Zehn Gründe, warum du deine Social-Media-Accounts sofort löschen musst“. Er selbst ist nach eigenen Angaben nicht auf den Sozialen Netzwerken vertreten.

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