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Künstliche Intelligenz : Eine Revolution steht vor der Tür

Computer können längst mehr als rechnen. Bestes Beispiel: Der humanoide Roboter Pepper. Bild: AFP

Schon heute können Computer mehr als nur Rechnen. Die Maschinen lesen und schreiben, vor allem aber sind sie fähig zu lernen. Das öffnet nicht nur neue Horizonte.

          3 Min.

          Die IT-Branche macht sich fit für die nächste Revolution. Während die klassischen Industrien mit dem verarbeitenden Gewerbe an der Spitze das Internet für sich entdeckt haben und nun an der Durchdigitalisierung ganzer Fabriken arbeiten, entwickeln IT-Häuser wie, IBM oder SAP eine neue Generation von Software, Hochleistungsrechnern und Netzwerken. Zehntausende Ingenieure arbeiten an Maschinen, Programmen und Prozessen, welche Maschinen quasi intelligent und Roboter für das tägliche Leben von Millionen Menschen einsatzbereit machen sollen.   

          Stephan Finsterbusch

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Auf uns kommt eine Flut von Daten zu“, sagt Andreas Hausmann, einer der Ingenieure von Hewlett-Packard-Enterprise (HPE) auf der Computermesse Cebit in Hannover. „Die werden wir mit der vorhandenen Rechentechnik allein nicht meistern können.“ Dafür erfindet HPE den Computer quasi neu. Hunderte Entwickler und Ingenieure des Konzerns arbeiten bereits an der Zukunft, Sie schreiben neue Grundlagen- und Anwendungsprogramme, bauten neue Datenbanken, legen neue Netzwerke. Das System soll nicht nur schneller, sondern auch flexibler und lernfähig sein als alles, was bislang da war. „Wir nennen das Vorhaben: The Machine“, sagt Hausmann. 

          Mehr Videos und Berichte von der IT-Messe Cebit finden Sie auf unserer Themenseite.

          Ein Supercomputer einer neuen Dimension. Der soll eine der Steuerungszentralen des Lebens im digitalen Zeitalter werden. Binnen eines Wimpernschlags können nicht nur Daten vom Umfang Millionen von Büchern erfasst und ausgewertet, sondern auch für neue Aufgaben eingesetzt werden. Konkurrenten wie die amerikanische IBM, die chinesische Huawei oder das japanische Mitsubishi-Konglomerat arbeiten an ähnlichen Maschinen. Der deutsche Industriekonzern Bosch hat vor den Toren Stuttgarts gerade ein neues Forschungs- und Entwicklungszentrum eingeweiht und ist dort mit rund 2000 Computer, Daten- und Softwarespezialisten der Zukunft auf der Spur. Siemens arbeitet an der Fabrik der Zukunft, einer Fabrik, die wie ein Computer funktioniert. 

          Jürgen Müller vom Softwarehaus SAP SE sagt, ein Computer werde nicht länger eine tote und passive Maschine sein, die nur ein festgelegtes und eingespeistes Programm abspult. „Die Rechner der Zukunft sind quasi aktive Systeme, die wie ein menschliches Hirn arbeiten. Sie können aufnehmen, verarbeiten, lernen und sich auf neue Situationen einstellen; sie können sehen, hören, schreiben und lesen; wir arbeiten an einer künstlichen Vernunft“. Was vor einem halben Jahrhundert ein Isaac Asimov einst in seinen Science Fiction Romanen entworfen hat, wird Wirklichkeit. 

          Die Maschine wird zum Superhirn

          Unternehmen wie Google oder Amazon nutzen für ihre Kundendienste im Internet bereits heute erste Instrumente dieses neuen großen Werkzeugkastens der Computerwissenschaften. Eingetippte Anfragen in die digitalen Suchmaschinen von Google haben sich wie von Zauberhand selbst komplettiert; der Internethändler Amazone analysiert das Kaufverhalten seiner Kunden, weiß , was die Kundschaft als nächstes will und stellt  sich darauf ein; Facebook ist eine große Datenmaschine, die mehr als nur das menschliche Verhalten analysiert. 

          „Schauen wir uns nur an, wie künstliche Systeme in Brettspielen wie Schach oder Go die menschlichen Weltmeister schlagen, dann haben wir eine Ahnung davon, zu was eine Maschine heute fähig ist, und was sie morgen können wird“, sagt Hausmann von HPE: Es seien nicht nur Formeln und Algorithmen, welche das zustande brächten. Es seien vor allem Technologien, in denen Computer zu Netzwerken verbunden und über diese koordiniert würden. In der Branche ist von rekurrenten neuronalen Systemen die Sprache. Mit anderen Worten: Die Maschine wird zum Superhirn. Die größten Projekte Amerikas und Europas sind die Erforschung der Arbeitsweise des menschlichen Hirns. 

          Die Europäer nennen ihr Programm „Human Brain Project“, die Amerikaner haben ihr Vorhaben „Human Brain Activity Project“, mit milliardenhohen Budgets versehen und die besten Wissenschaftler ihrer Kontinente daran gesetzt. Klassische Industrien und die Computerbranche erwarten sich bahnbrechende Erkenntnisse, die sie sofort in ihre tägliche Arbeit einfließen lassen wollen. So hat IBM zusammen mit Sony vor zehn Jahren einen Chip entwickelt, der einige der damals bekannten Funktionsweisen des Hirns simulierte. Der elektronische Baustein hielt Einzug in Videospielkonsolen. Das machte eine Playstation leistungsstärker als die Computer der ersten Mondlandung. 

          Heute werden ähnliche Prozessoren zur Steuerung von Maschinenparks und Fabriken eingesetzt, morgen zur Leitung von ganzen Betrieben und riesigen Städten. „Da fallen so viele relevante Informationen an, dass wir binnen eines Monats mehr Daten verarbeiten müssen als in der Menschheitsgeschichte zuvor“, sagt Müller von SAP. „Wir brauchen eine neue Generation von Computern“, meint Haussmann von Hewlett-Packard Enterprise. Eine Revolution steht vor der Tür.

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