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Cebit : Für Künstliche Intelligenz braucht es die Cloud

  • -Aktualisiert am

Sabine Bendiek ist die Deutschlandchefin des Technologiekonzerns Microsoft. Bild: dpa

Die Digitalisierung schreitet voran. Was das gerade für kleine Unternehmen bedeutet, erklärt die Microsoft-Deutschlandchefin gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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          Wie weit ist der deutsche Mittelstand in Fragen der Digitalisierung? Darüber kann man auf der Computermesse Cebit in Hannover länger streiten. Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) sagt: Weiter als man denkt. Andere, wie zum Beispiel der amerikanische Softwarekonzern Microsoft, sehen das anders. „Die großen Unternehmen haben in den vergangenen Jahren durch den Einsatz von Informationstechnologie große Produktivitätsfortschritte gemacht. Im Mittelstand sieht das anders aus. Dort ist die Produktivität in den vergangenen Jahren im Durchschnitt sogar zurückgegangen“, sagt Sabine Bendiek, Vorsitzende der Geschäftsführung von Microsoft Deutschland, im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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          „Natürlich gibt es sehr löbliche Ausnahmen, doch die sind vor allem unter den größeren Mittelständlern zu finden“, sagt Bendiek. In der Breite gelte, dass zu wenig in digitale Produkte, zu wenig in digitale Prozesse, zu wenig in den Umgang mit dem Wissen über die Kunden und auch zu wenig in die Attraktivität als Arbeitgeber für die jüngere Generation investiert werde. „Viel zu wenige kleine und mittelgroße Unternehmen begreifen die Informationstechnologie wirklich als Teil ihrer Strategie“, sagt Bendiek. „Eher wird hier mal etwas verbessert, weil es einfach sein muss, oder dort mal ein Update aufgespielt, weil es anders nicht mehr geht - aber eine IT-Strategie aus einem Guss gibt es nur selten.“

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          Das zeige auch eine Umfrage, die Microsoft selbst unter 1000 kleinen und mittleren Unternehmen vorgenommen habe. Das Ergebnis: Die Vorstellungen davon, was Digitalisierung für das eigene Geschäft bedeutet, klaffen weit auseinander und nur jedes fünfte Unternehmen trifft Investitionsentscheidungen strategisch. Was daraus folgt? „Wir müssen endlich den Fuß von der Bremse nehmen und auch jenseits von Leuchtturm-Projekten flächendeckend in die Zukunft investieren. Die Weichen für die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland werden in den kommenden zwei Jahren gestellt. Deshalb muss Digitalisierung auch ein Top-Thema im Wahlkampf werden“, sagt Bendiek.

          Sie räumt allerdings auch ein, dass genau das derzeit eher nicht zu erkennen sei. Dabei habe Deutschland beim Breitbandausbau und der digitalen Verwaltung erheblichen Nachholbedarf.

          Nach einer Untersuchung der staatlichen Förderbank KFW haben zwar vier von fünf kleinen und mittelständischen Unternehmen in den vergangenen drei Jahren Digitalisierungsprojekte umgesetzt. Doch beinahe die Hälfte hat dafür weniger als 10.000 Euro ausgegeben, obwohl die Unternehmen durchaus vom Nutzen digitaler Technologien überzeugt sind. „Der Betrag ist auch für ein kleineres Unternehmen zu niedrig, weil sich daran zeigt, dass nicht umfassend genug geplant wird“, sagt Bendiek.

          Das liege eben daran, dass die Vorstellungen davon, was Digitalisierung für das eigene Geschäft bedeute, weit auseinander klafften: Jeweils rund ein Viertel der Befragten verstehe darunter die Digitalisierung von Geschäftsprozessen und Kundenbeziehungen oder den Einsatz von Anwendungen für mobiles Arbeiten. Für jeden fünften Befragten stehen die Datenanalyse, Social Media-Anwendungen oder der Aufbau einer eigenen Webseite im Vordergrund. Und 37 Prozent denken beim Stichwort Digitalisierung noch an den Umstieg von Papier auf den Computer. In der Umfrage waren Mehrfachnennungen möglich.

          „Die Zahlen belegen, wie vielfältig die Anforderungen des Mittelstands in Fragen der Digitalisierung sind. Sie reichen vom Einsatz künstlicher Intelligenz bei der Produktion bis zum besseren Kundenmanagement. Wir müssen aber gerade deshalb dem Mittelstand den Nutzen digitaler Technologien noch besser erklären“, räumt Bendiek selbstkritisch ein. Gerade auch die eigenen Vertriebspartner, die im Geschäft mit dem deutschen Mittelstand sehr wichtig seien, müssten hier besser geschult werden. Denn aus den IT-Systemhäusern würden zunehmend Berater in Sachen Strategie.

          Zu dieser Beratung gehöre auch das Thema Umgang mit der Cloud, die gerade im Mittelstand lange auf große Bedenken gestoßen sei. Die Furcht vor einem Verlust der Kontrolle über die eigenen Daten war und ist groß. Allerdings stellt Bendiek fest, dass das Vertrauen in deutsche Cloud-Lösungen zunimmt: „Gerade mit Blick auf das große Zukunftsthema künstliche Intelligenz, das nicht nur auf der Cebit allenthalben diskutiert wird, führt daran gar kein Weg vorbei. Denn künstliche Intelligenz setzt massive Datenanalysen voraus – und dafür benötigt ein Mittelständler zwingend die Cloud“, ist Bendiek überzeugt.

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